Luftpost 407: Die Feueraxt

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Andreas Fecker – Foto: Archiv Fecker

Reisen per Flugzeug zwischen 9/11 und Corona ist nicht mehr was es einst war. Früher war es der Beginn eines Urlaubs, eines Abenteuers, einer kulturellen Erfahrung. Meine heutige Geschichte markierte eine Zeitenwende. Am 11. September 2001 wurde bekanntlich der gesamte Luftverkehr über den USA eingestellt. Erst Tage später starteten wieder die ersten Passagiermaschinen. An Bord eines dieser Flüge wartete der Käpten, bis alle Kunden Platz genommen hatten. Dann trat er in den Gang und hielt eine Ansprache mit ungefähr folgendem Wortlaut:

„Vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihren Mut, heute mit uns zu fliegen. Sollte auf unserem Flug irgend jemand versuchen, das Flugzeug zu kapern, werfen Sie alles auf ihn, was Sie greifen können, Gläser, Tassen, Tabletts, Kissen, Handtaschen, Notebooks, Mobiltelefone, Handgepäck. Sollte es trotzdem ein Entführer ins Cockpit schaffen, dann kriegt er es mit mir zu tun. Und damit.“ Dabei hielt er drohend eine messerscharfe Feueraxt in die Höhe! Die Passagiere applaudierten.

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Eine andere Episode fällt mir dazu ein. Manche Cockpit Crews zeigten anfangs wenig Verständnis dafür, dass sie an der Sicherheitsschleuse wie gewöhnliche Passagiere behandelt wurden. Ein Käpten weigerte sich lautstark, seine Nagelschere herauszugeben. „Das ist doch lächerlich,“ beschwerte er sich bei dem herbeigerufenen Supervisor der TSA. „Im Cockpit habe ich eine Feueraxt, damit kann ich ganz andere Schäden anrichten, als mit einer Nagelschere! Und überhaupt, wozu soll ich mein eigenes Flugzeug entführen? Wenn ich das wollte, lande ich einfach irgendwo anders! Dazu brauche ich keine Nagelschere!“

Keine dieser Beschwerden hatte Erfolg. Denn würde es sich herumsprechen, dass Piloten oder Kabinenpersonal nicht genauso scharf kontrolliert werden, wie gewöhnliche Passagiere, könnte sich ein potentieller Entführer ja einfach eine Uniform besorgen… Auch mir hat man schon in Frankfurt den Kulturbeutel gefleddert, den ich noch von der letzten Reise im Handkoffer vergessen hatte. Umso mehr war ich erstaunt, dass ich mir gleich nach der Security auf dem Weg zum Gate in einem Laden für Reisebedarf die Nagelschere wieder hätte kaufen können, die man mir zuvor abgenommen hatte!

Shop für Reisebedarf hinter der Security-Schleuse im Flugsteig A in Frankfurt. (aufgenommen 21.04.2006) – Foto: Fecker

Und heute? Drei, fünf, zehn Stunden Langstreckenflug unter der Maske? War es früher das Rauchverbot, das manche Zeitgenossen aggressiv machte, ist es heute die Maskenpflicht. Vielleicht ist es doch nicht so harmlos für so manche Psyche, stundenlang an Bord durch die Maske zu atmen? Jedenfalls häufen sich Angriffe auf Kabinenpersonal, zumindest in den USA. Die FAA zählte in diesem Jahr 4300 Zwischenfälle. Das hätte sich der Käpten mit der Feueraxt vor 20 Jahren sicher nicht träumen lassen!
Andreas Fecker

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