Luftpost 314: Corona

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Nichts gegen ein Corona. Aber in den eigenen vier Wänden! Foto: Fecker

Noch vor Jahresfrist prognostizierten Boeing und Airbus für das Jahr 2035 einen weltweiten Bedarf von 33.000 Passagierflugzeugen für den öffentlichen Luftverkehr. 13.000 ältere Flugzeuge sollten dabei ersetzt werden, 20.000 neue den heutigen Bedarf verdoppeln. Die Passagierzahlen würden bis 2035 jährlich um 4,5 Prozent zunehmen. Der Reise- und Freizeitboom schien keine Grenzen zu kennen, aller Flugscham zum Trotz. Die Reedereien gaben neue Kreuzfahrtschiffe in Auftrag, Luxusliner für 6000 und mehr Passagiere zum Stückpreis von 900 Millionen bis 1,8 Milliarden Dollar. Derzeit schwimmt eine Kapazität von 537.000 Betten auf den Meeren der Welt. Charter Airlines freuten sich auf dicke Geschäfte, wenn sie die Kreuzfahrer von zuhause auf die Bahamas, an den Golf, nach Yokohama oder New York fliegen durften, wo sie ihre Schiffsreise antreten und Passagiere ersetzen würden, deren Teil der Kreuzfahrt dort endete.

Doch dann kam das Max8 Desaster. Und die Klimakrise. Verschiedene Unruheherde in bisher beliebten Reiseländern schränken die Lust auf unbeschwerten Urlaub ein. Und als wäre das nicht schlimm genug, explodierte die Corona-Bombe, ausgerechnet bei den reisefreudigen Menschen aus China und Südkorea. Schiffe wurden wochenlang unter Quarantäne gestellt, ganze Millionenstädte abgeriegelt. Wirtschaft und Börsen reagierten verzugslos, es scheint nur noch einen Trend zu geben, abwärts.

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Airlines stellten ihre Brot- und Butterstrecken nach China ein. Manche schlossen ihre Schalter sogar für immer. Verschiedene Länder verhängten Einreiseverbote, die IATA befürchtet einen weltweiten Umsatzverlust von derzeit 113 Milliarden Dollar. Damit hat der Verband der Luftfahrtgesellschaften in den letzten zwei Wochen ihre Negativprognose vervierfacht. Auch die WHO, die ICAO und die Airports Council International (ACI) empfehlen in einem etwas seicht geratenen Appell an die Regierungen der UNO-Mitgliedstaaten Zurückhaltung im Reiseverkehr. Allein die Lufthansa strich für den Monat März über 7000 Flugverbindungen und legte 150 ihrer 770 Flugzeuge still. Besonders die Dickschiffe der A380-Flotte sollen am Boden bleiben. Mehr noch, bis zu 50% der Kapazität wird reduziert, kleinere Flugzeuge auf Europastrecken eingesetzt. Teilen der Belegschaft wurde unbezahlter Urlaub nahegelegt.

Die ohnehin seit vielen Jahren schwindsüchtige Alitalia leidet besonders, da Italien eines der am stärksten betroffenen Länder außerhalb Asiens ist. Amerikanische Touristen stornieren zu tausenden ihren gebuchten Italienurlaub, Hotels in Mailand Venedig, Verona und Turin beklagen bis zu 70% Einbußen. Schulen wurden geschlossen mit allen Folgen für die arbeitenden Eltern. Womöglich sehen wir heute in Italien, was noch alles auf uns zukommen kann. Den Virus fernab der Heimat auf einer tropischen Insel aussitzen? Von wegen: 40 Passagiere einer Alitalia Maschine durften in Mauritius nicht das Flugzeug verlassen, und mussten mit derselben Maschine wieder zurückfliegen. Auch die WTO schätzt den Einnahmensverlust im Tourismus weltweit auf 30 bis 50 Milliarden Euro. Sie warnt zwar, dass es auch mehr werden könnte, verbreitet allerdings auch Optimismus auf Erholung nach der Krise.

Anfangs glaubte ich ja noch, der einzige Gewinner dieser Krise sei die Brauerei, die das mexikanische Corona Bier herstellt und in 180 Länder verkauft. Weit gefehlt. Bisher war es eines der beliebtesten Biere in den USA. Doch Amerikaner sind immer für eine gute Verschwörungstheorie zu haben. Das Gerücht, man könne von diesem Bier den Virus bekommen ist nicht totzukriegen. Die Brauerei verzeichnete in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 170 Millionen Dollar Umsatzeinbußen.

Die deutsche Bundesregierung appellierte heute an die Bevölkerung, auf unnötige Reisen zu verzichten. Das entspricht in etwa dem Vorwort eines meiner letzten Bücher: „… Bei allem Ernst wünsche ich mir, dass wir das Vermächtnis der Pioniere, das Geschenk des Luftverkehrs, der uns heute schnell, preisgünstig, unkompliziert und komfortabel in alle Welt verreisen lässt, mit Verantwortung für unsere Umwelt nutzen, dass wir es verbessern und weiterentwickeln, und dass wir darauf verzichten, wo es nicht notwendig ist.

Ich lasse mir derweilen mein Corona trotzdem schmecken. Und zwar zuhause. Prost.

Andreas Fecker

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3 Antworten zu “Luftpost 314: Corona”

  1. Fritz Schmitz sagt:

    Gut geschrieben, Andy. Wenn man es bösartig sagen wollte, könnte man meinen, die Erde würde sich zu wehren beginnen und sich des Virus Mensch zu entledigen.

  2. Fritz Schmitz sagt:

    Nachtrag: Lass dir den Impfstoff schmecken, hier ist er schon ausverkauft. ??