Lateinamerika – Ein Markt mit Drive! Interview mit Dr. Jörg Waber – Head of Latin America Lufthansa Group Communications

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Dr. Jörg Waber, Head of Latin America Lufthansa Group Communications Foto: privat

– Avianca, TACA und COPA Airlines sind jetzt dem Luftfahrtbündnis Star Alliance beigetreten. Inwiefern verändert sich damit der Markt „Lateinamerika“ für Lufthansa-Gäste?

Große Hubs der Region werden nonstop angeflogen und aufstrebende Märkte durch Partnergesellschaften angebunden: Lufthansa hat mit TAM sowie nun mit Avianca-Taca und COPA wichtige Partner in Lateinamerika. Wir erschließen unseren Kunden nicht nur die größten Metropolen des Kontinents, sondern können ihnen künftig alle wichtigen Städte Lateinamerikas anbieten. Lufthansakunden können überdies sämtliche gewohnten Vorteile von Star Alliance nutzen und beispielsweise durch ihre bestehenden Mitgliedschaften in Vielfliegerprogrammen wie miles&more Meilen bei Avianca-Taca und COPA sammeln und einlösen. Strecken wie CCS-FRA, BOG-FRA und RIO-FRA werden durch diese Partnerschaften zusätzlich aufgewertet.

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– Können diese Airlines, bei einem möglichen Austritt von TAM aus der Star Alliance, deren Streckennetz abdecken?

Der Beitritt Avianca-Tacas und COPA Airlines stellt für Lufthansa und Star Alliance einen wichtigen Schritt bei der Erschließung Mittelamerikas, der Karibik und der nördlichen und westlichen Subregionen des Südamerikanischen Kontinents dar. Er ist unabhängig von einem möglichen TAM-Austritt von großer strategischer Bedeutung für Star Alliance. Star Alliance beobachtet darüber hinaus grundsätzlich die Airlineindustrie und potentielle Mitglieder in Bezug auf operationelle Standards, insbesondere was Sicherheit und Zuverlässigkeit betrifft.

 – Der lateinamerikanische Markt ist neben dem asiatischen von Wachstum gekennzeichnet. Findet hier auch so etwas wie ein „Verteilungskampf“ der Luftfahrtbündnisse statt?

Ja. Südamerika gehört unverändert zu den wichtigsten Wachstumsregionen weltweit. Die Region ist klar im Fokus der Netzentwicklung von Lufthansa. Hier wollen wir weiter wachsen, unsere Präsenz ausbauen und unser Netz verdichten. Die Region hat großes wirtschaftliches Potenzial – daher weiten wir bestehende Frequenzen aus, eröffnen neue Strecken uns verwirklichen bi- und multilaterale Partnerschaften wie im Rahmen der Star Alliance und wie im Falle von TAM, COPA und Avianca-Taca. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund des Verteilungskampfes der großen Bündnisse in der Region essenziell.

 – Gibt es weitere Airline-Kandidaten, die auf diesem Markt zum Beispiel mit Interlineabkommen, eingebunden werden könnten?

Durch unsere bi- und multilateralen Abkommen sind wir zurzeit hervorragend aufgestellt. Sicherlich analysieren wir grundsätzlich aber auch weitere Wachstumspotenziale.

 – Brasilien verzeichnet ein signifikantes wirtschaftliches Wachstum und steht vor der Fußball-WM sowie der Olympiade. Wie bereitet sich Lufthansa, etwa mit Frequenzerhöhungen, Fluggerätwechsel oder weiteren Zielen, darauf vor?

Auch für Brasilien und Rio im Besonderen gilt: Es gehört zu den wichtigsten Wachstumsregionen weltweit und ist klar im Fokus der Netzentwicklung. Hier wollen wir weiter wachsen, unsere Präsenz ausbauen und unser Netz verdichten. Insgesamt erhöhte LH ihr Angebot (Frequenzerweiterung) in Lateinamerika innerhalb von zwei Jahren (zwischen Oktober 2010 und 2012) um fast 40%. Gerade in Brasilien betrug die Zunahme der angebotenen LH Sitze zwischen Mai 2011 und Oktober 2012 um 75%. Mit einem täglichen Nonstopflug von Frankfurt nach Rio setzen wir ein klares Zeichen in Richtung kommende Großereignisse.

 Im Einzelnen:

    • 31. Oktober 2010 5/7 BOG-FRA,

    • 30. Oktober 2011 5/7 RIO-FRA,

    • 9. Mai 2011 7/7 GRU-MUC,

    • 28. Oktober 2012 7/7 RIO-FRA,

    • 28. Oktober 2012 7/7 BOG-FRA

– Wie sieht die Verteilung zwischen „Geschäftsreisenden“ und „Urlaubersreisenden“ auf den Lufthansa-Strecken nach Brasilien aus.

 Beide Kundengruppen sind für Lufthansa von großer Bedeutung. Auch die Lufthansaverbindung von Frankfurt nach Rio de Janeiro, die in früheren Jahren von vielen Urlaubsreisenden genutzt wurde, verzeichnet heute einen bedeutenden Anteil Geschäftsreisender. Gerade die Entdeckung großer Erdölreserven vor den Küsten Südostbrasiliens hat die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region und Rios gefördert.

 – Welche weiteren Länder Lateinamerikas sind für Lufthansas Streckenausbau künftig von Interesse? Gibt es Erweiterungspläne in Richtung Argentinien, Uruguay und Chile?

Lufthansa beobachtet grundsätzlich die Entwicklung in potentiell neuen Märkten genau. Zunächst liegt der Fokus aber auf der Konsolidierung bestehender Strecken.

– Ein Blick über den Tellerrand: die Karibik wird für Urlauber aus Europa immer interessanter – Stichwort Kreuzfahrt-Tourismus. Über welche HUB-Verbindungen kann man mit Lufthansa und den Star Alliance-Partnern diese Destination zukünftig schneller und bequemer erreichen?

Lufthansa bietet zusammen mit ihren Partnern heute schon hervorragende Verbindungen in die Karibik, insbesondere über Miami, aber auch Bogotá. Durch den Beitritt der COPA Airlines zur Star Alliance wird dieses Portfolio (über den Hub Panama City) noch weiter wachsen und Lufthansas Präsenz in der Region stärken.

 – Engagiert sich Lufthansa in Lateinamerika zudem auf sozialer oder kultureller Ebene? Welche Projekte gibt es dazu?

 Die Lufthansa Help Alliance unterhält zwei Förderprojekte in Brasilien. In Porto Alegre und Rio de Janeiro werden eine Schule beziehungsweise ein Berufsbildungszentrum in benachteiligten Stadtteilen gefördert.

Copyrigth: Dierk Wünsche

Hinweis: siehe auch HÖCHSTPERSÖNLICH – Dr. Jörg Waber

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