Luftpost 365: Flugmodus

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Foto: Fecker

„Hey Siri, Alexa, Google oder Cortana …“ genügt, und schon wacht das Handy, die Apple Watch oder die Raumüberwachung von Amazon oder Microsoft auf und fragt: „Was kann ich für Dich tun, Andreas?“ LTE, Bluetooth, WLAN, Infrarot begleiten uns in einer Welt, die frei von Kabelsalat unser Leben erleichtern kann. 58 Millionen Mitbürger sind mit ihren kleinen Zaubergeräten online. Der Telefonanruf geht direkt ins Ohr, das Mikrofon sitzt in der Uhr am Handgelenk, Kopfhörer oder Hörgerät schalten sich aufs Handy auf, das Auto wird mit der Armbanduhr geöffnet und gestartet. Der elektronische Tsunami kennt keine Grenzen: Timer, Stoppuhr, Adressbuch, Bankterminal, Kreditkarten, Bahncard, Fahrpläne von Bussen und Bahnen, Zug- oder Flugticket, Diktiergerät, Übersetzer in hunderte von Sprachen, Tabellenkalkulation, Powerpoint, Herzfrequenz, Fitness, Körpergewicht, GPS, Notruf, Musik, Taschenlampe, Taschenrechner, Währungsrechner, Wasserwaage, Schlafüberwachung, Medikamentenmanager, Video, Nachrichten, Kalender, eBook-Reader, Hörbücher, Email, Internet, Wecker, Terminkalender, Alarm, Parkgebühren, Tankstellenfinder, Wetter, Menstruationskalender, Stadtpläne, Verkehrsinfo oder Gelbe Seiten sind per Knopfdruck oder Sprachbefehl zu aktivieren. Außerdem, fast hätte ich es vergessen, die Uhrzeit kann man auch noch ablesen, aus Dutzenden von freiwählbaren Zifferblättern für jeden Geschmack. Und im Handy hat man auch noch die allgegenwärtige Kamera und folgerichtig die eigene Foto- und Videothek.

Wie abhängig all diese Gadgets und Gimmicks machen können merkt man erst, wenn man vergessen hat, seine Geräte rechtzeitig aufzuladen und die mobile Powerbank zuhause in der Schublade liegt. Eine andere Frage ist, können wir sicher sein, dass diese kleinen Alleskönner, ausgestattet mit empfindlichen Mikrofonen, Kameras, Sensoren und Rekordern nicht von anderen Personen angezapft, abgehört und mitgelesen werden können? Dagegen gibt es glücklicherweise den „Flugmodus“, durchgesetzt von den Airlines, damit die empfindliche Elektronik im Flugzeug nicht gestört wird, wenn 400 Menschen mit ihrem Siri in Kontakt sind. Vielleicht sollten wir öfters mal den Flugmodus aktivieren, auch wenn wir  gar nicht fliegen. Dann haben wir nämlich auch Ruhe vor Störungen, Erinnerungen und heimlichen Mithörern. Na ja, angeblich. Manche Menschen trauen dem Frieden trotzdem nicht, und legen ihr Handy sicherheitshalber in den Kühlschrank, damit sie sich im trauten Heim abhörsicher über familiär-intime Angelegenheiten unterhalten können. Aber dann haben wir wieder das Problem mit der Kälte und der Batterie …
Laptop und Lederhosn is hoit net ois, was a guats Löbm oasmacht. Mir Allgäuer mechtet hoit au emoi a Ruah! Dohoi isch dohoi!
Andreas Fecker

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4 Antworten zu “Luftpost 365: Flugmodus”

  1. Ena Roth sagt:

    Mal wieder schön auf den Punkt gebracht, lieber Andy!
    Liebe Grüße aus Langen.
    Ich hatte auch schon mal eine Liste geschrieben, welche Geräte die heutigen Handys alle ersetzen, schon erstaunlich. Am besten gefällt mir mein Handy aber, wenn ich es (noch lautlos vom Friedhofs-Orgeln) in meiner Jackentasche vergesse 🙂 A mir Hess´ hom gärn mol a Ruah, wünsche ich mir nur noch ein paar Deiner Allgäuer Berge her 😉 Sei herzlichst gegrüßt… Ena

  2. Andreas Fecker sagt:

    Gerade wurde ich von einem Sprachfundamentalisten preußischer Prägung gebeten, Untertitel zum Dialekt zur Verfügung zu stellen. Bitteschön: „Laptop und Lederhose sind nicht alles, was ein gutes Leben ausmacht. Wir Allgäuer möchten halt auch mal unsere Ruhe haben. Daheim ist daheim!“ Dabei verzichte ich geradezu rebellisch auf der/die/das Allgäuer*innen. Ich halte das im Gegensatz zum Dialekt für eine Vergewaltigung unserer Sprache und unterstelle, dass sich unsere Damenwelt von meiner Ausdrucksweise eingeschlossen fühlt.

  3. Wolfgang Zimber sagt:

    Lieber Andy,
    Dein Kommentar über den bis zum Irrsin ausufernden digitalen Überwachungskult spricht mir aus dem Herzen. GOTTSEIDANK muss man ja nicht alles mitmachen. Vernünftiger Umgang mit den digitalen Helferlein ist durchaus möglich. Und die analoge Welt ist eh am schönsten.
    Herzliche Grüsse aus Konstanz
    Wolfgang

  4. Simon sagt:

    Das liebe Smartphone ist Fluch und Segen zugleich. Jetzt könnte man glücklich sein, dass Microsoft Cortana inzwischen schlafen gelegt hat. Genauso die (meiner Meinung) besten Smartphones in Preis/Leistung, die guten WindowsPhones. Leider alle weg.
    Aber leider kann man es nicht sein. Es stärkt nur die Konkurrenz. Die viel zu kleine Konkurrenz von gerade einmal zwei Unternehmen (Betriebssystem-Anbieter), die die ganze Welt versorgen.
    Wir beschweren uns häufig über die hohen Benzinpreise und die Menschheit vermutet häufig Preisabsprachen, aber selbst in diesem Segment gibt es deutlich mehr Konkurrenz als im Smartphone-Bereich.

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