Luftpost 179: Funkfeuer

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Foto: Archiv Fecker

Warum heißen Funkfeuer Funkfeuer? Sie brennen nicht, sie strahlen kein Licht ab, und Funken fliegen auch keine …

So gut wie alles in der „Aeronautik“ hat seinen Ursprung in der „Nautik“. Schließlich war man in der Seefahrt Tag und Nacht im weglosen Ozean unterwegs und musste sich orientieren. In Küstennähe, dort wo es Felsen und Untiefen gab, baute man Leuchttürme zur Orientierung, in denen Feuer brannten, die mit Spiegeln gerichtet wurden. Sie waren auf Seekarten verzeichnet. Die ersten Flüge mit Flugzeugen fanden natürlich bei Tageslicht statt. Doch bald dehnte man die Flüge in die Morgen- und Abenddämmerung aus, von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zum Flug bei Nacht. Das Potential war schnell erkannt, Zeitungen und Post konnten schon am nächsten Morgen beim Empfänger sein.

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Leuchtfeuer von 1939 am Flughafen Leipzig – Foto: Fecker

Die Navigation in der Luft, bestand tagsüber noch aus dem Erkennen von Kirchtürmen, dem Vergleich von Flüssen und Küstenlinien mit der Landkarte, auf großen Gebäudedächern hatte man gar die Ortsnamen aufgemalt. Bei Nacht taugte das nicht. Also entzündete man entlang festgelegter Routen eine Kette von starken Navigationsfeuern im Abstand von 30 km. Diese wurden bald durch Scheinwerfer ersetzt (Foto). Dazwischen brachte man im alle fünf Kilometer rote Neonbalken an. Erst viel später wurden die Navigationsfeuer durch Funkfeuer ersetzt, ungerichtete Sender, deren Name den bekannten Ursprung haben und die in weiter entwickelter Form bis heute in Gebrauch sind. Denn in den 1920er Jahren waren die Funker in die Flugzeuge eingezogen. Für die schweren Röhrengeräte, den Karten- und den Morsetisch war allerdings viel Platz nötig. Da Nachrichten auf Langwelle abgesetzt wurden, musste man zudem eine 50 bis 100 Meter lange Schleppantenne aus dem Heck des Flugzeugs herauskurbeln und vor der Landung – bitteschön – wieder einziehen. Oft genug wurde das nämlich vergessen.

Bordfunker und Navigator bei Air New Zealand – Foto: Air New Zealand

1927 rief das deutsche Reichsamt für Luft- und Kraftfahrtwesen die Zentralstelle für Flugsicherung ZfF ins Leben. Ab 1928 benutzten dann die Bordfunker von Zeppelinen und Großflugzeugen wie Dornier Wal, Do-X, oder – wie im Bild oben – die neuseeländische SHORT Sunderland bordeigene Kurzwellenfunkgeräte, über die nicht nur Morsesignale, sondern auch Telefonie möglich wurde. Bis sich die Bordfunkgeräte jedoch in breitem Stil durchgesetzt hatten, vergingen noch einige Jahre. Bis dahin erhielten Piloten noch Sicht- und Flaggensignale für Start- oder Landung. Auch Bodenzeichen im Signalgarten neben dem Tower waren bis in die 1970er Jahre üblich. Heute kommuniziert man im Cockpit mit digitalen Funkgeräten über den ganzen Globus hinweg.

Es gibt sie immernoch, die Funkfeuer. Doch seit moderne Multifunktionscomputer und Flight Management Systeme im Cockpit Einzug hielten, erfolgt die Orientierung weitgehend unabhängig von den wartungsintensiven Bodengeräten. Man navigiert satellitengestützt über GPS, mit beweglichen Karten, in die sogar Wolken- und Gewitterkerne eingeblendet werden können. Ist es da nicht geradezu romantisch, dass sich der nostalgische Begriff Funkfeuer bis heute gehalten hat? Sozusagen als ständige Erinnerung an „die guten alten Zeiten“?

Von Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 179: Funkfeuer”

  1. Roland Rauh sagt:

    Halle Andy, die Tatsache, daß in den Anfängen der Navigation bei Nacht mit Navigationsfeuern gearbeitet wurde, ist den meisten Leuten nicht bekannt. Selbst meine Schüler an der Akademie standen dieser Sache mehr als skeptisch gegenüber.
    Gruß von Haus zu Haus, Roland