Luftpost 405: Horseshit

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Foto: Fecker

Es passierte zu einer Zeit, als die Lockheed SR-71 noch das schnellste Aufklärungsflugzeug der Welt war. Die Crews trugen Raumanzüge und flogen in Höhen, die für Passagiermaschinen nicht erreichbar waren. Auch sowjetische Luftabwehrraketen hatten keine Chance. Wenn die SR-71 nicht gerade im Spionageeinsatz über der Sowjetunion unterwegs war, trainierte man eben in den USA, hoch über dem gewöhnlichen, erdnahen Verkehr. Die Maschine hatte eine phänomenale Beschleunigung und eine Spitzengeschwindigkeit von Mach 3.0. Als eine Crew in einem der wenigen Zweisitzer unterwegs auf einem Testflug von Eglin Air Force Base in Florida nach Beale AFB in Kalifornien unterwegs war, wählte sie die Frequenz von Cheyenne Center und hörte gelangweilt zu, wie die Flugsicherung tief unter ihnen das Gewimmel anfliegender Passagiermaschinen zu sortieren versuchte. Eine United Crew bekam gerade eine weitere Warteschleife aufgebrummt. Sofort platzte deren Käpten der Kragen. „Wir kamen mit zwei Stunden Verspätung aus Chicago raus und können uns keinen weiteren Delay erlauben.“ Der Controller in Cheyenne verteidigte sich und faselte etwas davon, er habe nur zwei Hände, ein Mikrophon und ein Radar und 20 Maschinen in der Luft, und jeder kommt dran, sobald er an der Reihe ist.“ Da kam es laut und deutlich über den Äther: „Horseshit!“ Cheyenne reagierte sofort und fragte: „Wer war das? Identifizieren Sie sich mit Ihrem Callsign.“

Lockheed SR-71 – Foto: USAF

Der Kommandant der SR-71 schüttelte den Kopf. Erst jammert er rum, dass er so viel Verkehr hat, und dann verschwendet er kostbare Zeit, wahrscheinlich um ein paar Punkte bei seinem Vorgesetzten zu machen. Er sagte zu dem hinter ihm sitzenden Reconnaissance System Officer (RSO): „Jetzt pass mal auf was passiert!“ Dann drückte er den Sprechknopf am Mikrofon: „Cheyenne Center, this is Blackbird 71, Flight Level 600 overhead Omaha. Negative on the Horseshit.“ Stille. Im Luftraum von Cheyenne Center flogen also gerade 20 Passagiermaschinen, die alle auf der gleichen Frequenz waren. Da meldete sich eine weibliche Stimme: „This is United 186, negative on the horseshit.“ Danach gab es kein Halten mehr. „This is Frontier 749, negative on the horseshit.“ „This is Clipper 342, negative on the horseshit.“ „This is Republic 224, negative on the horseshit.“ Nach und nach meldete ein Pilot nach dem anderen Fehlanzeige. Natürlich war damit minutenlang die Frequenz blockiert. Schließlich kam der Controller zu Wort: „Cheyenne an alle, beschränken Sie sich auf direkte Antworten in Standard Phraseology wenn Sie aufgerufen werden! Break Break. Continental 626 turn left heading 190, descend to altitude 5000 feet. Southwest 344 continue straight ahead maintain 6000…“ Der Controller versuchte mit überschlagender Stimme seinen Verkehr einzufangen.
Käpten Blackbird sagte zu seinem RSO „Jetzt weiß er, dass wir da sind.“ Der RSO antwortete, „… und er wird es ein Leben lang nicht vergessen!“ Und die Luftpostleser auch nicht.
Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 405: Horseshit”

  1. Karl sagt:

    Schön erzählt – und weckt tolle Erinnerungen: Auf einer LPC-Reise im Westen der USA konnten wir vor Jahren die SR-71 im Hangar nicht nur rundherum aus nächster Nähe sehen – ja sogar anfassen!

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