Testphase für neues Anflugverfahren am Flughafen Frankfurt startet

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Frankfurt Airport Centerbahn – Foto: Bildarchiv Fraport

Deutsche Lufthansa AG, Deutsche Flugsicherung GmbH und Fraport AG starten am Donnerstag (26. Mai 2016) gemeinsam am Flughafen Frankfurt die Erprobung neuer satellitengestützter Anflugverfahren. Ziel der Versuche ist es, die Vorteilhaftigkeit von gekurvten und steileren Anflugverfahren im Nahbereich von Flughäfen nachzuweisen. Die Erprobungsphase beginnt am 26. Mai und wird bis 31. August 2016 andauern. Sie findet im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Single European Sky Air Traffic Management Research (SESAR) statt.

Unter realen Bedingungen werden in Frankfurt sogenannte „RNP to xLS“ -Anflüge erprobt. Diese satellitengestützten gekurvten Anflugverfahren führen die Flugzeuge sehr präzise auf die beiden in Frankfurt zur Verfügung stehenden Präzisionsanflugsysteme – das seit Jahrzehnten bewährte Instrumentenlandesystem (ILS) und das neue System der Zukunft Ground Based Augmentation System (GBAS). Mithilfe der neuen Verfahren soll das Fliegen in Kurven im Anflugbereich zukünftig noch genauer möglich sein und die Flugspurtreue der Flugzeuge durch das neue Verfahren weiter erhöht werden. Der laterale Verlauf der neuen Anflugverfahren orientiert sich stark am Verlauf der seit Jahren bekannten und lärmarmen segmentierten Anflugverfahren. Neu ist dabei erstmalig eine Anbindung der Landebahn Nordwest an dieses Verfahren.

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Zudem wird in Frankfurt die Eignung des Verfahrens in einem Umfeld hoher Verkehrsdichte untersucht. Dabei werden die Kriterien „Flugspurtreue“ und „Lärmemission“ während der Erprobungsflüge besonders intensiv beobachtet und anschließend ausgewertet. Frankfurt ist neben Bremen und Zürich der einzige europäische Flughafen, an dem diese neuen Verfahren im Rahmen der Erprobung geflogen werden. Alle drei Flughäfen verfügen über das neue satellitengestützte Präzisionslandesystem GBAS.

Bei den Versuchen setzt Lufthansa Flugzeuge des Typs A380, B 747-8, und drei nachgerüstete GBAS-fähige A319 ein. Zusätzlich wird an wenigen Tagen ein Erprobungsflugzeug der Firma Honeywell die neuen Routen abfliegen. Die entsprechenden Flugverfahren für die Erprobung wurden von der Deutschen Flugsicherung GmbH entwickelt und bereits in der Fluglärmkommission vorgestellt. Fraport wird während der gesamten Dauer der Versuche die Anflugverfahren mit festen und mobilen Fluglärmmessstationen überwachen und die Daten anschließend auswerten.

Mit dem Start der Erprobung der neuen Verfahren durch Fraport, DFS und Lufthansa am Standort Frankfurt wird einmal mehr die internationale Vorreiterolle des Flughafens Frankfurt in der Forschung und Weiter-entwicklung des aktiven Lärmschutzes unterstrichen. Die beteiligten Partner erhoffen sich von dieser Forschung einen wichtigen Beitrag zu mehr Effizienz und zu lärmschonenden An- und Abflugverfahren.
Über SESAR – Single European Sky Air Traffic Management Research:

Die Harmonisierung des europäischen Luftraums ist für die Europäische Kommission ein vordringliches Ziel, um den Anforderungen des zukünftigen Luftverkehrs gerecht werden zu können. Damit sich Europa im globalen Wettbewerb auch in Zukunft behaupten kann, wurde das EU-Programm „Single European Sky“ ins Leben gerufen, mit dem die verkehrs-politische Neugestaltung des europäischen Flugverkehrsmanagements erreicht werden soll.

Hier stehen die Bereiche Luftverkehrssicherheit, Effizienzsteigerung, Flughafenkapazität und die Modernisierung der Luftverkehrsinfrastruktur im Fokus. Im Rahmen von SESAR als Teilprojekt des Single European Sky werden modernste Technologien, Systeme und Verfahren bis zum Jahr 2024 entwickelt und eingesetzt.

Über GBAS:

GBAS bietet bei Präzisionsanflügen eine digitale Führung und arbeitet nach dem sogenannten „Differential Global Positioning System“-Verfahren (DGPS). Eine GBAS-Bodenstation am Flughafen errechnet anhand der eigenen hochgenauen Position Korrekturdaten für jeden Satelliten des amerikanischen Global Positioning System (GPS). Diese Korrekturdaten werden zusammen mit weiteren Angaben zum aktuelen Fehler und der Geometrie der Endanflüge über einen digitalen Datenlink an alle ausgerüsteten Flugzeuge im Flughafennahbereich gesendet. Der GBAS- Empfänger an Bord der Flugzeuge kann so die selbst empfangenen GPS- Signale korrigieren, damit die genaue Flugzeugposition errechnen und nach Anwahl des gewünschten Anflugs durch den Piloten diese mit dem selektierten Anflugpfad vergleichen. Die errechnete Abweichung zwischen der Flugzeugposition und dem selektierten Anflugpfad werden dem Piloten in gewohnter Form auf seinen Cockpit-Displays angezeigt oder dem Flugregelsystem des Flugzeugs für einen automatischen Anflug zur Verfügung gestellt.

Die neue, robuste Technik bringt gegenüber den momentan in Frankfurt angewandten Anflugverfahren wesentliche Vorteile: So kann eine einzige GBAS Bodenstation viele verschiedene Endanflüge auf mehrere Landebahnen unterstützten. Diese Anflüge können z.B. auch unterschiedlich steil sein.
Wenn Flugzeuge in der Zukunft durchgängig mit den entsprechenden Bordempfängern ausgerüstet sind, kann GBAS das Instrumentenlandesystem (ILS) vollständig ablösen.

Quelle: PM Fraport AG

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