Luftpost 329: „Request Leaving Direction“

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Andreas Fecker

In meiner aktiven Zeit als Tower Controller an verschiedenen Militärplätzen war es wichtig und üblich, Piloten, die nach Sichtflugregeln flogen, vor dem Start nach der Richtung zu fragen, in die sie die Kontrollzone verlassen wollten. Dann wurde nochmal akribisch geprüft, ob der gewünschte Abflugsektor auch frei war. Die Frage „Request Leaving Direction“ war also kein nebensächlicher Small Talk, sondern sie hatte ihre Bewandtnis. Eines Tages wurde sie von einem Starfighter Piloten mit einem hörbar unterdrückten Kichern beantwortet: „Nach oben!“ Nun ja. Man flachst halt manchmal miteinander.

Jahre später, jener Pilot war längst zum Fluglehrer aufgestiegen, schulte er einen Kameraden in Notverfahren auf einer Zweimot (Do-28) und flog dabei eine Platzrunde nach der anderen. Mal links herum, mal rechts herum. Sie übten Durchstartmanöver nach Triebwerksausfall. Mal zog er dem Schüler den Leistungshebel zum linken, mal zum rechten Triebwerk zurück. Beide waren erfahrene Flugzeugführer, beide hatten auch schon Abstürze nach Vogelschlag überlebt, der Fluglehrer im Starfighter, der andere im Tornado. Bei niedriger Geschwindigkeit in Bodennähe gilt es eigentlich, geradeaus zu fliegen und Fahrt aufzunehmen. Ein stehender Motor bedeutet erhöhten Luftwiderstand auf der betroffenen Seite, während der Auftrieb an den Tragflächen abnimmt. Der Schüler entschied sich wie immer an dieser Stelle eine steile Kurve einzuleiten, obwohl er noch nicht die notwendige Geschwindigkeit hatte. Sekunden später stürzte das Flugzeug ab. Da bekam die Antwort auf die Frage nach der Leaving Direction nachträglich eine tragische Bedeutung.
Und wieder einmal ist es eine Lehre für alle Piloten, Fluglotsen und Techniker, bei allem gewissenhaft zu sein und niemals den Ernst ihrer Arbeit zu vergessen. Selbst in ihrer Sprache.
Andreas Fecker

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