Luftpost 349: Raketenpost

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Foto: Fecker

In den 1930er-Jahren gab es zumindest versuchsweise in mehreren Ländern die Raketenpost. Briefe wurden gebündelt und in einer kleinen Rakete, deren Brenndauer und Startwinkel genau berechnet wurden, zum nächsten Postamt geschossen. Es gab sogar gesonderte Poststempel. Die Methode mochte ja in einigen Gegenden auch Sinn machen, besonders vor den Zeiten von GPS und intelligenter Drohnennavigation.

Überliefert ist ein Schuss am 2. Februar 1931, als der Wiener Ingenieur Friedrich Schmiedel von der Schöcklalm in den Grazer Bergen 102 Briefe mit einer Rakete ins gut zwei Kilometer entfernte Sankt Radegund schickte. Nach Ende der Brenndauer öffnete sich ein kleiner Fallschirm und brachte die Rakete zielgenau neben dem Postamt zur Landung. Von dort sollten die Briefe zugestellt werden. Alles klappte auch wie berechnet, mit einer Ausnahme: Das Postamt hatte geschlossen. Wegen Mariä Lichtmess wurden die Briefe dann nicht weiterbefördert. Der kühne Ingenieur war seit Tagen so mit seinen Berechnungen zum Schußwinkel, Gewicht und Brenndauer beschäftigt, dass er den Kalender außer Acht ließ. Darin war der 2. Februar nämlich als Feiertag rot gekennzeichnet.
Aber so richtig erfolgreich wurde die Raketenpost trotzdem nicht. Sie bietet vor allem Philatelisten Sammlerobjekte mit Sonderstempeln und seltenen Aufdrucken. Meine Skepsis gegenüber Paketdrohnen habe ich zwar schon vor sieben Jahren an dieser Stelle vertreten. Aber ich hätte bei einer sanft anfliegenden Paketdrohne dennoch ein besseres Gefühl, als wenn mir das Finanzamt mit einer noch zu entwickelnden Mini-Cruise-Missile meinen neuesten Steuerbescheid straßengenau vor den Latz knallt.

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Andreas Fecker