Luftpost 459: Flugzeugsitze

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Markdorf ist eine Kleinstadt am Bodensee, 20 km von Immenstaad. 15.000 Einwohner, die sich im Wesentlichen mit Obst- und Weinbau beschäftigen. Der nächste Flughafen ist Friedrichshafen, die Bahnverbindung ist eher prekär. Und ausgerechnet hier und in Immenstaad siedelte sich 2008 die Firma ZIM an, die High-Tech-Flugzeugsitze für alle gängigen Passagierflugzeuge herstellt! Erster Großkunde war eine kanadische Airline, und seit 2015 beliefert ZIM die Lufthansa Gruppe mit Premium-Sitzen! Zur Erinnerung: Die Lufthansa Group besteht aus Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings, Edelweiss, Air Dolomiti, SunExpress und LH CityLine. Und gerade eben schloss ZIM die Auslieferung für drei A350 der Air Caraïbes in den Westindischen Inseln ab. Natürlich kann sich jede Airline den Sitz so individuell wünschen, wie sie ihn fliegen möchte, mit mehr oder weniger Extras und Komfort, elektrischem Beinrest und waagrechter Schlafposition, mit unterschiedlichen Polstern und Bezügen, mit großem oder kleinem Entertainmentsystem. Es muss nur den Anforderungen der ICAO bezüglich Sicherheit und Entflammbarkeit entsprechen.

Sowohl unter dem Sitz als auch in der Rückenlehne steckt Technik – Foto: Fecker

Die Sitze sollen kostbar und schwer aussehen, stabil in der Verankerung sitzen, schnell für Kabinenumbauten und zur Wartung zu lösen, gleichzeitig aber so leicht wie möglich sein. Der Stoff muss verschiedensten Kriterien entsprechen. So hat er schwer entflammbar, leicht zu reinigen sowie flecken- und geruchsresistent zu sein und muss sich angenehm auf der Haut anfühlen. Gleichzeitig ist er atmungsaktiv und schweißabstoßend, denn der Passagier soll sich ja auch nach zehn Stunden Flug noch wohl fühlen. Das Sitzkissen muss im Notfall als Schwimmhilfe dienen können, und die Schwimmweste hat unter dem Sitz leicht erreichbar zu sein. In der hochklappbaren Armlehne ist Platz für die Viel-Kanal-Audiotechnik, wo Programme gewählt und Lautstärke für den Kopfhöreranschluss geregelt werden. Die Rückenlehne ist im Neigungswinkel verstellbar und der Tisch ist entweder in der Armlehne oder im Rücken des Vordersitzes integriert.

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Lochbleche sparen Gewicht – Foto: Fecker

Es ist spannend zu sehen, wieviel Technik in die verschiedenen Sitze eingebaut wird. Schon der Economy-Sitz besteht aus 3.000 Teilen, Schrauben, Nieten, Schrauben, Nieten, Beilagscheiben, Schrumpfschläuche, Kabelbinder und Kabel eingeschlossen! Gewichtsersparnis steht jedoch genauso weit oben wie Sicherheit und Komfort. So werden gestanzte Lochbleche für die Rückenlehnen benutzt. Moderne Materialien schützen gegen Verschleiß und erhöhen die Lebensdauer.

Viel Technik unter den Polstern – Foto: Fecker

In der Business Klasse ist mittlerweile der USB-Anschluss Standard, bei immer mehr Airlines komplett mit Wireless LAN für den drahtlosen Internetzugang unterwegs. In dem elektrisch verstellbaren Sitz verwöhnen manche Fluglinien mit einer wohltuenden Rückenmassage – natürlich ganz ohne Zutun des Bordpersonals. Selbstverständlich sind die integrierte Leselampe, der persönliche Videomonitor und ein Multi-Feature Unterhaltungssystem, wo man aus scheinbar unendlich vielen Film- und Musikprogrammen oder Computerspielen wählen kann. Der Sitz ist in den Langstreckenmaschinen bei entsprechender Beinfreiheit zum waagerechten Schlafsessel konvertierbar. Airlines, die noch erste Klasse betreiben, überschlagen sich förmlich mit noch mehr Komfort, noch breiteren Sitzen oder gar Suiten. Zugeknöpft geben sich die Hersteller auf die Frage nach dem Preis, weil der vom Kunden und dem Bestellvolumen abhängt. Marktüblich kosten Economy-Class-Sitze zwischen 2000 und 5000 Euro. Ein Business Class Sitz kostet locker das zehnfache. Sitze und Suiten in der First Class rangieren zwischen 250.000 und 900.000 Euro.

Andreas Fecker

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