Luftpost 452: Neu aufgelegt

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Mit Erleichterung stelle ich heute fest, dass mein vergriffenes Buch über 75 Jahre Flugunfallgeschichte nachgedruckt wurde. Ich halte dieses Buch für das wichtigste aus meiner Feder, denn es soll alle Mitarbeiter in der Luftfahrtindustrie sensibilisieren, so sorgfältig wie möglich zu arbeiten. Ich nehme den Neudruck zum Anlass, an die Spantax zu erinnern, jene spanische Charterfluggesellschaft, die es auf immerhin acht Totalverluste von Flugzeugen und insgesamt 248 getötete Menschen gebracht hatte. Von Notwasserung über Kollisionen, Abstürze, vergessenem Fahrwerk, Baumberührung, Airportverwechslungen und eine Serie von schweren Lebensmittelvergiftungen durch salmonellenverseuchte Bordmahlzeiten ließ die Airline nichts aus, um beinahe täglich in der Zeitung zu stehen.

Hier ein Auszug aus dem Buch
Beim Start einer DC-10 der spanischen Fluggesellschaft Spantax in Malaga löste sich das Profil des linken runderneuerten Bugradreifens. Kurz vor Erreichen von V1 (162 Knoten) traten Vibrationen auf, die sich rasch verstärkten. Als der Käpten bei VR abheben wollte, waren die Vibrationen so stark, dass er Strukturschäden befürchtete und entschloss sich, den Start abzubrechen. Die Maschine war mittlerweile bei 184 kts und hatte nur noch 1300 m Piste vor sich. Als der Käpten die Leistungshebel zurückzog und auf Umkehrschub schaltete, rutschte er vom Hebel für das rechte Triebwerk No 3 ab. Das führte zu einer Asymmetrie, das Flugzeug brach nach links aus, überschoss die Piste, rammte ein Generatorhäuschen vom Instrumentenlandesystem, das rechte Triebwerk riss ab. Die DC-10 durchbrach einen Metallzaun, überrollte die Autobahn, stieß mit drei Fahrzeugen zusammen, Beim Kontakt mit einer Eisenkonstruktion brachen drei Viertel der rechten Tragfläche und das rechte Höhenruder ab. 450 m hinter dem Pistenende kam die Maschine zum Erliegen. Im Heck des Flugzeugs brach ein Feuer aus.
Die Evakuierung der Passagiere verlief größtenteils chaotisch, weil sich die hinteren Türen nicht öffnen ließen, oder andere Türen wegen des Außenfeuers geschlossen bleiben mussten. Einige Passagiere öffneten trotz Außenfeuers eine Türe, die Notrutschen entfalteten sich, wurden aber gleich danach durch das Feuer unbrauchbar. Durch die nun offenstehende Türe drang weiterer Rauch und Feuer in die Kabine. So mussten die meisten der 381 Passagiere durch die Türen 3L und 3R. Die Gänge zu diesen Türen waren allerdings schnell verstopft, weil viele Passagiere ihr Gepäck mitnehmen wollten. 47 Passagiere kamen bei diesem Unfall ums Leben, die meisten Überlebenden erlitten Rauchvergiftungen. Knochenbrüche und Schnittwunden waren Folgen der Evakuierung.

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Der Unfall hatte aber eine Reihe von Empfehlungen zur Folge. Darunter …

  1. die Auslaufzonen hinter den Pistenköpfen sind zu erweitern und hindernisfrei zu halten, wo immer das möglich ist.
  2. Der Gebrauch von runderneuerten Reifen ist zu überdenken.
  3. Die Evakuierungspläne von Großraumflugzeugen sind dahingehend zu gestalten, dass ein Teil der Türen wegen Außenfeuers nicht geöffnet werden kann.
  4. Die Regelungen für Kabinengepäck sind rigoros durchzusetzen.

Die Spantax musste 1988 ihre Flügel streichen.

Andreas Fecker

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