Luftpost 421: Mali

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Trotz der Ukraine ist Mali immer wieder in den Schlagzeilen. Mali. Das erinnert mich an ein Drama, das sich am 24. März 1952 abspielte, gestern vor genau 70 Jahren. Eine Lockheed Lodestar der französischen Charter-Airline Société Africaine des Transports Tropicaux (SATT) hatte einen Charterauftrag von Nizza nach Abidjan mit Zwischenlandungen in Algier, El Golia und Tamanrasset. Hier übernachteten Crew und Passagiere. Der Weiterflug am folgenden Tag nach Abidjan sah Tankstopps in Gao (Mali) und Ouagadougou (Burkina Faso) vor. Die Crew übernachtete nach der Landung in Abidjan. Für den Rückflug am folgenden Tag war eine Übernachtung in Tamanrasset vorgesehen. Doch Flug und Tankstopp in Gao verzögerten sich, die Ankunft in Tamanrasset bei Tageslicht war nicht mehr zu machen. Flughafen und Piste hatten auch keinerlei Befeuerung. Also entschloss sich der Käpten, die Nacht in Gao zu verbringen und plante einen Start am nächsten Morgen um 09:00 Uhr. Er kommunizierte auch, dass er sehr müde sei. Im Laufe des Abends meldete sich die Airline bei ihm und befahl einen frühen Start um 03:00 Uhr morgens.

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Die letzte Reise einer Lockheed Lodestar. Grün = Hinflug am 21./22./23.03.1952, erste Übernachtung in Tamanrasset. Zweite Übernachtung in Abidjan. Gelb = Beginn des Rückflugs am 23.03.1952, Dritte Übernachtung in Gao. Rot = geplanter und tatsächlicher Flugweg am 24.03.1952 – Grafik: Fecker

Wer trifft solche Entscheidungen? Ein Betriebswirt ohne Ahnung vom Fliegen? Ein Disponent nach kaufmännischen Gesichtspunkten? Der Eigentümer der Airline? Ein kriegserfahrener Chefpilot, der nur noch gelegentlich im Cockpit sitzt und seine fliegerische Vergangenheit jeden Tag mehr verklärt? Als unser tragischer Held am frühen Morgen bei der Wetterberatung auftauchte und seinen Flugplan aufgab, traf er auch den Fluglotsen vom Tower. Er beklagte sich, dass er todmüde sei und dass das die Company in Frankreich aber nicht interessiere. Außerdem müsse er von den Tankstopps abgesehen von Gao bis Nizza ohne weitere Pause durchfliegen, ca. 3400 km! Sein Flugzeug habe keinen Autopiloten, und er müsse auch noch den Job des Navigators machen. Er hatte geradezu Angst vor dem Flug und bestürmte den Fluglotsen, ihm den Start zu verbieten. Doch der Lotse hatte dafür keine Handhabe, da der Flugplan ordnungsgemäß aufgegeben war. Schließlich wurden die Passagiere geladen, das Flugzeug rollte zum Start. Sieben oder acht Minuten lang ließ der Käpten die Motoren hochdrehen, als würde er hoffen, es könnte sich doch noch ein technischer Defekt zeigen. Dann löste er die Bremsen und begann seinen Startlauf. Nach 900 m hob die Lodestar ab, fiel aber 15 Sekunden später wieder zurück auf den Boden. Das Wrack wurde zwei Kilometer hinter dem Pistenende gefunden. Von den 21 Menschen an Bord überlebten nur drei.

Andreas Fecker

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