Luftpost 276: Fliegen für die Wissenschaft

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Foto: Archiv Fecker

Als in den frühen Zeiten der Polarforschung Männer wie Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Robert Scott, Georg von Neumayer und Alfred Wegener aufbrachen, um die Pole zu erforschen, da waren das Unternehmen, die Jahre der Vorbereitung bedurften und von denen viel ihrer Forscherkollegen nicht zurückkamen. Die Reisen erfolgten in Segelschiffen, die im Packeis einfroren, manchmal auch davon zermalmt wurden, Eiswüsten wurden mit Hundeschlitten oder auf Schiern durchquert, Übernachtungen in Zelten und Iglus bei Minus 40, 50 oder 60 Grad. Frostbeulen, Erfrierungen, Skorbut, Wundbrand, Hunger, gebrochene Glieder waren ständige Begleiter bei der geophysikalischen Erforschung der Polkappen. Die Expeditionen dauerten manchmal Jahre.

Aber zu diesen Zeiten drehte sich die Erde noch gemächlich, die Menschen hatten Zeit, die Society verfolgte gebannt die gelegentlichen Lebenszeichen der Forscher und nahmen Anteil an ihrem Schicksal. Heute verändert sich die Welt rasend schnell, mit dem Klimawandel und seinen katastrophalen Folgen können wir fast nicht mithalten, Forschungsergebnisse werden mit Ungeduld erwartet. Verändert hat sich daher auch das Gerät, mit dem die Wissenschaftler unterwegs sind. Neben verschiedenen Forschungsschiffen betreibt das Alfred-Wegener-Institut (AWI) unter anderem zwei von der Firma Basler umgerüstete DC-3, die Polar 5 und die Polar 6. An Bord sind Arbeitsplätze für neun Wissenschaftler mit High Tech Messeinrichtungen. Die Flugzeuge können auf Eis, Schnee und Schotterpisten landen und starten. Von den Originalmaschinen, die 1942 gebaut wurden, ist nur noch der Rumpf identisch. Enteisungssysteme, Heizmatten für Batterien und Triebwerke, sowie erweiterte Navigationssysteme erlauben sogar Blindflug und Landungen bei sehr schwierigen Wetterbedingungen.  Die Systeme arbeiten auch bei Temperaturen von bis zu -54 Grad Celsius.

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AWI Polar 6 „Bremen“ – Foto: M. Gehrmann, AWI

Die Wissenschaftler benutzen die Forschungsflugzeuge, um Prozesse in den Polarregionen besser zu verstehen und um die Wechselwirkungen zwischen Erdkruste, eis- und schneebedeckten Gebieten, Ozeanen und der Atmosphäre zu erfassen. Die Luftflotte des AWI hat eine wechselvolle Geschichte.  Die Polar 1, eine Dornier 128, Baujahr 1983, fliegt jetzt für die TU Braunschweig. Polar 2, eine Dornier 228 (ebenfalls 1983) verrichtet noch immer Dienste beim AWI. Die Polar 3 wurde am 24. Februar 1985 über der West-Sahara von der Polisario abgeschossen. Alle drei Piloten kamen dabei ums Leben. Die Crew befand sich zusammen mit Polar 2 auf dem Rückflug aus der Antarktis. Die beiden Flugzeuge waren gerade nach einem Tankstopp in Dakar gestartet, als sie die Flugabwehrrakete traf. Polar 4, eine Dornier 228 (Baujahr 1985) wurde 2005 bei einem Landeunfall bei der Britischen Antarktisstation Rothera schwer beschädigt.

Andreas Fecker

Die Polar 5 auf ihrer neuen Home-Base in Bremen – Foto: C.Pichler, AWI

 

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