Luftpost 387: Formationsflug

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Warum besonders Zugvögel in geometrischen Formationen fliegen, war lange ein Rätsel. Besonders oft war die V-Formation zu beobachten. Ein französischer Ornithologe rüstete daher afrikanische Pelikane mit telemetrischen Messgeräten aus, die er den Vögeln um den Leib schnallte. Er konnte damit nachweisen, dass einzeln fliegende Pelikane einen höheren Herzschlag hatten als die Tiere, die in einer V-Formation flogen. Das lässt Rückschlüsse auf den Energieverbrauch im Flug zu. Die Auswertung der Messdaten brachte es an den Tag: Flugreisen innerhalb einer V-Formation sind für die recht schweren und vor allem großen Pelikane kraftsparender als Alleinflüge oder Flüge in ungeordneten Figuren.

Der Leitvogel an der Spitze der Formation wird zu den stärkeren Tieren des Pulks gehören, denn er hat von allen Artgenossen im Verband die ungünstigsten Strömungsbedingungen. Er muss ständig mit den Flügeln schlagen und die Bugwelle brechen. Das verursacht Luftverwirbelungen, die sich beidseitig nach hinten ausbreiten. Die seitlich versetzt folgenden Vögel können darauf streckenweise gleiten und Kräfte sparen. Nach einiger Zeit lässt sich der erschöpfte Leitvogel an das Ende zurückfallen um sich auszuruhen. Ein anderer übernimmt die Führung. Dank diesem Teamwork können die Zugvögel kraftsparend weite Strecken zurücklegen.

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Nun hat auch Airbus angekündigt, mit zwei A350 dieses Prinzip zu testen. Die Flugzeuge sollen in 1,5 bis 2 Meilen Abstand hintereinander herfliegen. Dabei gilt es aber, den bisweilen negativen Effekt der Wirbelschleppen zu vermeiden und stattdessen auf der verwirbelten Luft zu „surfen“. Das soll elektronisch über die Autopiloten geregelt werden. Fello’fly heißt das Programm, von dem wir sicher noch hören werden, denn der Flugzeugbauer verspricht sich davon ca. 15 Prozent Spritersparnis. Dabei müssen die Maschinen nicht am selben Flughafen starten, sondern können sich unterwegs zu einem Rendezvous treffen, hintereinander herfliegen und kurz vor dem jeweiligen Zielflughafen wieder trennen. Erfahrung hat man da bereits reichlich aus der Luftbetankung, bei der ja meist kleinere Flugzeuge von unten an die Hecksonde des vorausfliegenden Tankers andocken müssen.

Seltene Formation von 32 italienischen und deutschen Starfightern – Foto Fecker

Allerdings ist in der militärischen Fliegerei der Formationsflug durchaus üblich. Meist fliegt man mit zwei oder vier Maschinen dicht nebeneinander, seitlich nach hinten versetzt, oft nur mit zwei Meter Abstand zwischen den Flügelspitzen. Oder man fliegt in einer Diamond-Formation. Dabei steht aber nicht die Spritersparnis im Vordergrund sondern die Taktik, und bei Notwendigkeit die gegenseitige Unterstützung. Eine Massenformation wie oben im sardischen Decimomannu ist allerdings in der Verkehrsfliegerei nie und nimmer zu erwarten. Sie ist sogar in der Militärfliegerei die absolute Ausnahme und bestenfalls der Flugshow im amerikanischen Oshkosh vorbehalten.

Andreas Fecker

2 Antworten zu “Luftpost 387: Formationsflug”

  1. Werner sagt:

    Auch das DLR befasst sich mit diesem Projekt. Allerdings gibt es noch viele Frage zu beantworten und Lösungen zu erarbeiten. Das betrifft ganz besonders ATC. Da könnte man viele ansprechen. Zum Beispiel was nach der Trennung der Formation, wenn aus einem Flug plötzlich zwei werden. Und das möglicherweise in einem dicht beflogenen Luftraum. Dann könnte der Controller vor Probleme stehen. Was geschieht, wenn sich ein Flugzeug verspätet? Wartet dann das andere Flugzeug auf den Verspäteten und blockiert damit eine Flughöhe für den anderen Luftverkehr? Oder fliegt er dann einfach weiter. Wenn er dabei als Nachfolgender der Formation vorgesehen war und er entsprechend der Ersparnis getankt hat, könnte er in Spritprobleme kommen und ggf. irgendwo zwischenlanden müssen. Nur um zwei Probleme anzusprechen.

    • Andreas Fecker sagt:

      Spannend! Ich würde liebend gerne an der Lösung mitarbeiten. Mit meinem militärischen Background habe ich mit der Auflösung von Four-Ship-Formations noch nie ein Problem gehabt. Aber zugegeben … hier prallen zwei Welten aufeinander. Die abgebildete 32er Formation in Deci habe ich übrigens damals zur Landung gebracht. Und ausgerechnet die letzte verlor ihren Bremsschirm!

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