Luftpost 324: Achtung Tretminen

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Der Autor und sein „Dienstwagen“ in Sarajevo – Foto: Archiv Fecker

Nach dem Balkankrieg arbeitete ich im bürgerkriegsgeschüttelten Bosnien-Herzegowina, um dort wieder eine geordnete Luftfahrt zu ermöglichen. Aber noch war der Hass unter den Volksgruppen nicht besiegt, und man machte sich gegenseitig das Leben so schwer wie möglich. So wurde zum Beispiel immer wieder das Instrumentenlandesystem in Sarajevo beschädigt, Kabel zerhackt, auf die Sendeanlagen oder die Anflugbefeuerung geschossen, die Zäune zerschnitten. Zur Schadensaufnahme rückte ich dann mit einem kleinen Trupp französischer Soldaten an. Das Flughafenareal war zwar von Minen geräumt, doch durfte man sich nie in Sicherheit wiegen, weil nachts oft wieder neue Minen gelegt wurden, gut getarnt und auf den ersten Blick unsichtbar. Konzentrierte man sich dann auf die Fehlersuche, übersah man allzu schnell die tödliche Gefahr. Einen dünnen Draht im Gras übersehen, ein achtloser Schritt rückwärts und Booom! Nur weil vorgestern und gestern nichts passierte und heute bisher auch nicht, gewöhnte man sich an die vermeintliche Sicherheit und lief Gefahr, unvorsichtig zu werden. Also beobachteten wir uns gegenseitig und erinnerten uns unzählige Male an die Minen.  Wir schärften so unsere Aufmerksamkeit immer wieder aufs Neue.

Warum ich jetzt, zwanzig Jahre später wieder darauf komme? Deutschland öffnet sich nach Stillstand und Kontaktbeschränkung, versucht sich in so etwas wie Normalität. Kinder gehen wieder zur Schule, Geschäfte und Restaurants öffnen wieder. Den Sportvereinen wird – zumindest in kleinen Gruppen – wieder das Training im Freien gestattet. Doch wir bewegen uns nach wie vor in einem unsichtbaren Minenfeld. Die Gefahr besteht, dass der Alltag wieder so gelebt wird, wie wir ihn vor Corona verbracht haben, unbeschwert, heiter, hektisch, schließlich gehen wir mehr oder weniger alle unseren Berufen nach. Deshalb werbe ich dafür, gegenseitig auf einander zu achten und zur Vorsicht zu mahnen. Immer wieder aufs Neue. Denn nur weil wir uns vorgestern und gestern nicht angesteckt haben, kann das durchaus heute oder morgen passieren. In diesem Sinne, passen Sie gut auf sich und Ihre Umgebung auf und bleiben Sie wachsam und gesund!
Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 324: Achtung Tretminen”

  1. Itzelberger sagt:

    Lieber Andy,
    so unscheinbar Dein Artikel heute daherkommt, ist er um so wichtiger und notwendig und ich würde mir wünschen, dass ihn viel mehr lesen und vor allem beherzigen würden, als dieser Artikel erreicht. Vorsicht und Umsicht, geleitet von Vernunft und Augenmaß sind heute erstes Gebot.
    Danke für diesen Artikel.

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