Luftpost 88: Die Perle am Golf

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Business Class mit ‚Mood Light‘ in der A350 von Qatar Airways. – Foto: Bildarchiv Fecker

In der vergangenen Woche machte eine Nachricht Schlagzeilen: Die umstrittene Fußballweltmeisterschaft 2022 wird definitiv im Golfemirat Katar stattfinden, und sie wird im Winter ausgetragen. Jedem Fußballfan ist sofort klar, das wird die nationalen Spielpläne aller Fußballligen gewaltig durcheinanderwirbeln. Während die Katarer und ihre Nachbarn jubeln, fragen wir uns betroffen, darf man das? Eine Fußball-WM in einem heißen Wüstenstaat ausrichten? Die ursprünglichen Gegenargumente zählen nun nicht mehr: Das Herabkühlen von elf Fußballstadien von 40° auf erträgliche 23° ist nun Makulatur. Das ist schon mal ökologisch sinnvoll, denn die Temperaturen für Sportler und Zuschauer liegen im Wohlfühlbereich. Es bleibt höchstens noch die Frage, warum ein so kleines Land mit gerade mal 2 Millionen Einwohnern überhaupt einen solch großen Event bekommt. Schnell ist man zur Hand mit Funktionärskorruption und Menschenrechten.

Und genau hier muss man mal einen Schritt zurücktreten und den ganzen Komplex mit etwas Abstand betrachten. Hat man jemals von den Verbänden Australiens, Neuseelands, Südafrikas, Chiles oder Argentiniens ein Murren vernommen, dass sie währen der Winterpause auf der südlichen Halbkugel eine Fußball-WM zu bestreiten hatten, die für uns zum Sommermärchen wurde? Und wann immer wir mit bester Absicht versucht haben in die Herrschaftsstrukturen anderer Länder einzugreifen, hat das sogar in jüngster Zeit zu Bürgerkriegen geführt, die teilweise Jahrzehnte dauern. Und warum soll sich ein kleines, aber leistungsfähiges Land, das schon 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung eine Blütezeit erlebte, nicht mit der perfekten Organisation einer Großveranstaltung präsentieren dürfen? Warum soll man nicht ein Land damit betrauen, das sich darum bewirbt? Wo sich doch die Bürger unserer demokratischen Staaten mit Händen und Füßen gegen die finanziellen Lasten wehren? Nur weil wir Glühwein und Fußball, Jingle Bells und Muezzin nicht unter eine Nikolausmütze bringen?

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Die Wolkenkratzer von Doha – Ein Blick aus dem A350-Flugzeugfenster nach dem Start am Hamad International Airport – Foto: Dierk Wünsche

Ich möchte Qatar einmal mit Singapur vergleichen. Finanziell leistungsstark, mit einer Vergangenheit im Britischen Commonwealth, militärisch noch immer mit dem Westen verbunden. Katar verfolgt eine fein ausbalancierte Politik zwischen dem Mittleren Osten und dem Westen, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Islam und Toleranz. Wie in Singapur gibt es dort mit Qatar Airways eine erfolgsorientierte 5-Star-Airline, die mit Luxus und 150 neuen Flugzeugen (200 weitere sind bestellt, darunter 80 Airbus A350) einen neuen Maßstab setzt. Mit knapp 150 Destinationen gehört sie zu den großen Airlines der Welt. Singapur, auch die Perle Asiens genannt, bietet das Raffles Hotel als Maß aller Dinge in der Übernachtungsindustrie an. Für mich ist das SHARQ Hotel in Katars Hauptstadt Doha die Perle am Golf. Das Sharq vermittelt einen Eindruck von indisch-britischem Kolonialstil. Es bietet ein Spa, das so umfangreich und weitläufig, gleichzeitig aber so privat, vertraulich und geschmackvoll im Stil des Landes eingerichtet ist, dass sich jeder Mensch darin wohlfühlen muss.

Qatar hat in den vergangenen Jahren Milliarden in den Bau von Sportstätten investiert, als wolle sich das sportbegeisterte Land fest in die Welt einbinden. Weltmeisterschaften im Tischtennis, Gewichtheben, Schwimmen, Squash, Hallen-Leichtathletik, Handball wurden in Katar ausgetragen, 2016 wird es die UCI Straßen WM sein, 2018 die Turn WM und 2019 die Leichtathletik WM. Hier wird ab nächstem Jahr auch ein Lauf zur Formel 1 veranstaltet. Dem Land, der Airline und seinen Menschen wohnt nämlich ein Zauber inne, der einen schnell gefangen nimmt und seine Vorurteile vergessen lässt. Hier kann man sich wohlfühlen. Man muss es einfach mal ausprobieren.

von Andreas Fecker

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