Luftpost 364: Countdown läuft

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Foto: Archiv Fecker

Terrorismus von rechts und links ist derzeit wieder eine der größeren Sorgen in Europa. Er hat sich von jeher an unsere Lebensgewohnheiten angepasst. 1968 griffen Flugzeugentführungen um sich und schürten Ängste vor unbeschwertem Reisen. 27 Fälle zählte man in jenem Jahr. Die Palästinenser eröffneten den Reigen mit einer EL-AL Maschine. 40 Tage dauerte der Nervenkrieg, an dessen Ende Israel 16 palästinensische Häftlinge entließ. Das war dann auch gleichzeitig die letzte Entführung einer israelischen Maschine, weil Staat, Flughäfen und Airline die Sicherheit massiv verstärkten. Darauf wich die PFLP („Volksfront zur Befreiung Palästinas“) einfach auf andere Airlines und Airports in anderen Ländern aus, um weltweit Terror zu verbreiten und auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Als aber 1976 in Athen ein Airbus A300 der Air France von deutschen und palästinensischen Terroristen nach Entebbe (Uganda) entführt wurde, beendete ein israelisches Kommando nach sieben Tagen den Spuk: Sie griffen im Schutz der Nacht das Terminal an, in dem sich die Entführer mit den Geiseln verschanzt hatten, töteten alle palästinensischen und deutschen Entführer sowie rund zwanzig ugandische Soldaten, die sie schützen sollten. Die 105 israelischen Geiseln wurden befreit, drei Passagiere und ein israelischer Soldat starben bei der Aktion. 1977 passierte dann das Drama mit der Landshut.

Danach sank allmählich die Zahl der Flugzeugentführungen. Während damals noch viele der Luftpiraten politisch motiviert waren, gab es – besonders in den USA – zahlreiche unpolitische Versuche. Fluggesellschaften wurden mit immer neuen Methoden um Lösegeld erpresst. Das hörte auf, nachdem sich herumsprach, dass das FBI spezielle Eingreifkommandos ausbildete, die auch schon mal kurzen Prozess machten. Vorbeugende Maßnahmen an den Flughäfen und immer aufwändigere Sicherheitskontrollen taten ein Übriges. Allerdings verhinderten auch diese nicht die konzertierte Aktion vom 11. September 2001. Das Ergebnis ist bekannt, die darauffolgenden Kriege im Irak und in Afghanistan auch.

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Wie leite ich nun zu einem positiven Gedankengang über? Mit einer Anekdote vielleicht? Anekdoten beschreiben ja ‚kuriose, ungewöhnliche oder seltsame Begebenheiten ohne jeden literarischen Anspruch‘, so ist in einer Definition zu lesen. Sie sind ‚pointierte Wiedergaben von wahren oder erfundenen Begebenheiten und sollen einen bestimmten Zustand erhellen‘. Mal sehen:

Flugzeugentführung einer Tupolev TU-154 der ostdeutschen Fluggesellschaft Interflug. Sie war in den frühen 1980er Jahren auf dem Weg von Berlin-Schönefeld in den „sozialistischen Bruderstaat“ Kuba. Der Entführer zwang die mit 112 Passagieren besetzte Maschine zur Landung in Amsterdam. Er hatte zwei sehr konkrete Forderungen an den eiligst einberufenen Krisenstab in der DDR: „Ich fordere erstens eine menschenwürdige Wohnung. Zweitens verlange ich die sofortige Auslieferung meines vor 18 Jahren bestellten Trabi. Bis zur Erfüllung meiner Forderungen lasse ich ab sofort stündlich einen Passagier frei! Der Kauntdaun looft.“

Andreas Fecker

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