Luftpost 352: Thanksgiving

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Foto: Bildarchiv Fecker

Domestizierte Truthähne (Meleagris gallopavo) können nicht fliegen. Daher haben sie in der Luftpost eigentlich nichts zu suchen. Heeresgeneräle auch nicht. Der hochdekorierte Generalleutnant Michael Flynn diente in der US Army. Aber er war immerhin gelernter Fallschirmjäger. Das sind die Verrückten, die sich im Flug aus perfekt funktionierenden Flugzeugen stürzen! Ein Nylonschirm bremst ihren Aufschlag am Boden. Dort bewegen sie sich dann meist zu Fuß weiter. Das muss man mögen. Piloten mögen das eher nicht. Aber so ein Fallschirmjäger kann es durchaus schon mal in die Luftpost schaffen. Wie dieser General Flynn zum Beispiel. Er war später Chef eines amerikanischen Geheimdienstes. Zum Verhängnis wurde ihm allerdings, dass Donald Trump ihn 2016 in sein Wahlkampfteam holte, und nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 2017 zu seinem nationalen Sicherheitsberater machte. Drei Wochen später nötigte er ihn allerdings schon wieder zum Rücktritt. Flynn hatte beim FBI seinem Chef zuliebe die Russland-Kontakte zuerst verschwiegen, und schließlich abgestritten. Als aufrechter General bekannte sich Flynn vor Gericht der uneidlichen Falschaussage für schuldig. Die Entscheidung über seine Strafe stellte das Bundesgericht erst einmal bis nach dem Ende von Trumps Amtszeit zurück.

Zurück zum Truthahn.  Thanksgiving kostet in den USA jährlich ca. 45 Millionen Truthähnen das Leben. Es ist eine alte Tradition seit 1940, dass der amerikanische Präsident in der Woche vor dem Fest zwei Truthähne erhält. Einer davon wird im Rahmen einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses „begnadigt“, der andere wandert in die Küche. So geschah es auch vergangene Woche. Donald Trump begnadigte vor den Kameras der Weltpresse einen Truthahn. Am selben Tag begnadigte er auch General Flynn, der für ihn den Kopf hingehalten hatte. Kann man einen solchen Akt überhaupt noch menschenunwürdiger gestalten?
Als Trump übrigens zu Thanksgiving 2018 einen der Truthähne begnadigte, sorgte er noch für Erheiterung, als er scherzte, der Verlierer der Wahl habe das Ergebnis nicht eingestanden und eine Neuauszählung verlangt. Es habe ihm aber nichts geholfen. Dass Trump zwei Jahre später selbst dieser Truthahn sein würde, hatte er wohl nicht geahnt. Das Video davon wurde jetzt auch wieder ausgegraben und wird im Netz rauf und runter gespielt. Das amerikanische Thanksgiving entspricht in etwa unserem Erntedankfest. Man kann Thanksgiving aber auch etwas freier übersetzen mit ‚Gott-sei-Dank‘.
Andreas Fecker

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