Luftpost 326: Fright Rieutenant Rewis

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Foto: Fecker

Eigentlich hieß er ja Lewis, Dienstgrad Flight Lieutenant. Er stammte aus Malaysia und flog als Jetpilot in der Royal Air Force von Großbritannien. Wie viele seiner Landsleute hatte er sprachliche Schwierigkeiten mit dem Buchstaben „R“, der sich regelmäßig wie ein „L“ anhörte. Anlass für seine britischen Fliegerkameraden ihn damit zu frotzeln. So wurde aus Lewis ein Ruis, und aus Flight Lieutenant ein Freit Rutenant. Vor Jahrzehnten – noch mitten im Kalten Krieg – wurden regelmäßige Staffelaustausche mit Partnergeschwadern in anderen NATO-Staaten durchgeführt. So war das Geschwader von Lakenheath einst zu Gast in einem deutschen Jetgeschwader. Ich sage nicht welches. Selbstverständlich waren besonders die Zweisitzer begehrt, da unsere Piloten mal in einem fremden Cockpit mitfliegen konnten, und natürlich die Gastpiloten auch mal unsere Art zu fliegen kennenlernen durften.

Einer unserer Jockeys lud sich also Flt Lt Lewis ins hintere Cockpit und ging mit ihm auf Tiefflug durch Deutschland entlang einer genehmigten Tiefflugstrecke. Diese führt bei Landau in der Pfalz über eine Hochspannungsleitung hinweg. Der deutsche Pilot kannte die Stelle genau und wollte aber diesesmal unten durch fliegen, um seinem Gast einen besonderen Nervenkitzel zu bieten. Saudumm nur, dass er mit der Heckflosse das unterste Kabel durchtrennte. Mit nur geringen Beschädigungen schaffte er es noch bis zum heimischen Flugplatz, nachdem er Landau vorübergehend stromlos gemacht hatte.

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Sein Passagier konnte über das Erlebnis nicht wirklich lachen, der deutsche Geschwaderkommodore erst recht nicht. Unser taffer Tiefflieger flog anschließend zwölf Monate lang einen Schreibtisch auf der Hardthöhe. Und um ihn vollends zu läutern, machte man ihn danach zum Flugsicherheitsoffizier des Geschwaders. Man könnte auch sagen, der Bock wurde zum Gärtner gemacht. Er hatte nämlich in diesem Job die dankbare Aufgabe bei seinen Fliegerkameraden für Ordnung und Disziplin zu sorgen. Eines vermittelte er jedenfalls sehr überzeugend: Wenn jemand weiß, wovon er spricht, dann er.

Andreas Fecker

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4 Antworten zu “Luftpost 326: Fright Rieutenant Rewis”

  1. Fritz Schmitz sagt:

    Ich erinnere mich noch an den Call im Anflug „Mayday, mayday, I just got a birdstrike“ und die Kerbe im Leitwerk.

  2. Andreas Fecker sagt:

    Freut mich immer wieder, wenn meine Geschichten von Zeitzeugen bestätigt werden!

  3. Markus sagt:

    Moin Andy,

    danke für die Erfrischende Story! Toll mal bei einem Artikel aus dem Netz mal wieder zu Schmunzeln.

    LG
    Markus

  4. Roland Reger sagt:

    Hallo Andy,
    wieder eine deiner gelungenen und erfrischenden Stories. Schöne Pfingstfeiertage aus Kaufbeuren
    MkG Roland

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