Nach der Einigung von Union und SPD, den Standort Deutschland zu erhalten, gibt es viel Beifall von Verbänden und Organisationen.
Bürgeraktion PRO Flughafen e.V.
Die jetzt von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Luftverkehrssteuer wird von der Bürgeraktion PRO Flughafen ausdrücklich begrüßt. „Die Rücknahme der letzten durch die Ampel-Koalition erfolgte Erhöhung der Steuer kann aber nur ein erster Schritt sein, die Standortkosten für den Luftverkehr in Deutschland auf europäisches Maß zu senken“, erklärte der Vorsitzende von Pro Flughafen Ernö Theuer. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer habe erst vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass der Rückgang des Flugangebotes zu einem Risiko für den Wirtschaftsstandort werde. Aber nicht nur die Wirtschaft, auch die Gesellschaft brauche das Fliegen, betont Theuer.
Theuer: „Als Flughafen- und Eintracht-Fan freue ich mich immer, wenn Eintracht-Chef Axel Hellmann darauf hinweist, dass die guten Flugverbindungen dem Verein helfen, begabte Talente zu bekommen. Weil sie dank des Flughafens leicht mit Familie, Freunden und Heimat in Kontakt bleiben können.“ Theuer ist sich aber sicher, dass das nicht nur für den Fußball gilt, sondern vielmehr auch Wirtschaft und Wissenschaft bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte vom Flughafen profitieren.
Letztlich gelte es aber auch für die Migranten, die über 3,3 Millionen Deutsche, die im Ausland leben, und für die Mitbürger mit ausländischer Herkunft in unserem Land. Sie alle wollten, soweit es möglich ist, Kontakt mit Heimat und Familie halten.
Theuer abschließend: „Der Flughafen ist eine zentrale Infrastruktur für Wirtschaft und Gesellschaft. Wir sollten ihn pflegen und bedarfsgerecht entwickeln im Interesse des Wohlstands der Bürger und der Zukunftsfähigkeit der Region.“
Die Bürgeraktion PRO Flughafen ist eine im Jahr 2000 gegründete überparteiliche Initiative von Bürgern der Region, die das Fliegen und den Flughafen unterstützen wegen der überragenden Bedeutung für Wirtschaft und Bürger in der Region Frankfurt/Rhein-Main.
ver.di begrüßt Senkung der Luftverkehrssteuer
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt die Entscheidung im Koalitionsausschuss der Bundesregierung, die Luftverkehrssteuer ab dem 1. Juli 2026 zu senken. Dieser Schritt sei ein wichtiges Signal zur Entlastung der Luftverkehrswirtschaft in einer Phase anhaltender struktureller Herausforderungen. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle stellte am Freitag aber klar, dass dies nicht ausreiche: „Die Senkung der Luftverkehrssteuer ist ein Schritt in die richtige Richtung – da muss aber deutlich mehr kommen“, betonte die Gewerkschafterin.
Trotz der angekündigten Anpassung bestehen laut Behle weiterhin erhebliche strukturelle Verzerrungen, die heimische Airlines, Flughäfen und Beschäftigte gegenüber Drittstaaten-Airlines systematisch benachteiligen. Dazu zählen insbesondere sogenannte Open-Sky-Agreements nicht-europäischer Staaten, deren Arbeits- und Sozialstandards häufig weit unter den europäischen liegen. Diese Vereinbarungen ermöglichen es ausländischen Airlines, zu Konditionen zu operieren, die hiesige Unternehmen weder sozial verantwortungsvoll noch rechtskonform abbilden können.
„Wir sehen mit großer Sorge, dass europäische Unternehmen zu strengeren Regeln als andere verpflichtet sind, während Drittstaaten-Airlines solche Vorgaben umgehen können“, sagte Behle. Das betreffe sowohl Arbeitsstandards als auch zentrale Klimaschutzmaßnahmen wie das europäische Emissionshandelssystem: „Fairer Wettbewerb sieht anders aus.“ Auch die Sanktionen gegen Russland würden vielfach durch diese Airlines umgangen, die sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und auch deutsche Passagiere über Krisengebiete fliegen.
„Für eine wirkliche sozial-ökologische Transformation des Luftverkehrs bedarf es deutlich umfassenderer Maßnahmen, als die Bundesregierung sie jetzt plant“, erklärte Gewerkschafterin Behle: Wettbewerbsverzerrungen müssten konsequent abgebaut, Arbeits- und Sozialstandards geschützt und Klimaschutzinstrumente fair ausgestaltet werden. Digitalisierung und Automatisierung dürften nicht gegen die Beschäftigten, sondern müssen gemeinsam mit ihnen entwickelt und gestaltet werden.
Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende machte zudem auf den schleichenden Abbau von Arbeitsplätzen in der Branche aufmerksam, der immer mehr die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts gefährde. Allein an deutschen Flughäfen seien in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrere tausend Stellen gestrichen oder nicht wiederbesetzt worden – dies führe zu schlechterer Servicequalität und belaste das verbleibende Personal immens. Christine Behle: „Wir brauchen eine nachhaltige Luftverkehrspolitik, die gute Arbeit fördert, Sicherheit stärkt und den Standort Deutschland langfristig wettbewerbsfähig hält.“
Deutscher Reiseverband zufrieden
Der Koalitionsausschuss hat beschlossen, die Erhöhung der Luftverkehrsteuer aus dem vergangenen Jahr zurückzunehmen – wie bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben. „Das ist ein erster wichtiger Schritt, damit Urlaub für alle bezahlbar bleibt“, betont der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Albin Loidl. „Der Luftverkehr ist das Rückgrat der Reisewirtschaft – und damit ein zentraler Pfeiler der gesamten deutschen Wirtschaft.“ In jüngster Zeit hatten neben der Erhöhung der Luftverkehrsteuer auch zahlreiche andere Anhebungen von Steuern und Gebühren Flugreisen verteuert. „Für eine vierköpfige Familie fallen allein bei der Luftverkehrssteuer bis zu 300 Euro an – zusätzlich zu Flughafengebühren und Sicherheitskosten. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche Belastung, das ist eine soziale Frage. Urlaub muss bezahlbar bleiben – gerade für Familien“, hebt der DRV-Präsident die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der nun beschlossenen Entlastung hervor.
Luftverkehr sei aber weit mehr als nur Tourismus: „Er ist Mobilität, er ist Wirtschaft, er ist Verbindung – zwischen Menschen, Märkten und Ideen. Gerade auch für Geschäftsreisen ist der Luftverkehr unverzichtbar. Deutsche Unternehmen sind weltweit aktiv – sie leben vom internationalen Austausch, von Kundennähe, von Innovation. Ohne attraktive Flugverbindungen, ohne gut erreichbare Destinationen in aller Welt verliert Deutschland den Anschluss – wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich“, so Albin Loidl.
Die Reisewirtschaft hängt unmittelbar am Luftverkehr. Sie sichert hunderttausende Arbeitsplätze – in Reisebüros, bei Veranstaltern, Airlines und an Flughäfen. Jeder Euro, der in den Tourismus fließt, wirkt entlang einer langen Wertschöpfungskette – in Deutschland und in den Zielgebieten weltweit. „Reisen wirkt auch über Grenzen hinaus. Gerade in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Tourismus der Jobmotor. Er schafft Perspektiven, Einkommen und Stabilität – und leistet damit mehr für nachhaltige Entwicklung, als jede Form klassischer Entwicklungshilfe“, so Loidl.
Die jetzt beschlossene Rücknahme der Luftverkehrsteuererhöhung zum 1. Juli 2026 ist ein wichtiges Signal und erster Schritt, den Luftverkehrsstandort Deutschland zu entlasten – für bezahlbare Mobilität, sichere Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke. „Weitere müssen folgen“, erklärt der DRV-Präsident. Es sei daher zu begrüßen, dass weitere Entlastungen angekündigt wurden, etwa dass die Flugsicherungskosten 2026 nicht weiter ansteigen, sondern sinken sollen und dass die Gebühren bis 2029 insgesamt um deutlich mehr als 10 Prozent sinken werden. Die Kosten für die Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen sollen durch Prozess- und Effizienzverbesserung reduziert werden, so der Koalitionsausschuss.
„Wir müssen alles daransetzen, dass Reisen zeitnah mit deutlich reduziertem CO2-Ausstoß und perspektivisch klimaneutral stattfinden kann“, so Loidl weiter Dem sei sich die Branche sehr bewusst. „Was allerding fehlt, ist der nachhaltige Treibstoff“, mahnt Loidl. Die Reisewirtschaft brauche hier endlich die entsprechenden politischen Weichenstellungen. „Das betrifft in aller erster Linie die Verfügbarkeit von E-Fuels für den Luftverkehr und die Kreuzfahrt.“ Vorgaben aus der EU reichten hier nicht aus. „Wir brauchen ein Hochfahren der industriellen Produktion zu tragbaren Preisen – und dabei die Unterstützung der Politik.“ Zu begrüßen, sei die Ankündigung, die Streichung der sogenannten nationalen Power to Liquid-Quote schnellstmöglich umzusetzen.