Luftpost 348: Helgoland – EDXH

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Foto: Andreas Fecker

Ende des 18. Jahrhunderts machte sich der Nachfolger von Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck ans Werk, die deutsche Kolonialpolitik auszubauen. General Leo Graf von Caprivi schloß am 1. Juli 1890 mit Großbritannien den „Vertrag über Kolonien und Helgoland“ ab. Darin sollten die Grenzen der deutschen und britischen Kolonien in Afrika festgelegt werden. Das Deutsche Reich überließ damit den Engländern seine Kolonie Wituland (heute Kenia) und verpflichtete sich, sich von Uganda, Botswana und der Küste Somalias fernhalten. Dafür erhielt das Deutsche Reich den „Caprivizipfel“, einen Zugang von Deutsch-Südwestafrika zum Sambesi River. Außerdem wurden darin die vorläufigen Grenzen zwischen Deutsch-Ostafrika (Tanganjika) und den britischen Gebieten anerkannt. Weiterhin wurde vereinbart, dass die Insel Helgoland, seit 1807 britische Kronkolonie, an das Deutsche Reich zurückgehen sollte. Helgoland wurde also nicht, wie oft behauptet, gegen Sansibar getauscht. Das Deutsche Reich hatte lediglich einen schmalen Küstenstreifen am Festland gegenüber der Insel gepachtet und sich selbst als Schutzmacht Sansibars verstanden. Tanganjika und Sansibar vereinigten sich 1963 zu Tansania. 1964 erklärte sich Sansibar nach blutiger Revolution für unabhängig.

Helgoland spielte in beiden Weltkriegen natürlich eine wichtige Rolle. Die Insel wurde befestigt, 13 km unterirdische Bunkeranlagen wurden gegraben, bis zu 3000 Soldaten waren zu Ende des Zweiten Weltkrieges dort stationiert. Auf der Nachbarinsel „Düne“ legte die Luftwaffe einen Flugplatz mit drei Pisten an, die aber allesamt zu kurz waren, um dort ein wirklich effektives Jagdgeschwader zu stationieren. Im April 1945 warfen tausend Flugzeuge der Royal Air Force ca. 7000 Bomben auf Helgoland ab. Zwei Jahre nach dem Krieg zerstörten die Briten die Bunkeranlagen bei der Operation „Big Bang“ mit 6,7 Kilotonnen Sprengstoff. Dazu häuften sie 4000 Torpedosprengköpfe, 9000 Wasserbomben und 91.000 Granaten an. Es war die größte bis dahin von Menschen erzeugte nicht-atomare Explosion, nur übertroffen von der Hiroshima-Bombe. Noch in 70 km Entfernung spürte man die Erschütterungen. Die Bevölkerung war vorher aufs Festland evakuiert worden. Ziel war es, die ganze Insel zu sprengen. Das gelang zwar nicht, aber die Inseln waren danach erst einmal unbewohnbar. Es dauerte Jahre, sie wieder zu besiedeln.

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Zwischen 1953 und 1999 wurde die Insel zum beliebten Ausflugsziel für sogenannte Butterfahrten. Der Warenverkauf begann bereits an Bord, denn die Fahrt führte über die auf See gelegene Zollgrenze Deutschlands hinaus. Ab da konnte man zollfrei Butter, Schnaps und Zigaretten einkaufen. Das endete mit der Schaffung des Europäischen Binnenmarktes. Die Insel selbst ist jedoch genau wie die Kanarischen Inseln, Livigno und Samnaun in den Alpen heute noch Zollfreiheitsgebiet – trotz EU gilt hier eine Sonderregelung. Ein Hamburger Duty-Free-Händler liefert die Waren. Autos sind auf Helgoland verboten, bis heute ist die Insel ein Fußgänger- und Erholungsparadies.

Flugplatz Helgoland. Die längste Piste misst 480 m. – Foto: Louis-F. Stahl

Der Flugplatz auf der Nachbarinsel Düne wird von einem SAR-Kommando der Marine genutzt, die regelmäßig mit Mk 41 Seaking zivile Notfalleinsätze fliegt. Außerdem unternimmt der Ostfriesische Flugdienst OFD Liniendienste zwischen Helgoland, Cuxhaven/Spieka und Heide/Büsum. Fluggerät ist die Britten Norman BN-2 Islander, ein zweimotoriges Mehrzweckflugzeug, das für schlecht erschlossene Regionen mit kurzen Pisten konzipiert wurde. Der Hersteller produziert auf der Isle of Wight. Besonders im Inselverkehr Neuseelands, in den Tropen und im australischen Outback, aber auch zwischen den schottischen Inseln hat sich das zuverlässige Flugzeug bewährt. Es wird bereits seit 40 Jahren produziert, 1200 Stück wurden davon verkauft. Damit gehört es zu einer der erfolgreichsten europäischen Entwicklungen in diesem Segment. Der Flug nach Helgoland dauert ca. 20 Minuten und kostet 129 Euro pro Person und Strecke.

Andreas Fecker

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