Luftpost 411: Pushback

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

„Hamburg Tower, this is Speedbird 331, ready for pushback.“ Das ist der Moment, nach dem eine Cockpitcrew alle Vorbereitungen für ihren Flug abgeschlossen hat und jetzt vom Gate weggeschoben werden möchte, um auf dem Vorfeld die Triebwerke anzulassen und unter eigener Kraft zur Startbahn zu rollen. Pushback bedeutet für die Flugsicherung oder für die Vorfeldkontrolle, ‚endlich wird ein Gate frei‘. Aufräumen und Platz machen, die nächste Maschine ist schon gelandet. Pushback ist in der Fliegerei positiv belegt.

Pushback – Foto: Fraport AG

Und kaum hat die Welt dieses positive Wort gelernt, das für Aufbruch und Weltoffenheit steht, kommt eine Jury von Sprachwissenschaftlern aus Marburg, und erklärt „Pushback“ zum Unwort des Jahres 2021! Die Jury kritisiert die Verwendung eines im Grunde positiven Ausdrucks, „weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess“ beschönigt werde, nämlich die Zurückweisung von Flüchtlingen.

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Da dies aber die Luftpost ist, ein paar Erläuterungen zum Pushback auf Flughäfen. So wie die Ozeanriesen in Seehäfen von kleinen Bugsierern an die Kaimauer gebracht und wieder zurück durch die Hafeneinfahrt manövriert werden, so werden große Passagiermaschinen auf dem Vorfeld bewegt. Einzige Ausnahme: nach der Landung rollen die meisten von ihnen selbständig ans Gate. Dabei folgen sie entweder einem Marshaller (Einwinker) mit seinen Kellen, oder sie nutzen eines der zahlreichen elektronischen Anzeigesysteme in Cockpithöhe wie das AGNIS. Das ist kurz für Azimuth Guidance for Nose-in Stand. Damit können die Piloten das Bugrad zentimetergenau dort abstellen, wo es hin soll. So kann die Passagierbrücke präzise an die Türe andocken.

Vor dem Start aber geht aus eigener Kraft gar nichts. Selbst mit Schubumkehr würde man ein vollgetanktes Passagierflugzeug nur mit allergrößter Mühe rückwärts bewegen können. Krach, Staub, Schmutz, umherfliegende Teile kann man am Terminal nicht gebrauchen. Darum hängt man am Gate einen Schlepper oder einen Traktor mit Schleppstange ans Bugrad, der das Flugzeug vom Gate wegdrückt und an eine Stelle des Vorfelds bugsiert, wo die Triebwerke angelassen werden können, ohne jemanden zu gefährden.

Während man für das Pushback vom Gate oft nur einen kleiner Traktor verwendet, wird man für lange Schleppfahrten in einen Hangar oder zu einem anderen Stellplatz je nach Flugzeugtyp einen großen Schlepper nehmen. Die neueren Modelle kommen ohne Schleppstange aus. Sie sind bis zu 30 Tonnen schwer und haben gut und gerne 700 PS. Neu ist auch, dass manche Airports Elektroschlepper beschafft haben, die selbst große Jumbos bewegen können.

Andreas Fecker