Luftpost 321: Red Flag

Werbung
Andreas Fecker – Foto: Archiv Fecker

Vergangenen März fielen einem jungen Studenten aus Dormagen die Flugspuren zweier Airbus A340 der Flugbereitschaft von Köln nach Las Vegas ins Auge. Er wunderte sich, was denn unsere Luftwaffe im Spielerparadies zu suchen hat und vermutete Verschwendung von Steuergeldern. Folgerichtig startete er eine Anfrage an das Verteidigungsministerium. Die Antwort kam am nächsten Tag. ‚Die Bundeswehr holte 200 Teilnehmer der fliegerischen Großübung Red Flag nach Deutschland zurück, wo sie nun 14 Tage in Quarantäne verbringen müssen, Corona sei Dank.‘

Ich nehme das zum Anlass, solche großen Übungen und Manöver zu beleuchten. Keine Luftwaffe eines Staates ist stark genug, sich allein gegen einen möglichen Gegner zu verteidigen. Erst der Zusammenschluss im Verteidigungsbündnis ergibt ein ernstzunehmendes Gegengewicht. Solche Einsätze müssen aber in Friedenszeiten abgestimmt und geübt werden, damit man sich nicht gegenseitig behindert, sondern ergänzt. Fliegerische Taktik der einzelnen Verbände, Besonderheiten der Einsatzmuster, kann man nur zu seinem Vorteil nutzen, wenn sie bekannt, erprobt und bewährt sind. Dazu gibt es gemeinsame Großübungen, wo Bomber, Jagdflieger, Aufklärer, EloKa-Flugzeuge im Verbund über geeignetem Gebiet bestimmte Aufgaben lösen sollen, während eine andere fliegende Streitmacht die Rolle des Verteidigers übernimmt. Geeignetes Gebiet ist zum Beispiel die Tundra Kanadas oder Alaskas, oder die Wüste von Nevada oder Kalifornien. Der Luftraum über dem kalifornischen Panamint Valley und der Mojave Desert ist Teil eines Special Use Airspace Complex. Er erstreckt sich über das gesamte Gebiet von 200 Fuß bis auf 18.000 Fuß, bei Bedarf sogar bis 60.000 Fuß Höhe. Auch wenn wir in Deutschland aktuell fünf zeitweilig reservierte militärische Übungsräume haben, ein Luftsperrgebiet dieser Größe lässt sich nirgendwo in Europa darstellen.

Werbung

Der Luftraum wird hauptsächlich von militärischen Flugzeugen aus den Flugplätzen der Nellis und Edwards AFB, der NAWS China Lake und NAS Lemoore für Übungen in geringer und großer Höhe genutzt. Nellis liegt nördlich von Las Vegas. Auf dieser Basis leben und arbeiten etwa 9000 Menschen, teils mit ihren Familien. Verschiedene Geschwader mit unterschiedlichen Flugzeugen sind dort stationiert. Außerdem werden Testflüge neuer Flugzeugmuster durchgeführt, verschiedene Schulen für taktische Einsatzführung sind dort untergebracht. Die Teilstreitkräfte Army, Air Force, Navy und Marines sind in diesem Herzstück des amerikanischen Militärapparats vertreten.

Nellis Air Force Base, Nevada – Foto: Ken Lund, Reno

Vier bis sechsmal im Jahr findet dort die Übung „Red Flag“ statt. Die meisten NATO-Staaten entsenden dazu Flugzeuge, Gerät und Personal. Als Ergänzung wird auf der Eielson Air Base bei Anchorage die Übung Red Flag Alaska geflogen, weil dort andere Bedingungen herrschen. Das kanadische Pendant heißt Maple Flag mit Cold Lake CAFB als Basis.

Ich möchte diese Luftpost mit einer Anekdote beenden. 1980 hatte ich auf Nellis AFB zu tun und lernte einen amerikanischen Fliegerarzt kennen. Im Verlauf des Gesprächs fragte er plötzlich: „Kennen Sie General Steinhoff?“ „Natürlich kenn ich den,“ Welcher deutsche Offizier kennt seinen Luftwaffeninspekteur nicht, dachte ich bei mir. Der Arzt war entzückt. Er gab mir seine Visitenkarte und bat mich „Bitte grüßen Sie ihn von mir und meiner Frau. Wir haben ihn vergangenes Jahr kennengelernt.“ Kennen und kennen können schon mal zwei Paar Stiefel sein.

Andreas Fecker

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort