Luftpost 454: Apollo 11

Werbung
Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Andreas Fecker

Noch in den 1970er Jahren stopfte man die Cockpits von Passagierflugzeugen mit über hundert Instrumenten, Skalen, Anzeigen, Kontrollleuchten und Schaltern voll. Piloten sprachen zunehmend geringschätzig über ihren Arbeitsplatz in einem Uhrenladen. Die komplexen Systeme wurden auch immer schwerer zu übersehen und zu bedienen. Ausgerechnet die NASA änderte in den 1980er Jahren diesen Trend. Multifunktions-Instrumente ersetzten die analogen Anzeigen. Die Tasten wurden mehrfach belegt, je nach vorgewähltem Modus hatte ein und dieselbe Taste eine andere Funktion. Ausgangs des letzten Jahrhunderts sprach man nur noch vom Glas-Cockpit. Es war übersichtlich angeordnet, hatte aber im großen Ganzen die gleichen Grundfunktionen vorheriger Kommandostände. Gleichzeitig reduzierte man das Cockpitpersonal. Drängten sich in den 1970er Jahren noch ein Captain, ein Kopilot, ein Bordingenieur und womöglich noch ein Navigator im engen Cockpit zusammen, werden die Flugzeuge von heute noch von zwei Piloten geflogen. Da die Aufgaben jedoch die gleichen waren, versah man die Maschinen mit Computern, deren Inputs von der Crew mit Hilfe ihrer Multifunktionsinstrumente einzugeben waren. Zur Unterstützung überwachen weitere Computer diese Rechner, die wiederum umfassenden Algorithmen folgen. Die komplexe Flugsteuerung mit Avionik, Klimaanlage, Zapfluft, Cockpit-Datenkommunikation, Navigation, Bord-Boden-Datenrouting, elektrische Stromversorgung, Treibstoff-Management, Fahrgestell, Bremsen und Lenkung sind beim A380 auf insgesamt acht verschiedenen Rechnern redundant doppelt oder gar vierfach ausgelegt.

Dass ausgerechnet die NASA den Anstoß gab, das Glas-Cockpit zu entwickeln, lässt mich staunen. Schickte sie doch Apollo 11 im Jahr 1969 mit einem Bordcomputer zum Mond, in dessen RAM man genau 2048 Wörter abspeichern konnte. Das ROM vermochte immerhin 36.864 16-Bit-Worte speichern. Doch dieser Computer steuerte die Navigation des Mutterschiffs, alle Steuerdüsen, die Mondlandefähre, Landung, Start und Rendezvous mit der Kapsel. Mein erster 386er Computer hatte 20 MB Speicher. Das derzeit stärkste iPhone (iPhone 14Pro) hat eine Speicherkapazität von 1 Terabyte. Das sind 1 Million Megabyte! Trotzdem kann ich damit nicht zum Mond fliegen. Und der Apollo Computer hatte noch einen Vorteil: Er wurde nicht mit täglichen Updates belastet.

Werbung



Schreibe einen Kommentar
Kommentiere den Artikel. Bleibe freundlich und nett, gerne kritisch und konstruktiv, aber stets sachlich. Wir möchten einen respektvollen Umgang miteinander und behalten uns vor Kommentare zu kürzen oder zu löschen.

Mit dem Klick auf "Kommentar senden" wird unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung angegebener und personenbezogener Daten zugestimmt. Dies ist notwendig um Spam zu verhindern. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.