Luftpost 333: Pilotenschwemme

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Foto: Fecker

Wer erinnert sich noch an die Begriffe „Lehrerschwemme“ oder „Juristenschwemme“? Diese Phänomene werden im Allgemeinen abgelöst durch Begriffe wie „Lehrermangel“, „Ärztemangel“ oder „Juristenmangel“. Damit sind Richter gemeint, Staatsanwälte, Rechtspfleger, Strafverteidiger, Wirtschaftsjuristen, kurz, das Personal, an dem es in unserem Rechtssystem schmerzhaft mangelt. Wenn ganze Berufsgruppen entweder wegbrechen oder plötzlich im Überhang sind, und deshalb branchenfremde Gelegenheitsjobs annehmen müssen, dann sind das Alarmzeichen von gesellschaftlichen oder klimatischen Veränderungen, aber auch fiskalischen oder privatwirtschaftlichen Fehlplanungen, natürlichen oder menschengemachten Katastrophen.

Vor 20 Jahren wurden arbeitslose Erzieherinnen auf Kosten der Arbeitsämter zu Bürokaufleuten umgeschult, damit sie aus der Statistik fielen. Heute werden sie händeringend gesucht. Im Februar 2016 war allerorts zu lesen, Emirates fehlen massenhaft Piloten“. Damals suchte die Vorzeige-Airline vom Golf 450 neue Flugkapitäne, um 20 neue Maschinen nutzen zu können. Damals wurden weltweit für die 2020er Jahre 558.000 Piloten gesucht. Schnee von gestern. Im Juni 2020 war nämlich zu lesen Emirates entlässt hunderte von Piloten und tausende Flugbegleiter!“ Wie diese Airline heute mit dem Personal umgeht, ist hier zu lesen.

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Polizei, Lehrkörper, Veterinäre, Altenpfleger, Forstbeamte, überall wurden Stellen gekürzt, bis es quietschte. Nun erkennt man in der Krise, dass überall Personal fehlt. ABER: Wofür gibt es eigentlich Überstunden? Deutsche Polizisten schieben über 20 Millionen Überstunden vor sich her und sind gleichzeitig gefordert wie nie. Jetzt rächt sich, wenn Staat und Wirtschaft nicht weitsichtig, langfristig und nachhaltig planten. Man hat lieber outgesourct, Praktikanten beschäftigt, Zeit- oder Werksverträge abgeschlossen und vorzeitig in Rente geschickt. Die Lehrer, die nach jedem Schuljahr freigestellt wurden und sich während der Sommerferien einen anderen Job suchen mussten, haben sich teilweise umorientiert. Jetzt fehlen sie an alle Ecken und Enden. Jede Schwemme mutiert irgendwann zum Mangel! Jeder kennt das, denn es scheint für alle Berufsgruppen zuzutreffen.

Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 333: Pilotenschwemme”

  1. Werner Fischbach sagt:

    Hi Andy,

    man muss ja nicht unbedingt ins Ausland schweifen, um mitzubekommen wie Airlines ihre Bediensteten behandeln. Oder sollte ich „halten“ sagen. Wieviele Angestellte möchte die Lufthansa „entsorgen“? Auch Ryanair ist da ja nicht ganz zimperlich. Da haben doch sieben Kapitäne Ihrer Tochter LaudaMotion der Station Stuttgart doch tatsächlich die Frechheit besessen, den neuen Tarifvertrag nicht zu unterschreiben. Und prompt wird die Station in Stuttgart aufgelöst. Bei Ryanair kann es gut vorkommen, dass Personal gekündigt und ihm gleichzeitig angeboten wird, für schlechtere Bedingung wieder für die Airline zu arbeiten.

  2. Karl Seiler sagt:

    Grüß Gott Andy,
    zu Umschulung bzw. Mangel-Beruf kann ich persönlich noch etwas beitragen: Nach vier Jahren Soldat auf Zeit studierte ich von 1969 bis 1972 „Lehramt an Volksschulen“ an der Pädagogischen Hochschule bzw. Universität Bayreuth und dabei wurde meine „Umschulung vom Offizier (Leutnant d.R.) zum Volksschullehrer“ durch das Arbeitsamt Bayreuth gefördert. Nach dem anschließenden, dreijährigen Vorbereitungsdienst reichte das „befriedigende“ Ergebnis der zweiten Staatsprüfung dann nicht mehr für eine sofortige Verbeamtung – ich durfte (oder besser „musste“) meine Klasse aber dann weiter für ein Jahr als Angestellter unterrichten, um nach einer freiwillig wiederholten (und verbesserten) Prüfung 1977 doch noch Beamter zu werden! So schnell änderten sich schon vor einem halben Jahrhundert die Zeiten.

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