Luftpost 147: Ausstattung

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Business Class mit ‚Mood Light‘ in der A350 von Qatar Airways. – Foto: Bildarchiv Fecker

In einem Werbespot von Emirates Airlines versucht Jennifer Aniston (47), gerade eben zur schönsten Frau der Welt gekürt, an Bord einer offenbar amerikanischen Airline im Morgenmantel die Dusche zu finden. Sie bittet die Flugbegleiter um Hilfe, die sich über die Frage fast kaputtlachen und ihr eine Serviette und einen Beutel Erdnüsse anbieten. Glücklicherweise erwacht Miss Aniston aus diesem Alptraum und befindet sich an Bord eines luxuriösen Emirates-Fluges.

Offenbar gibt es zwei gegenläufige Philosophien in der Passagierluftfahrt: Während ein Teil der Airlines auf Luxus und Dienstleistung setzt und Flugreisen zum Erlebnis machen möchte um die Kunden an sich zu binden, setzt der andere auf billig und umwirbt leidensfähige Schnäppchenjäger. Die einen wollen sich von der Massenware absetzen und bieten Luxus, Platz und Klasse, die anderen lassen sich von den Low Costern vor sich hertreiben und werden es trotzdem nie schaffen, ihr Produkt auf Dauer zu den gleichen Dumpingpreisen anzubieten, und wenn sie noch so viele Passagiere in ihre Röhren pferchen um den Sitzladefaktor zu erhöhen. Da wird getrickst und ausgegründet, um die Personalkosten runter zu kriegen, die Rückenlehnen werden verdünnt und der Klappmechanismus entfernt. Wo einst die Zeitschriftentasche war, ist jetzt der Platz für die Kniescheibe, damit lässt sich der Sitzabstand weiter verringern. Toilettenmodule werden herausgenommen, man verzichtet auf eine der Bordküchen und verändert das Volumen der Gepäckfächer. Das Getränkeangebot wird ausgedünnt, Snacks werden verkauft. All das spart Gewicht, und schon hat man Platz für zehn oder zwanzig Passagiere mehr. Die gestressten Flugbegleiter werden zum Ausgleich schlechter bezahlt. Der Trend ist alternativlos, so will man den Kunden glauben machen.

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Jennifer Aniston im Emirates-Werbespot

Glücklicherweise wird aber auch die andere Philosophie kultiviert: Die verbesserte Ausstattung. Breitere Sitze, mehr Beinfreiheit, bequemere Polster, das persönliche Tablet für die Unterhaltung mit einer Auswahl von bis zu 1000 Filmen, Spielen, TV, Lesestoff, Streckenverfolgung und Nachrichten aus aller Welt. Stimmungs-Beleuchtung, Bar, erlesene Speisen und mehr Personal.

Während sich manche große Marken Billigtöchter zulegen, versuchen die andere den Spagat mit Zwischenklassen zu erreichen und fügen zwischen Economy und Businessklasse noch eine hybride Premium Economy ein, die von beidem ein wenig hat. Sie ist nicht Fisch und nicht Fleisch, aber die Beine haben wenigstens wieder etwas mehr Platz.

Der Luftkrieg ist also in vollem Gange. Wir als Kunden können mitentscheiden, wer ihn gewinnt, Masse oder Klasse.

Von Andreas Fecker

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