Luftpost 20: Friendly Fire

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Eine Luftpost ganz anderer Art schickte Captain Roy Lawrence, Pilot einer britischen Phantom in Wildenrath seinem in einer SEPECAT Jaguar vor ihm fliegenden Air Force Kameraden hinterher. Spielerisch betätigte er den Auslöser für eine hitzesuchende Sidewinder-Rakete, von der er angeblich nicht wusste, dass sie scharf war. In Übungseinsätzen wird durch den Auslöser normalerweise eine Kamera betätigt, deren Aufnahmen später ausgewertet werden. Allerdings war diese Phantom für einen Live Abfangeinsatz bewaffnet. Gelegentlich wird getestet, wie lange es dauert, bis die Maschinen angelassen haben und nach dem Start die Räder einziehen. Sie fliegen dann einen normalen Übungseinsatz und kommen innerhalb einer Stunde wieder zur Landung. Und wenn ein Jäger dann gelangweilt seinen radargeführten Anflug macht und vor sich eine andere Militärmaschine sieht, übt er schon mal den Ernstfall. Es sollte ja nur ein Scheinangriff sein. Er setzt sich dahinter, entsichert den Safety Switch und drückt den Auslöser. Nur dass der diesmal auf die Sidewinder aufgeschaltet war. Die Sidewinder fand das Triebwerk der Jaguar, das Triebwerk explodierte, Flight Lieutenant Steve Giggs rettete sich mit dem Schleudersitz. Soweit so gut, der Schaden betrug etwa 7 Millionen Pfund, der Pilot blieb unverletzt und kam mit dem Schrecken davon, die Crew der Phantom kam vor ein Militärgericht und wurde zu einer saftigen Strafe verurteilt.

Wie so oft, waren die Piloten das letzte Glied einer Kette von unglücklichen Umständen, die damit begann, dass in Wildenrath keine Metallriegel für den Entsicherungsschalter vorhanden waren. Zumindest keine, die auf die Phantom passten. Alternativ klebt man deshalb ein rotes Tape über den Schalter. Aber irgendwann ist auch die Rolle mit rotem Tape aufgebraucht, und jemand hatte versäumt, rechtzeitig eine neue Rolle zu bestellen. Wegen des Alarmstarts war nicht genügend Zeit gewesen, dass die Warte die Piloten gründlich informieren konnten. Und so kam es, dass die Piloten sich nicht nachhaltig über den Zustand der Bewaffnung im Klaren waren. Ausbaden musste das schlussendlich ein ahnungsloser Steve Giggs, der gar nicht wusste, wie ihm geschah, als er sich die Jaguar unter seinem Hintern zerlegte.

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Soweit die Geschichte; sie passierte schon am 25. Mai 1982 und ist in Fliegerkreisen hinlänglich bekannt. Von einem der dabei war, erfuhr ich aber den Slapstick, der am Rande stattfand. Während nämlich in Wildenrath sofort ein Rettungshubschrauber startete um den abgeschossenen Piloten zu bergen, landete Roy Lawrence seine Phantom ebenfalls auf dieser Air Base. Langsam rollte er vor die Werft, um das Flugzeug abzustellen. Als Lawrence und sein Waffensystemoffizier Alistair Inverarity ausstiegen, landete neben ihnen der Rettungshubschrauber. Die hintere Schiebetür ging auf und ein Pilot in Fliegerkombi stieg aus. Lawrence erkannte ihn sofort als einen alten Kameraden aus der Pilotenausbildung und ging auf Steve Giggs zu. „Steve! Schön dich zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass Du Hubschrauber fliegst!“ „Ich fliege keine Hubschrauber. Ich bin in Brüggen stationiert und fliege Jaguar. Ich wollte hier landen, aber irgendein Bastard hat mich während des Anflugs aus dem Himmel geschossen!“

von Andreas Fecker

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