Luftpost 351: Piloten zu Lokführern

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Foto: Fecker

Es gab mal einen Kampfruf im linken Gesellschaftsspektrum: „Schwerter zu Pflugscharen“. Schweizer Verbände denken derzeit darüber nach, „Piloten zu Lokführern“ umzuschulen. Ich bin gespannt, wie das in der fliegenden Zunft ankommt. Hintergrund ist der Rückgang des kommerziellen Luftverkehrs. Das führte zu einem voraussichtlich jahrelangen Überhang fliegenden Personals. Gleichzeitig haben die Schweizerische Bundesbahnen SBB ein Untersoll von ca. 200 Lokführern. Da sich nach Ansicht der Verbände die Berufe stark ähneln, kultiviert man die Idee und sucht nach einer Zusammenarbeit. Beide Berufe hätten ein komplexes Arbeitsumfeld, hier wie da sei methodisches und genaues Arbeiten gefragt. Eine schnelle Auffassungsgabe, mentale Beweglichkeit und Belastbarkeit seien Voraussetzungen. Verschiedene Wechselmodelle werden erörtert: Entweder arbeiten die Piloten für mehrere Jahre bei den SBB und wechseln dann zurück. Oder sie arbeiten Teilzeit in beiden Bereichen.

Eine kurze Nachfrage in der Branche ergab, dass es bereits Airline-Piloten gibt, die früher einmal einen Zug fuhren und dann ins Cockpit umschulten. Jetzt machen sie beides in Teilzeit. Sie sind offenbar glücklich damit. Es ist bestimmt eine gangbare Alternative für einen Flieger, der seine Anstellung verliert. Aber, bleibt der Pilot auch bei der Bahn, wenn der Luftverkehr wieder anzieht? Wird er sich in seinen Top-Job zurücksehnen? Nimmt er die erste sich bietende Gelegenheit wahr und drängt wieder ins Cockpit? Außerdem, wie ist der Gehaltsvergleich? Und wichtig ist schließlich, ohne gelegentliche Flugstunden und Nachschulung im Simulator ist die Fluglizenz bald nichts mehr wert und der Rückweg ins Cockpit verbaut.

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Wenn ich früher Besuchergruppen im Tower oder in der Anflugkontrolle geführt habe, nutzte ich den Vergleich zur Bahn: „Städte sind mit Bahnstrecken verbunden. Sie führen zweigleisig und ebenerdig durch unser Land. An den Bahnhöfen verzweigen sie sich harfenähnlich zu den einzelnen Bahnsteigen. Die Züge werden dabei immer langsamer, bis sie punktgenau am richtigen Bahnsteig stoppen. In der Fliegerei ist es nicht viel anders. Luftstraßen verbinden die Flughäfen. Die Maschinen werden allerdings nicht nur horizontal, sondern auch vertikal gestaffelt. Und anstatt sich vor der Landung zu verzweigen, bündeln sie sich aus allen Richtungen zu einem einzigen Punkt zusammen, dem Aufsetzpunkt auf der Piste. Mit einer Landegeschwindigkeit von 200 bis 300 km/h. Und von dieser Piste muss dann im Wechsel mit den Landungen auch gestartet werden.“ Der Fluglotse sorgt dafür, dass dieses scheinbare Gewirr nach festen Regeln in geordneten Bahnen abläuft.  Und er ist stolz darauf, diese anspruchsvolle Arbeit zu leisten. Würde nun ein Fluglotse freiwillig vom Tower eines Flughafens in ein Stellwerk der Eisenbahn wechseln?

Andreas Fecker

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