Luftpost 70: Made in Germany

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Anfang des letzten Jahrhunderts sollte der Begriff „Made in Germany“ vor allem britische Bürger davon abhalten, deutsche Waren zu kaufen, die als minderwertig geschmäht wurden. Doch bald stand Deutschland für Qualität, Zuverlässigkeit, die großen Automarken waren seit jeher weltweit geschätzt, die einschlägigen Traditionsfirmen von AEG bis Zeiss genossen dank ihrer Verarbeitung und Haltbarkeit Vertrauen und Markentreue. Deutsches Organisationstalent war sprichwörtlich. Unsere Bergwerke gelten als vorbildlich und sicher, das Wasserstraßenkreuz von Minden als Geniestreich der Wasserbauingenieure, unsere Ausbildung, unser Handwerk, unsere Kulturschätze, unsere Kunst, unsere Musik, unsere Komponisten und Philosophen haben ihren Teil zu unserem guten Ruf beigetragen. Termingerechter Bau und pünktliche Inbetriebnahme des neuen Flughafens in München mitsamt dem Umzug in nur sechs Stunden lockte Flughafenexperten aus aller Welt in die bayerische Metropole, um zu verstehen, wie man so etwas reibungslos organisiert.

Aber genau diesen Ruf setzen wir gerade aufs Spiel. Weithin sichtbar ist das Dauerdebakel um den Berliner Flughafen, der zur weltweiten Lachnummer geraten ist. Unsere Bundeswehr, einst ein solider Pfeiler im Gefüge der NATO wurde durch zahlreiche Reformen, Umstrukturierungen, Haushaltskürzungen, Transformationen, Neuausrichtung, Anhäufungen von internationalen Einsätzen, Aussetzung der Wehrpflicht an den Rand der Einsatzfähigkeit gespart. 17 Verteidigungsminister mit einer Amtszeit zwischen 11 Monaten und sechseinhalb Jahren haben nach 1955 ihre Akzente gesetzt. Piloten, denen man die Flugstunden auf das Nötigste zusammengestrichen hat, Flugzeuge, die nicht fliegen, Eisenbahnstellwerke, die nicht durchgängig besetzt werden können, S-Bahnen, die nicht fahren, Schnellzüge, die wegen überforderten Klimaanlagen ausfallen, bröckelnde Brücken, kaputte Straßen. Der Spiegel spricht bereits vom Bröckelstaat. Ein Konzerthaus, das 77 Millionen kosten und 2010 eröffnet werden sollte, kommt vielleicht 2017 und kostet dafür mindestens zehnmal so viel! Bauprojekte werden von Juchtenkäfern gestoppt, Stromtrassen von Bürgerinitiativen blockiert, eine Bürgerinitiative rühmt sich, 400 Windkraftanlagen gestoppt zu haben, das Transportwesen wird von Mikrogewerkschaften sabotiert, unsere Justiz erstickt in Nachbarschaftsstreitigkeiten. All das ist „Made in Germany“ 2014. Da ist es auch kein Trost, dass Waren, die bis zu 90% im Ausland hergestellt wurden, das Prädikat „Made in Germany“ tragen dürfen, solange die Endmontage in Deutschland stattfindet.

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Unser Flugzeugbau gehörte seit Otto Lilienthal zu den innovativsten Luftfahrtindustrien der Welt. Heute kriegen wir die Serienfertigung des A400M nicht gebacken. 1938 flog Hanna Reitsch einen Hubschrauber erstmals in einer geschlossenen Halle, heute steht unsere Hubschrauberflotte von Luftwaffe, Heer und Marine überwiegend in der Werkstatt. Der Eurofighter Typhoon, einst als Luftüberlegenheitsjäger konzipiert und als fortschrittlichster Kampfjet der Welt gepriesen, geriet wieder in die Schlagzeilen, nachdem man die Lebenszeit von 3000 Flugstunden wegen fehlerhafter Bohrungen im Rumpf auf die Hälfte verkürzt hat. Das Flugzeug läuft zwar nicht unter Made in Germany, aber unsere 33-prozentige Airbus-Beteiligung hängen wir sonst auch gerne an die große Glocke. Es ist nicht so, dass wir Gefahr laufen, unseren Ruf zu verlieren. Der hat bereits Schaden genommen. Aber jeder kann in seinem eigenen Umfeld durch seine persönliche Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit seinen Teil dazu beitragen, diesen Ruf wieder herzustellen.

Vielleicht bietet sich sogar beim Kampf gegen Ebola eine unvermutete Möglichkeit? Warum soll Deutschland dabei nicht vorangehen? JEDER Bürger könnte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in irgendeiner Weise engagieren: Sei es durch Information über die Krankheit, durch argumentativen Support des Engagements im Kollegenkreis, durch Bekämpfung der Hysterie, durch moralische Rückenstärkung von Menschen, die sich selbst als Helfer einbringen, durch Spezialisierung seines Studiums, oder einfach durch Spenden? Noch wissen wir gar nicht, auf welchen Ebenen dieser Kampf geführt werden muss. Eines aber ist sicher, die aktive Bekämpfung einer Pandemie ist allemal besser als der Versuch einer passiven Abschottung. Hier könnte jeder mithelfen, dass „Made in Germany“ wieder zu dem erfolgreichen Label wird, das es einst war!

von Andreas Fecker

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