Luftpost 366: Die Krawatte

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Wenige Branchen sind so hart von der Pandemie betroffen wie die Reisebranche. Buchungen wurden storniert, Strecken gestrichen, Flugzeuge stillgelegt, Personal entlassen, auf verbleibenden Flügen wurde der Service auf ein Minimum ausgedünnt. Vorbei die Zeiten, in denen Airlines großzügig sein konnten. Allein die Lufthansa meldet einen Verlust von über sechs Milliarden Euro im vergangenen Jahr!
Ein befreundeter Fluglotse aus Stuttgart erzählte mir einst eine nette Geschichte aus den 1970er Jahren, als verschiedene Fluggesellschaften den Fluglotsen noch kostenlose „Streckenerfahrungsflüge“ spendierten (natürlich nicht ohne Hintergedanken). Auf Wunsch hatte man auch Zugang zum Cockpit samt Kopfhörer, denn das war ja letztendlich der Sinn der Sache. Hier ist seine Geschichte:
„Ich hatte ein Standby-Ticket der Lufthansa, mit der ich nach Singapur geflogen war. Doch am Rückflugtag war der Flieger voll, und ich stand ganz unten auf der Standby-Liste. Ich bat daher Singapore Airlines mich mitzunehmen. Aber auch dort war die Economy voll, und im Cockpit war kein Platz mehr. Der Ticket Agent fragte mich, ob ich eine Krawatte hätte. Ich verneinte, schließlich war ich mit Jeans und Poloshirt unterwegs. Also schlug er mir vor, doch eben eine Krawatte zu kaufen. Die Auswahl im Flughafenshop war nicht sehr groß. Doch gemeinsam schafften wir es, mich zu „kultivieren“. Jetzt war man am Check-In zufrieden. Anstandslos bekam ich einen Boarding Pass für die Business Class. Auf dem Weg zum Gate warf ich einen Blick in einen Spiegel. Ehrlich gesagt, für meine Standards sah ich beschissen aus. Als ich dann an Bord ging, meinte der Purser: ‚Ich weiß, die Airline achtet auf angemessene Kleidung, und dazu kann schon mal eine Krawatte gehören. Aber bitte, ziehen Sie dieses häßliche Ding aus!‘
Ich habe daraus zwei Dinge für mein Leben gelernt: Erstens, immer eine Krawatte im Gepäck haben. Zweitens, der Service bei Singapore Airlines war einfach „outstanding“! Wäre schön, wenn das so bleiben könnte.“ – Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 366: Die Krawatte”

  1. Frank Schueler sagt:

    Danke für die schöne Geschichte! Ich erinnere mich noch gut an den erwünschten Dresscode für PADs.
    BRGDS, Frank

    • Andreas Fecker sagt:

      Zur Erläuterung: Ein PAD ist in der Airline-Sprache ein „Passenger available for disembarcation“. Auf deutsch: Ein Passagier, den man kurzfristig von der Passagierliste kicken kann. Lang lebe die Krawatte!