Luftpost 282: Was nun?

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Andreas Fecker – Bildarchiv Fecker

Nach der Hitze der Nacht und den Temperatur-Rekorden der vergangenen Woche ist es mehr als gerechtfertigt, die Klimadiskussion fortzuführen. Ein gedankenloses ‚weiter-so‘ kann es nicht geben. Punkt. Nur was ist die Konsequenz? Industrie, Hausbrand, Fleischkonsum, Flächenversiegelung, Brandrodung, Straßenverkehr, Schiffsverkehr, Luftverkehr einzuschränken, und das möglichst alles gleichzeitig und lieber heute als morgen? Das empfehlen uns Wissenschaftler weltweit. Während uns Flughäfen und Kreuzfahrt-Reedereien monatlich neue Passagierrekorde vermelden, lesen wir Prognosen zur Klimaentwicklung, die einem die Urlaubsstimmung versauen können. Was also tun? Den Flugzeugen die Tragflächen absägen? Good bye Amazon, good bye Malle und Malediven, farewell USA, Thailand und Tahiti. Hallo Planschbecken im Hinterhof. Verändern wir gerade unser Leben und hundert Jahre fliegerische Errungenschaft, die zur globalen Selbstverständlichkeit geworden ist? Und selbst wenn wir wie beim Atomausstieg voranschritten, folgen uns dann sieben Milliarden Menschen?

Luftfahrtskeptiker haben das neue Tool schon gefunden, um gegen die Fliegerei vorzugehen: Den CO2-Rechner. Man kann damit einem Flugreisenden sehr leicht ein schlechtes Gewissen einreden, während man selbst über die Autobahn düst. Dass ich persönlich etwas gegen bestimmte Billigflieger habe, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein.  Sie verstopfen Flughäfen und Lufträume, um die Creme della Creme eines Volkes zum Saufen beispielsweise nach Mallorca zu schaufeln. Den Wert des Reisens sehe ich in der Notwendigkeit, persönliche und wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen, die freundschaftlich geprägt sind, im Aufbau gegenseitigen Verständnisses. Ganz besonders wertvoll sind Erkenntnisse für eine bessere Welt. Greifen wir als Beispiel Südafrika heraus.

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Das Land ist weit vom Schuss und läuft deshalb Gefahr, wirtschaftlich abgehängt zu werden. Bei uns redet alles über die Bekämpfung von Fluchtursachen. Ist es deshalb nicht umso wichtiger, den Wirtschaftsmotor Afrikas nicht ins Stottern kommen zu lassen, sondern in die Weltgemeinschaft einzubinden, sie am Fortschritt der Technik zu beteiligen?  Zugang zu den Ressourcen, Teilhabe an Bildung, Kulturaustausch und Forschung sind weitere Bausteine für eine friedliche Welt. Ich wurde von südafrikanischer Regierungsseite ausdrücklich gebeten, den Wert der Luftfahrt für das Land zu betonen. Sie sei für die Schaffung von Arbeitsplätzen in Afrika von wesentlicher Bedeutung, da sie die Ökonomie, den Tourismus, den Handel und die Investitionen antreibt. Weniger Flüge hießen Armut für die Menschen in Afrika.

Wenn wir hingegen mit offenen Augen reisen, können wir Ideen für die Lösung eigener Probleme aufgreifen! Wir beobachten doch in immer mehr Regionen die Zunahme von Dürren, Ernteausfällen, Austrocknung von Seen, verringerte Wasserstände von Flüssen. Uns ist mittlerweile bewusst, dass Wasser ein Menschenrecht ist. Latenter Wassermangel und Ernteausfälle sind Ursachen für Hunger, Armut, Korruption und Gewalt. Er ist auch eine der Ursachen für die Migrationsströme. Wer kein Wasser mehr hat, den hält nichts mehr davon ab, dorthin zu gehen, wo es noch Wasser gibt. Schon lange sagt man voraus, dass es eines Tages Verteilungskämpfe und Kriege um dieses Lebenselixier geben wird.

Von Afrika lernen.
Vor wenigen Jahren sah es so aus, als würde Kapstadt die erste Großstadt der Welt sein, die auf dem Trockenen sitzt. Daraufhin erließen Regierung und Verwaltung eine Serie von strengen Gesetzen und Verordnungen, und leitete eine Wasserwende ein, die als Blaupause für die ganze Welt dienen könnte. Wirtschaft und Industrie zogen mit. Die Hotelindustrie baute eigene Meerwasserentsalzungsanlagen. Der Wasserverbrauch wurde auf 50 Liter pro Tag und Einwohner begrenzt. (Kalifornien hat einen pro Kopf Verbrauch von 321 Liter). Haushalte, die mehr als 50 Liter pro Kopf verbrauchten, erhielten heftige Geldstrafen. Außerdem wurden Zähler installiert, die nach dem Maximalverbrauch das Ventil absperrten. Die Capetonier duschten fortan über Eimern, um das aufgefangene Wasser weiterzuverwenden. Das Wasser der Waschmaschinen wurde aufgefangen. Swimmingpools durften nicht mehr befüllt, Rasen nicht mehr gesprengt werden. Der Wasserdruck wurde reduziert. Die Medien veröffentlichten Spartechniken. Gewohnheiten aus den armen Townships gerieten so an die Öffentlichkeit und wurden übernommen. Öffnet man heute in Kapstadt einen Wasserhahn, wird feiner Wassernebel verströmt, mit dem man die Hände benetzt. Aus dem Seifenspender kommt jetzt ein feines Aerosol, das reinigt, desinfiziert und nicht lange abgewaschen werden muss. Schon beim Bau von Häusern wird die Voraussetzung geschaffen, dass das Grauwasser zur Toilettenspülung benutzt werden kann. Alles Regenwasser wird aufgefangen. Niemand in dieser Stadt wird Wasser jemals wieder als Selbstverständlichkeit ansehen. …

Nachdem nun durch üppigen Regen und die verschiedenen Maßnahmen die Seen, Flüsse und Reservoirs zumindest zur Hälfte wieder gefüllt sind, haben die Einwohner Kapstadts die wassersparenden Gewohnheiten nämlich beibehalten. Auch auswärtige Besucher übernehmen unwillkürlich diese Grundsätze und tragen sie nach Hause. Reisen produziert also nicht nur CO2, sondern trägt auch technischen und ökologischen Fortschritt über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinaus.

Andreas Fecker

 

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