Luftpost 353: Luftpost aus Wilmington

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Foto: Andreas Fecker / airportzentrale.de

Die spannende Geschichte einer großen amerikanischen Airline.

1937 erfand ein Zahnarzt aus Chicago, Dr. Lytle S. Adams in Wilmington, Delaware, ein Luftpost-System, bei dem Flugzeuge im Vorbeiflug Post aufnehmen und abladen konnten. Um das System zu verwirklichen, gründete er die All-American Aviation mit Sitz in Pittsburgh. Mit fünf Stinson SR10C Reliant, die für die fliegende Aufnahme von Postsäcken umgebaut wurden, nahm er 1938 den Betrieb auf und bediente fortan 52 Gemeinden in Pennsylvania und West Virginia. Das Unternehmen florierte, und die AAA erhielt weitere Konzessionen auf Luftpostrouten, von denen 46 Stationen nicht einmal einen Flughafen besaßen. Doch nach dem Krieg brach das Luftpostaufkommen ein. Unter dem Namen All-American Airways begann das Unternehmen 1949 neben dem Postdienst auch Passagiere zu fliegen. Aus der All-American wurde 1953 die Allegheny Airlines, benannt nach den Allegheny Mountains und dem gleichnamigen Fluss, der die beflogene Region entwässerte. Das Netz der Regionalflug­gesell­schaft mit Sitz in Pittsburgh wurde immer dichter und dichter. Jede kleine Stadt war bald daran angeschlossen.

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1968 schloss sich Allegheny mit der in Indianapolis ansässigen Lake Central Airlines zusammen und verdoppelte so ihr Netzwerk über Pittsburgh hinaus in den Mittleren Westen. Zwölf weitere regionale Mikro-Airlines gingen später in der Gesellschaft auf. Mit Mohawk Airlines sicherte sie sich den Zugang nach New York und den New England-Staaten. Allegheny wuchs zur sechstgrößten Fluggesellschaft der Welt heran. International hörte sich der Name jedoch zu provinziell an, und so taufte sich die Airline 1979 in USAir um. Der neue Name reflektierte auch die Größe des Streckennetzes. Die Airline beschäftigte 1972 bereits 10.000 Mitarbeiter. 1986 übernahm sie zwei wichtige Konkurrenten, Pacific Southwest Airlines aus San Diego und die altePiedmont Airlines. Sie eröffnete Flüge nach London, Montreal und Nassau (Bahamas). Es war bis dahin der größte Zusammenschluss in der Geschichte der amerikanischen Luftfahrt.

Aus USAir wurde 1997 die US Airways. Obwohl keines ihrer Flugzeuge direkt betroffen war, schlug der 11. September 2001 auch bei US Airways ein. Tausende von Flügen wurden gestrichen, Flugzeuge eingemottet, Bestellungen storniert. Unter Gläubigerschutz konnte sie ihr Management „aufräumen“, den Betrieb an die neuen Gegebenheiten anpassen und hatte die Chance, als neue, schlankere Airline aus der Krise hervorzugehen. 2004 trat sie der Star Alliance bei und löste den Hub in Pittsburgh auf. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Mega-Carriers wollten einfach nicht aufhören. Unzufriedenheit unter den 40.000 Mitarbeitern zwang US Airways erneut dazu, Gläubigerschutz zu beantragen. Ein ungewöhnlich hoher Krankenstand brachte die Airline um Weihnachten 2004 an den Rand des Abgrunds, als hunderte von Flügen storniert wurden und über 10.000 Gepäckstücke verloren gingen.

2005 gab US Airways schließlich die Übernahme durch America West bekannt. Das Besondere an diesem Zusammenschluss ist die Tatsache, dass der Retter des angeschlagenen Unternehmens dessen Namen annahm und ab 2007 nur noch als US Airways auftrat. 2013 fusionierte sie mit American Airlines zur größten Fluggesellschaft der Welt. Und angefangen hat alles mit der Luftpost-Idee eines Zahnarztes in Wilmington, Delaware, der Heimatstadt von Joe Biden.

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