Luftpost 373: Beate Köstlin

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Andreas Fecker – Foto: Archiv Fecker

Beate Köstlin wurde 1919 in Ostpreußen geboren. Der Vater war Landwirt, die Mutter Ärztin. Das junge Mädchen war weltoffen, musikalisch und sportbegeistert. Mit 16 ging sie ein Jahr nach England als Au-pair. Ihr Abitur legte sie in der Odenwaldschule ab. Dort wurde sie auch hessische Meisterin im Speerwurf. Mit 17 nahm sie ihre erste Flugstunde in Berlin. Sie flog auf Heinkel, Klemm und Focke-Wulf und legte an ihrem 18. Geburtstag nach einem Soloflug ihre Flugzeugführerprüfung ab. Mit 20 heiratete sie einen ihrer Fluglehrer. Zwischendurch arbeitete sie als Praktikantin bei Bücker Flugzeugbau, durchlief alle Abteilungen und bekam so ein intensives Wissen über alle technischen und aerodynamischen Zusammenhänge eines Flugzeugs. Sie erweiterte ihren Flugschein um die Kunstflugberechtigung. Sie gewann mehrere Luftrennen und Flugwettbewerbe. Bücker stellte sie als Werkspilotin ein. Sie überführte neue und reparierte Flugzeuge von Deutschland nach Ungarn. Sie wirkte in mehreren Filmen als Pilotin mit. Es blieb nicht aus, dass sie während des Kriegs Flugzeuge an die Front bringen musste, um dann beschädigte Maschinen ins Reparaturwerk nach Strausberg zu fliegen. Beate Köstlin war eine Frau, die sich in der Männerwelt behauptete.

Tätigkeitsabzeichen für Pilotinnen im 2. Weltkrieg – Foto: Fecker

Mittlerweile hatte sie den Dienstgrad Hauptmann in der deutschen Luftwaffe. Durch ihre Kunstflugerfahrung konnte sie wiederholt feindlichen Jagdflugzeugen entkommen. 1944 überlebte sie ein schweres Flugzeugunglück, nahm aber die Fliegerei gleich wieder auf. Ihr erster Mann starb nach einem Abschuss. Beim Einmarsch der Roten Armee lud sie ihren Sohn, sein Kindermädchen und mehrere weitere Personen in ein Flugzeug und flüchtete über Leck nach Schleswig-Holstein. Nach dem Krieg und britischer Gefangenschaft ließ sie sich in Flensburg nieder. Sie begann Aufklärungsschriften zu verfassen und eröffnete einen „Versandhandel für Ehehygiene“. Bald darauf eröffnete sie das erste Erotikfachgeschäft der Welt. 1949 heiratete sie den Flensburger Kaufmann Ernst-Walter Rotermund.  Im Verlauf der Jahre wurde aus ihrem Unternehmen ein Konzern mit Niederlassungen in zahlreichen Ländern. 1989 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bis zu ihrem Tod behielt sie den Namen ihres gefallenen Ehemannes Hans-Jürgen Uhse. Beate Rotermund-Uhse starb 2001 im Schweizer St. Gallen.
Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 373: Beate Köstlin”

  1. Herbert sagt:

    Lieber Andy,
    wieder einmal interessant und gut recherchiert.
    Der Artikel hat mich in meine Zeit als Controller am Flugplatz in Husum erinnert. Den Luftraum durchflog Beate öfter von und nach Flensburg. Und so kann ich sagen: mit ihr habe ich auch schon gesprochen.
    MkG

  2. Wolfgang Kuhnt sagt:

    Beate Uhse verkörperte jenes Deutschland, das mit den Pickeln meiner Pubertät verbunden bleibt.

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