DLR: Aktuelle Klimaziele der Luftfahrt zu gering für Trendwende

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Foto: Simon Pannock / airportzentrale.de

Der internationale Luftfahrtorganisation ICAO hat sich 2016 erstmals mit dem Programm CORSIA Ziele zum Klimaschutz für die weltweite Luftfahrt gesetzt. Nach 2020 soll der Luftverkehr nur noch klimaneutral wachsen. Zudem sollen sich bis 2050 die CO2-Emissionen der Luftfahrt im Vergleich zum Basisjahr 2005 halbieren. Eine unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstellte Studie kommt nun zu dem Schluss: Die CORSIA-Ziele haben das Potenzial, den Anstieg der Klimawirkung des Flugverkehrs zu reduzieren. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass diese aktuellen Maßnahmen nicht genügen, um das 1,5-Grad-Ziel von Paris ausreichend zu unterstützen. Grund ist die bisher fehlende Berücksichtigung der Nicht-CO2-Effekte, insbesondere der klimawärmenden Wirkung von Kondensstreifen. Denn Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre haben zunehmend verdeutlicht, dass Kondensstreifen und Stickoxide zusammen einen größeren Klimaeffekt des Luftverkehrs verursachen als CO2-Emissionen allein. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin NATURE erschienen.

„Nicht-CO2-Effekte haben den größten Anteil an der Klimawirkung des Luftverkehrs. Im DLR setzen wir uns dafür ein, dass diese Effekte berücksichtigt werden. Wir wollen umfassende Lösungen für das klimaneutrale Fliegen von morgen entwickeln, dass CO2-Emissionen und Nicht-CO2-Effekte vermeidet“, betont DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt Dr. Markus Fischer.

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„In unserer Studie zeigen wir, dass das Kompensationsprogramm CORSIA in der derzeitigen Form, also ohne Berücksichtigung von Nicht-CO2-Effekten, zwischen 2025 und 2064 mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent Klimaziele zur Unterstützung des 1,5-Grad-Ziels verfehlen wird“, sagt der Leiter der Studie Prof. Dr. Volker Grewe vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre in Oberpfaffenhofen. „Als Expertengruppe sehen wir in unseren Ergebnissen das Risiko einer Diskrepanz, die zu einem zunehmenden luftfahrtinduzierten Treibhauseffekt führt anstatt zu einer Stabilisierung.“ 2015 auf der Weltklimakonferenz von Paris hatten sich die beteiligten Staaten beschlossen die Globale Erwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. In der Folge verabschiedete die ICAO mit ihren Mitgliedern das Kompensationsprogramm CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation), das mittlerweile von 88 Staaten weltweit umgesetzt wird.

Stabilisierung des Klimaeffekts mit Flightpath 2050

Das Forscherteam betrachtete zudem die 2011 vom europäischen Forum für Luftfahrtforschung vorgelegten Emissions-Ziele des Flightpath 2050 (75 Prozent Reduktion der CO2-Emissionen und 90 Prozent Reduktion der Stickoxid-Emissionen bis 2050 pro Passagier-Kilometer und für ein Flugzeug des Jahres 2050 im Vergleich zu einem des Jahres 2000). „Nach unserer Einschätzung können diese Ziele die Klimawirkung des Luftverkehrs sehr wahrscheinlich stabilisieren“, so Studienleiter Grewe. „Allerdings führen auch die gegenüber CORSIA strengeren Ziele des Flightpath 2050 zu einem beständigen Beitrag der Branche zur globalen Erwärmung im 21. Jahrhundert. Grund ist das erwartete deutliche Wachstum des Luftverkehrs sowie die zu geringe Berücksichtigung der Nicht-CO2-Effekte, die damals noch nicht ausreichend valide in die Zielfindung einfließen konnten.“

Der Luftverkehr leistet einen wichtigen Beitrag für die Weltwirtschaft. Global steigt das Bedürfnis nach Mobilität, was die Luftfahrtbranche in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter deutlich wachsen lässt. Die Einschränkungen der Luftfahrt durch die COVID-19-Pandemie waren und sind dramatisch. „Der Effekt auf das Klima ist jedoch nur gering, solange eine Erholung des Luftverkehrssektors zwischen 3 und 15 Jahren erreicht wird“, ergänzt Grewe. „Deshalb ist es wichtig jetzt ambitioniertere Klimaziele für die Luftfahrt zu formulieren.“

Quelle: PM DLR

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