Luftpost 344: Nils Eliasson

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Foto: Fecker

Kürzlich fiel mir das Buch „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson“ von Selma Lagerlöff in die Hände. Ein kleiner Junge aus Schweden fliegt auf dem Rücken von Wildgänsen durch seine Heimat. Da fiel mir prompt eine andere unglaubliche Reise mit einem Schweden ein. Die ist so kurios, dass ich sie hier erzählen muss. (Man sehe mir den etwas weit hergeholten Luftfahrtbezug bitte nach!)

Während meiner Arbeit in der Luftfahrtbehörde in Bosnien musste ich an einer wichtigen Konferenz in den USA teilnehmen. Ich hatte Flüge gebucht von Sarajevo nach Zürich, am folgenden Tag weiter nach Atlanta, und von dort schließlich nach New Orleans. Das Flughafenterminal in Sarajevo war gerammelt voll, da in kurzem zeitlichen Abstand aufeinander die Swissair, die Lufthansa und die AUA erwartet wurden. Draußen herrschte aber dichter Nebel. Es war fast zu erwarten, dass eine Durchsage käme, alle drei Flüge würden heute nicht mehr stattfinden. Ich fragte den gutgekleideten Herrn neben mir, wieviele Kilometer es wohl mit dem Auto nach Wien sein könnten. Er schätzte ca. 800. Ich rief vom Handy die Swissair in Zürich an und bat, meinen Flug von Sarajevo nach Zürich in einen Flug von Wien nach Zürich am nächsten Morgen umzubuchen. Dann bestellte ich einen Fahrer, der mich ins Headquarter der SFOR bringen sollte, wo ich meinen Privatwagen geparkt hatte.

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Während ich vor dem Terminal auf den Fahrer wartete, kam der Herr von vorhin zu mir und fragte: „Bleibt es dabei? Fahren Sie wirklich mit dem Auto nach Wien?“ „Ja.“ „Würden Sie mich bis Zagreb mitnehmen?“ „Nichts lieber als das.“ Gesagt, getan. Als er dann später zu mir ins Auto stieg, gab ich ihm die Hand und stellte mich vor: „Ich bin Andreas Fecker, Hauptmann, deutsche Luftwaffe.“ Er sagte nur „Nils Eliasson. Schweden.“ Auf meine Frage, womit er denn seine Brötchen verdiene antwortete er: „Ich bin der schwedische Botschafter in Bosnien.“

Ambassador Eliasson beim Farewell-Dinner mir gegenüber – Foto: Archiv Fecker

Die nächtliche Fahrt durch den Nebel nach Wien war die Hölle. Nirgendwo brannte ein Licht. Keine Markierungen auf den Straßen, keine Leitpfosten, keine Wegweiser. Alles, was einst aus Holz war, wurde in den Kriegswintern in den Öfen verbrannt. Häuser ohne Dächer, verlassene Ortschaften. Ambassador Eliasson kannte die Gegend, weil er im schwedischen Auftrag die Projekte seines Landes am bosnischen Wiederaufbau kontrollierte. Morgens um 2 Uhr erreichten wir den Flughafen von Zagreb, von dort fuhr ich alleine weiter bis Wien. Ich hatte gerade noch Zeit, das Auto zu parken und einzuchecken.

Mit seiner Exzellenz hatte ich danach ein herzliches Verhältnis. Als meine Zeit auf dem Balkan zu Ende ging, kam der Botschafter zu meiner Verabschiedung. So eine Nachtfahrt durch den Nebel schweißt halt zusammen.

Andreas Fecker

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