Luftpost 393: Two, too und to

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Foto: Fecker

FT 66 war die Frachtversion einer Boeing 747-200 der Cargo Airline Flying Tigers. Sie war unterwegs von Singapur nach Kuala Lumpur. Die Besatzung bestand aus einer Cockpitcrew von vier Personen, sonst war nur Fracht an Bord. Im Anflug auf den Sultan Abdul Aziz Shah Airport gab die Flugsicherung den Jumbo auf die Piste 33 frei. Der Sinkflug erfolgte in mehreren Stufen. Nach der Übergabe von Approach zum Tower gab der Fluglotse die Boeing zum Sinken auf die Sicherheitsmindesthöhe von 2400 Fuß frei. „Tiger Six Six, descend two four zero zero“ („Tiger Sechs Sechs, sinken Sie zwei vier null null“). Der Käpten bestätigte die Freigabe mit den Worten: „Okay, four zero zero“. Ein gewissenhafter Fluglotse hätte hier den Irrtum der falsch zurückgelesenen Höhe bemerkt und eingegriffen. Die Besatzung setzte also den Sinkflug fort und unterschritt die zulässige Mindestflughöhe um 2000 Fuß! Dichter Morgennebel verhinderte den Sichtkontakt zum Boden. Der akustische Annäherungsalarm wurde von der Crew ignoriert. Die Boeing streifte einen Kilometer vor dem Funkfeuer Kilo Lima in 437 Fuß einen Hügel, beschädigte dabei Tragflächen und Höhenruder, bevor sie erneut aufschlug und sich das Fahrwerk abriss. Dann rutschte sie einen zweiten Hügel hinauf, geriet in Brand und wurde vollständig zerstört. Das Feuer an der Unglücksstelle, 14 Kilometer vor dem Pistenbeginn brannte zwei Tage lang.

Als besonders fatal hatte sich hier der Gleichklang der englischen Zahl Zwei, »Two« und der englischen Präposition »to«, für »nach« erwiesen. Unter dem Unfalluntersuchungsbericht stand abschließend als Ursache: »Die Flugsicherung in Kuala Lumpur benutzte keine Standard Phraseologie. Die Crew hat deshalb die Anweisung falsch interpretiert.« Schon damals galt, dass bei Höhen die Worte „hundred“ (hundert) und „thousand“ (tausend) zu nennen sind. Der Fluglotse hätte somit die Formulierung „descend two thousand four hundred“ verwenden müssen. Der verantwortliche Lotse wich aber von der geforderten Standardterminologie ab, weil er den Eindruck gewonnen hatte, dass seine Anweisungen von den Piloten nicht immer verstanden wurden. Besatzungen, die den Flughafen regelmäßig anflogen, berichteten, dass es einigen Lotsen schwerfiel, das Wort „thousand“ auszusprechen, so dass sie nur Ziffern nannten. Ihre Anweisungen wurden in der gleichen, nicht standardisierten Form von den Piloten beantwortet.

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Um ähnliche Missverständnisse zu verhindern wird nun das Wort »altitude« (Höhe) vor die Zahl, und das Wort »feet« dahinter gesetzt: »descent altitude two four zero zero feet«. Damit ist ausgeschlossen, dass die Präposition »to« anstelle des Zahlwortes »two« hineininterpretiert wird.

Wegen Unfällen wie diesen herrscht zumindest hier in Europa Null Toleranz. Zwar gibt es immer wieder Situationen, in denen die » Standardterminologie« nicht ausreicht, besonders in Notsituationen. Doch auch hier ist die Sprache der Fluglotsen darauf trainiert, ohne lange Schnörkel und nichts sagende, überflüssige Füllwörter das Notwendige in der knappest möglichen Form dem Piloten an seinen Arbeitsplatz zu schicken.

Auszug aus Flugunfälle von Andreas Fecker

2 Antworten zu “Luftpost 393: Two, too und to”

  1. Karl Seiler sagt:

    „Two to Toulouse“ ist das Beispiel aus dem Fahrkarten-Verkauf und gehört wohl in die gleiche Kategorie.

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