Luftpost 345: Cybercrime

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Andreas Fecker

Erst vor ein paar Tagen ist es mir selbst passiert. An irgendeinem Internet-Knoten wurde meine E-Mail gehackt und die Adressen ausgelesen. Jeder Empfänger erhielt eine nichtssagende Mail, die wohl irgendeine Reaktion provozieren sollte. Die IP-Adresse und die GPS-Daten der Hacker haben wir herausgefunden. Der Server steht in Lagos, Nigeria, auf einer stillgelegten Offshore-Bohrinsel. Diese Feststellung nutzt mir aber nichts. Die Abteilung Cybercrime das BKA erklärte sich bei Privatpersonen kurzerhand für nicht zuständig. Ich habe mehrere Tage gebraucht, um den Schaden wieder zu beheben.

Cybercrime passiert leider in immer größerem Stil. Krankenhäuser, Wasserwerke, Fluggesellschaften werden gehackt und stillgelegt. Manchmal ist es nur maliziös um Chaos zu schaffen, manchmal ist es hochkriminell. Mit sechsstelligen Beträgen werden Regierungen und Verwaltungen und Industrie erpresst. Aber es geht tatsächlich bis in den privaten, häuslichen Bereich. Da veröffentlicht zum Beispiel jemand ein privates Online-Kochbuch. Die Zutaten werden professionell fotografiert. Sucht dann jemand zum Beispiel nach „Ingwer“ oder „Banane“, findet er zahlreiche Bilder. Einmal angeklickt, sind sie im eigenen Temp-Verzeichnis. Durchsucht dann ein kommunikativer Facebook-Jünger seinen Computer nach dem entsprechenden Stichwort, um seinem Freundeskreis mitzuteilen, dass er gerade eine Banane verzehrt hat, findet er das Bild und hängt es auch noch an seinen „Erlebnisbericht“. Das Foto trägt aber ein elektronisches Wasserzeichen, und wird daher vom Bildautoren gefunden.

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Der wiederum arbeitet Vollzeit mit einer Sozietät von Abmahn-Anwälten zusammen, und schon sind 500+ Euro „Schadensersatz“ fällig. 500 Euro für ein Foto, das in einer 125-stel Sekunde gemacht wurde! Da kommt dann ein erklecklicher Stundenlohn zusammen. Dieser und ähnliche Fälle gingen vor Gericht, durch die Presse und sind offenbar rechtens.

Screenshot einer polynesischen Piraten-Website – Screenshot: Fecker

Hilfloses Gegenbeispiel gefällig? Ich habe ein paar Dutzend Bücher am Markt, hochwertig, aufwendig recherchiert, mit viel Herzblut geschrieben und toll illustriert. Aber es sind halt Luftfahrt-Fachbücher, und damit sind es Nischenprodukte. Sie bedienen Fachinteressen und weniger die breite Masse der Leserschaft. Mit den paar Prozent Honorar könnte ich mein Leben nicht bestreiten. Jahr für Jahr muss ich dem Finanzamt gegenüber die Gewinnerzielungsabsicht nachweisen.

Screenshot einer anderen Piraten-Website – Screenshot: Fecker

Seit einiger Zeit erhalte ich Werbung von Gaunerfirmen, die meine Bücher ungefragt und ungeniert als PDF-Download anbietet.  Das ganze Portfolio! Kostenlos, gegen eine Spende oder eine Mitgliedschaft. Die Server stehen auf den Cayman Islands, auf Tuvalu, in Russland oder China. Kann ich nun auch klagen, weil man mir mit jedem Buch die Arbeit von 125 Tagen gestohlen hat? Mitnichten! Ich wüßte auch nicht wo. Irgendetwas stimmt bei uns nicht mit der Verhältnismäßigkeit.

Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 345: Cybercrime”

  1. Wolfgang sagt:

    Hallo Herr Fecker,
    selbst im App Store von Apple gibt es schon das Programm „goodreads-Meet your next favorite book“.
    Ich bin natürlich kein Mitglied dort. Wer aber ahnt schon, dass die Autoren überhaupt nicht gefragt werden und ihre Bücher ungestraft kopiert und zum Lesen und als Download angeboten werden. Es ist alles nur furchtbar geworden.
    Bleiben sie gesund!
    Mit herzlichen Grüßen
    Wolfgang

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