Luftpost 254: Prinz Karim Aga Khan IV.

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Andreas Fecker

Prinz Karim Aga Khan IV. ist ein weltoffener Mensch. Er ist der 49. Nachfolger Mohammeds und geistliches Oberhaupt der moslemischen Religionsgemeinschaft der Ismaeliten, die 20 Millionen Gläubige zählt. Prinz Karim ist Unternehmer, Konzernchef und Wohltäter. So fördert er mit 80 Millionen Dollar Wiederaufbauprojekte in Afghanistan und Schulen für afghanische Mädchen. Das ist mehr, als so mancher Staat leistet. Seine Aga-Khan-Stiftung ist die größte private Entwicklungsorganisation der Welt. Karims Vermögen wird auf zehn Milliarden Euro geschätzt. Dass er nicht nur geistliches Oberhaupt und sozialer Wohltäter, sondern auch ein gewiefter Geschäftsmann ist, mag man an seiner Airline erkennen. Seit über 50 Jahren steuert er die ALISARDA durch alle Höhen und Tiefen der Luftfahrtbranche. 1963 gründete er sie als Nischen-Airline für die Insel Sardinien, die bis dahin nur per Schiff erreichbar war, und verband sie mit dem Festland. Gleichzeitig trieb er die touristische Erschließung der Costa Smeralda an der Nordostküste Sardiniens mit Hotels und Ferienressorts voran.

Sein Fernziel war schon früh, mit seiner Airline in die USA zu fliegen. Er vergrößerte den Flughafen an seinem Hauptstandort Olbia und verlängerte die Piste. 1974 stießen die ersten DC-9 zur Propellerflotte. Endlich konnte er Sardinien schon einmal mit den wichtigen europäischen Hauptstädten verknüpfen.

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Foto: Prinz Karim Aga Khan IV. – Copyright: Gemeinfrei

1991 stieg der Aga Khan mit der ALISARDA bei der Fusion mehrerer spanischen Fluggesellschaften ein und flog fortan unter dem Namen Meridiana. Er beschränkte sich nun nicht mehr darauf, ein dichtes Netz aufzubauen, sondern konsolidierte sein Wachstum über den italienischen Reisemarkt. Meridiana war bald die größte italienische Airline in Privatbesitz.  Im Jahr 2000 beförderte sie über drei Millionen Passagiere, Tendenz steigend. 2005 gründete er Air Italy mit Sitz in Mailand. 2006 beteiligte sich die Meridiana mit 30% am italienischen Ferienflieger eurofly. Gleichzeitig entstanden Air Italy Egypt und Air Italy Polska. Teils flogen diese Airlines auf Strecken der Meridiana, teils sogar mit Meridiana-eigenen Flugzeugen. Und immer war da im Hintergrund die alte ALISARDA Holding, dem Lieblingskind des Aga Khan.

Möglicherweise brisant ist der Kontakt zu Qatar. Das Emirat wird von den Nachbarstaaten am Golf boykottiert. Qatar Airways stieg aber mit 49% bei Air Italy ein und drängte die Airline zum Umstieg vom Low Cost zum Full Service Langstrecken-Carrier mit vier Air-Italy-Flugzielen in den USA: New York, Miami, Los Angeles und San Francisco. Damit umgeht der Golf Carrier die Auflagen, keine Passagiere von außerhalb Qatars in die USA zu fliegen. Die passenden Flugzeuge (Airbus A330) least Air Italy vorerst von seinem Partner am Golf bis die 30 bestellten Boeing Dreamliner ausgeliefert werden. Damit erfüllte sich der lange gehegte Plan Prinz Karim Aga Khans, mit seiner ALISARDA nach Amerika zu fliegen, auch wenn auf den Flugzeugen inzwischen Air Italy steht. Was da noch alles im Busch ist, wird man mit Interesse beobachten.

Selten hat ein einzelner Unternehmer so konsequent und beharrlich eine Airline aufgebaut. Dass Prinz Karim aufmerksam die Entwicklung der Lufthansa verfolgt mag daran liegen, dass er Großaktionär der Kranich Airline ist. Auch von Fiat besitzt er große Aktienpakete. Nebenbei gehören ihm Bankhäuser und Zeitungsverlage, Edelsteinminen, Pferdezuchten und Hotelketten (Serena Hotels). Der Stadt Toronto stiftete er für 320 Millionen Dollar das erste Museum für islamische Kunst in Nordamerika, das Aga-Khan-Museum mitsamt einem Park.

Beispielhaft und weltlich gab sich der Ismaelitenfürst schon seit jeher mit seinem sportlichen Ehrgeiz: 1964 startete er bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck für den Iran. Er belegte im Riesenslalom Platz 53, in der Abfahrt Platz 59. Seit 1992 steht sein Weltrekord für die schnellste Atlantiküberquerung: 58 Stunden und 34 Minuten mit seiner eigens gebauten 54.000-PS-Yacht Destriero, die von drei F/A-18 Hornet Triebwerken gepowert wird. Der Aga Khan ist ein Mann von dem Schlag, den man sich in wichtigen Rollen in der islamischen Welt wünscht.

Andreas Fecker

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