Luftpost 213: Hugo Junkers

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker / Jörg Adam

Der Ingenieur Hugo Junkers (1859 – 1935) wurde vor allem durch seine Flugzeuge berühmt, besonders natürlich durch die Ju 52, von der fast 5000 Stück gebaut, und die von mindestens 27 Fluggesellschaften auf allen Kontinenten geflogen wurden. Doch man würde dem Lebenswerk dieses innovativen Genies nicht gerecht, würde man nur die etwa 50 Flugzeugtypen mit ihm in Verbindung bringen, die er entwickelt hat, von der J1 bis zur Ju 160. Nach seinem Maschinenbaustudium machte er ein Lokomotivführerpatent. Für die Deutsche Continental-Gasgesellschaft in Dessau entwickelte er die erste Doppelkolbengasmaschine. Ein Nebenprodukt seiner Arbeit in der Motorenfabrik waren die Junkers Gasbadeöfen, die Durchlauferhitzer, Raumheizungen und Warmluftgebläse für Werkhallen. 1897 wurde er Professor für Thermodynamik an der TH Aachen. Er entwickelte u.a. Schiffs- und Flugzeugmotoren, er baute 1915 die J1, das erste Ganzmetallflugzeug der Welt und 1919 das erste Ganzmetallverkehrsflugzeug, die F13, die bereits drei Monate später auf die Weltrekordhöhe von 6750 m flog. Mit seinen erfolgreichen Verkehrsflugzeugen betrieb er selbst ab 1921 eine Fluggesellschaft, den Junkers-Luftverkehr. Da seine Flugzeuge auch Hallen brauchten, eröffnete er den Junkers Stahlbau. Er entwarf Aluminiummöbel, Messehäuser und Wohnhäuser. Er war einer unserer ganz großen Forscher und Unternehmer mit Produktions- und Vertriebsstätten zwischen Dessau, den USA und Südafrika:

  • Junkers & Co. Apparate Fabrik, Dessau
  • Junkers Kaloriferwerk, Dessau
  • Junkers Flugzeugwerk AG, Dessau
  • Junkers Motorenbau GmbH, Dessau
  • Junkers-Werk Moskau
  • Junkers Corporation of America, New York
  • Aachener Segelflugzeugbau GmbH, Aachen
  • Flygindustri, Limhamn (Schweden)
  • Tomtasch, Kayseri (Türkei)

 

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Sein Geschäftsimperium umfasste auch die …

  • Gemeinnützige Siedlungs-Gesellschaft Dessau
  • Sächsische Flughafen Betriebsgesellschaft
  • „Etag“ Erdöl- und Teerprodukten AG, Berlin
  • Wilhelm Ulderupp, Berlin
  • Dessauer Möbelfabrik, Dessau
  • Mitteldeutsche Versicherungs GmbH, Dessau
  • Tapoloza Bany, Budapest
  • Compania Aerea de Fotogr. y Agrimensura, Lima
  • Junkers South Africa, Windhoek

Der derzeit größte Airline Verbund der Welt ist die Star Alliance. Stolz versammelt sie 28 Fluggesellschaften unter ihrem Dach. Kindergeburtstag gegen das Airline Netzwerk, das Hugo Junkers vor fast 100 Jahren aufgebaut hatte: Unter dem zentralen Dach der Junkers Luftverkehr AG sammelte er regionale Fluggesellschaften zu Betriebsgemeinschaften, Allianzen und Beteiligungen, die ihrerseits wiederum aus kleineren Gesellschaften bestanden:

  1. Transeuropa-Union
  2. Nordeuropa-Union
  3. Ost-Europa-Union
  4. Europa-Union

1925 blickte Junkers auf ein Streckennetz, das von der Schweiz bis nach Finnland, und von Ungarn bis nach England reichte. Ein Flug von Berlin nach München kostete 100 Reichsmark, nach heutiger Kaufkraft wären das gut 400 Euro. Junkers war an zwanzig Inlands- und dreißig Auslandsfluggesellschaften beteiligt.

Inland:

  1. Lloyd-Ostflug GmbH
  2. Danziger Luftpost GmbH
  3. Bayrischer Luft Lloyd GmbH
  4. Bodensee Luftfahrtgesellschaft
  5. Aero Lloyd GmbH, Berlin bzw. Aero Lloyd AG
  6. Rumpler Luftverkehrs AG, München
  7. Sächsische Luftverkehrs AG, Dresden
  8. Südwestdeutsche Luftverkehrs AG, Frankfurt/M.
  9. Westflug GmbH, Bad Oeynhausen
  10. Mitteldeutsche Luftverkehrs AG
  11. Norddeutsche Luftverkehr GmbH, Bremen
  12. Oberschlesische Luftverkehrs AG, Gleiwitz
  13. Schlesische Luftverkehrs AG, Breslau
  14. Badische Luftverkehrs GmbH, Karlsruhe
  15. Bayrische Luftverkehrs AG, München
  16. Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet AG
  17. Luftverkehr AG Oberhessen/Lahngau, Giessen
  18. Lloyd Junkers Luftverkehr GmbH, Berlin
  19. Nordbayerische Verkehrsflug AG
  20. Deutsche Tramp-Luftfahrt GmbH (Deutraluft), Berlin

Ausland:

  1. Sociedad Colombo Alemana de Transporte Aereo, Baranquilla (SCADTA), Kolumbien
  2. Ad Astra Aero AG, Zürich, Schweiz
  3. B. Aero Transport, Stockholm, Schweden
  4. Aero O. Y. Helsingfors, Finland
  5. Aeronaut AG, Reval, Estland
  6. Österreichische Luftverkehrs AG, Wien, Österreich
  7. Lloyd Junkers Luftverkehrs GmbH, Wien, Österreich
  8. Aero Express, Budapest, Ungarn
  9. Societa Aerea Mediterranea, Rom, Italien
  10. Compania Argentina de Comercio“ COARICO, Argentinien
  11. Dansk Lufttransport A. S. Kopenhagen, Dänemark
  12. Lettländische Luftverkehrs AG, Riga, Lettland
  13. Nederlandsche Wereldverkehr, Amsterdam, Holland
  14. Norsk Lufttransport, Oslo, Norwegen
  15. Kärntener Luftverkehrs AG, Klagenfurt, Österreich
  16. Aero Lloyd Cordobense, Cordoba, Spanien
  17. Union Aerea Espanola, Madrid, Spanien
  18. Lloyd Aereo Boliviano, Cochabamba, Bolivien
  19. Syndicato Condor, Rio de Janeiro, Brasilien
  20. Viacao Aerea Rio Grandense VARIG, Porto Alegre, Brasilien
  21. Junkers Luftverkehr in Persien, Teheran, Iran
  22. Canadian Junkers, Montreal, Kanada
  23. EURASIA Aviation-Corporation, Shanghai, China
  24. Union Airways, Port Elizabeth, Südafrika
  25. LAN Chile, Santiago de Chile
  26. Iraq Transport Company IRATRA, Bagdad, Irak
  27. Servicos Aereos Portugueses, Lissabon, Portugal
  28. Erste Bulgarische Nationale Luftverkehrs AG, Sofia, Bulgarien
  29. South-West African Airways, Windhoek, Namibia
Eine Seite aus dem Junkers Flugplan-Heft von 1925 – Foto: Junkers-Stiftung

Ende 1925 fusionierten der inländische Junkers Luftverkehr mit dem Deutschen Aero Lloyd zur Luft Hansa. Ebenfalls 1925, zwei Jahre nach dem misslungenen Hitlerputsch in München, bewarb sich ein gewisser Hermann Göring bei Hugo Junkers um eine Anstellung in einem schwedischen Junkers Werk. Junkers lehnte ihn persönlich ab. Göring hielt sich damals in Schweden auf, wo er verschiedene Entziehungskuren machte, die ihn von seiner Morphiumsucht befreien sollten. Acht Jahre später wurde Göring Reichskommissar für Luftfahrt. Für die Aufrüstung der Luftwaffe benötigten er die Junkers Flugzeug- und Flugmotorenwerke. Der Demokrat Hugo Junkers war ihm dabei weiterhin im Weg, weshalb er 1933 von den Nazis kurzerhand enteignet wurde. Er erhielt Hausverbot in seinen eigenen Werken und durfte seine Heimat Dessau nicht mehr betreten. In seinem Ferienhaus  in Bayrischzell war er ständig unter Aufsicht der Gestapo. Er starb am 3. Februar 1935 in Gauting bei München. Es war sein 76. Geburtstag.

Welchen Weg hätten die deutsche Luftfahrt und die deutsche Industrie wohl genommen, hätten zwei Weltkriege nicht alles zerstört, und hätten aufrechte Menschen und technische Genies wie Hugo Junkers ihre Schaffenskraft ungehindert einer friedlichen und nachhaltigen Entwicklung widmen können? Ob die Ewiggestrigen jemals daraus lernen werden?

Von Andreas Fecker

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