Luftpost 443: Betriebsausflug

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Als ich noch an der Flugsicherungsschule der Bundeswehr in Kaufbeuren arbeitete, wurde ich gebeten, einen Betriebsausflug zu organisieren. Unser Lehrpersonal beschäftigte sich ja hauptberuflich damit, Fluglotsen für Radarzentralen und Kontrolltürme auszubilden. Da lag es für mich nahe, einmal über den Zaun zu schauen und den Turm das Stellwerks im Münchener Bahnhofsbereich zu besuchen. Ich fand diesen Job schon immer faszinierend und nutzte den Vergleich mit dem Stellwerk eines Bahnhofs, wann immer ich einer Besuchergruppe unseren Job erklären musste. Das Beispiel war ja jedem geläufig: „Wichtige Städte sind durch Schienen miteinander verbunden, die meist zweigleisig und ebenerdig über Land verlaufen. Vor den großen Bahnhöfen verzweigen sie sich über Weichen zu Gleisharfen, damit die Züge unterschiedliche Bahnsteige anfahren können.
Im Luftverkehr sind ebenfalls wichtige Städte miteinander verbunden. Sie laufen aus allen Himmelsrichtungen auf den Flughafen zu, wo sie sich allerdings nicht verzweigen, sondern auf einen Punkt vereinen, den Aufsetzpunkt auf der Landebahn. Es gibt noch einen Unterschied: Alles verläuft dreidimensional. Und drei- bis fünfmal so schnell. Damit das reibungslos funktioniert, ist die vierte Dimension ein wichtiger Faktor, die Zeit. Und wenn ein Zug ein Problem hat, kann er notfalls auf offener Strecke anhalten und um Unterstützung rufen. Das geht in der Fliegerei nicht.“

Auch ein Kollege vom Hamburger Flughafen wurde einst gebeten, einen Betriebsausflug für die Fluglotsen von Hamburg Tower zu organisieren. Er arrangierte über die Lotsenstation des Hamburger Hafens einen Ausflug mit einem Lotsenversetzboot, bat aber eindringlich darum, dem Schiffsführer vorab nicht zu verraten, um welche Berufsgruppe es sich bei diesem Betriebsausflug handelte. Nachdem alle Mitfahrer an Bord waren, erkundigte sich der Kapitän, wen er vor sich hatte. Der Kollege vom Flughafen antwortete: „Ich kann Ihnen versprechen, es sind alles waschechte Lotsen. Aber wundern Sie sich nicht, über die Fragen, die nachher kommen!“
Andreas Fecker

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