Luftpost 430: HAHO

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Was haben Fallschirmspringer in Höhen zu suchen, die normalerweise von Jumbos beflogen werden? Es sind HAHO Springer der Bundeswehr. HAHO steht für High Altitude – High Opening im Gegensatz zu HALO High Altitude – Low Opening. Wir reden hier von bis zu 10.000 Metern Absetzhöhe mit Sauerstoffgerät, Waffen, Gepäck und Gleitschirmen! Und damit die Fallschirmjäger nicht mit Flugzeugen ins Gehege kommen, sind sie bei Trainingssprüngen mit einem Transponder ausgerüstet, um sich bei der Flugsicherung sichtbar und erkenntlich zu machen. Der Springer wird in 8 bis 10 km Höhe und je nach Höhenwindverhältnissen in etwa 40 km Entfernung vom geplanten Landepunkt abgesetzt. Im Ernstfall soll eine Gefährdung der Transportmaschine verhindert, und die Lage der Landezone verschleiert werden. Der Springer gleitet mit dem Wind auf das Ziel zu. Er hat ein Instrumentendisplay mit Kompass und GPS mit gespeicherten Wegpunkten bei sich. Die Schwierigkeit besteht in der Navigation unter Berücksichtigung der realen Windverhältnisse. Stimmt die meteorologische Windvorhersage nicht, kann der Springer an der Landezone vorbeigedrückt werden.

Amerikanische HAHO Springer auf dem Flug zum Einsatz – Foto: USAF – Public Domain

Während Fallschirmsportler versuchen, so wenig wie möglich an Ausrüstung und Gewicht mitzuführen, wiegt die typische HALO/HAHO-Ausrüstung je nach Einsatz zwischen 20 und 80 Kilogramm. Natürlich gibt es einen barometrischen Höhenmesser, entweder am Handgelnk oder vor der Brust, sowie einen akustischen Höhenwarner, einen Öffnungsautomaten, der im freien Fall unterhalb einer vorgegebenen Höhe automatisch den Schirm auslöst, wenn er nicht manuell geöffnet wurde. Ein Gurt- und Fallschirmkappmesser, einen Integralhelm, Handschuhe, Springerstiefel mit verstärktem Knöchelschutz, Gelenkbandagen, einen gepolsterten Nierengurt zum Schutz der unteren Wirbelsäule bei Landungen in unwegsamem Gelände, eine Fallschirmkombi samt Wärmebekleidung.

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Für den Gleiteinsatz hat der Springer einen Kugelkompass und ein GPS-Gerät auf dem Brustpanel. Ab Absprunghöhen von über 4000 m samt langen Gleiteinsätzen benötigt er Atmungsgeräte. Obligatorisch sind Waffen und Munition, gegebenfalls auch Sprengmittel, Funkgeräte, optronische Aufklärungsmittel/Nachtsichtgerät, Verpflegung sowie Feld- und Biwakausrüstung. Die gewichtigen Sachen werden in einen Sprungbehälter mitgeführt, der kurz vor der Landung ausgeklinkt wird. Um die Springer in Friedenszeiten zu schützen, ist für Nachtsprünge eine Stroboskoplampe hinten am Helm angebracht. Wie ein Flugzeug trägt er auch LED-Positionslichter, vorne und links rot – hinten und rechts grün. Für Fallschirmsprüngen in Gewässer trägt er bereits einen Neoprenanzug samt aufblasbarer Schwimmweste. Die Gleitschirme haben nichts mehr mit den weißen Kappenschirmen zu tun, wie man sie aus Kriegsfilmen kennt. Es sind matratzenähnliche Kammerschirme mit einer Oberfläche von ca. 30 qm aus anthrazitfarbigem oder schwarzem Material.

Der Auftrag dieser knallharten Kampftruppen kann das Erkunden, Sichern und Betreiben von Behelfslandeplätzen oder Landezonen sein, Aufklärung in Rebellengebieten, Verbringen von nicht im Sprungeinsatz ausgebildeten Personen wie Entschärfungsspezialisten oder Notärzten im Fallschirm-Tandemsprung, militärische Flugverkehrskontrolle, Leiten von Luftnahunterstützung, direkte Gefechtsunterstützung von Spezialkräften (KSK/KSM) nach Gleiteinsatz.

Andreas Fecker

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