Die Europäische Agentur für Flugsicherheit, EASA, autorisiert Lufthansa Technik, so genannte „major changes“ an Flugzeugen, ihren Triebwerken und Komponenten innerhalb eines klar definierten Rahmens eigenständig zu genehmigen. Die Verleihung des „Certain STC (Supplemental Type Certificate) Privilege“ unterstreicht das Vertrauen der EASA in das zuverlässig hohe Qualitätsniveau, das die Ingenieur:innen von Lufthansa Technik erzielen, um mehr als 5.100 Flugzeuge weltweit in der Luft zu halten.
Mit dem Erhalt des „Certain STC Privilege“ hat der Entwicklungsbetrieb von Lufthansa Technik einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Privileg gilt für wiederkehrende Konstruktionslösungen, für die die Design Organisation bereits häufig STCs erhalten und nachgewiesen hat, dass sie die Ähnlichkeit der Konstruktion und die Wiederholbarkeit der Zertifizierung innerhalb eines vereinbarten und kontinuierlich überwachten Rahmens beherrscht.
Der Geltungsbereich dieses Privilegs erstreckt sich auf Kabinenumbauten für die A320ceo-Familie. Es ermöglicht Lufthansa Technik, wiederkehrende Änderungen am Kabinenlayout – wie neue Sitzkonfigurationen, Verlegung von Bordküchen oder Waschräumen und Neupositionierung von Klassenteilern – ohne individuelle EASA-Genehmigung zu genehmigen. Dies verkürzt die Genehmigungsfristen erheblich, reduziert die Anzahl der Beteiligten, minimiert Stillstandszeiten und senkt das Projektrisiko.
„Nach einer langen Phase vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Lufthansa Technik gewähren wir mit großer Gewissheit das ‚Certain STC Privilege‘. Nun haben wir eine weitere Design Organisation an Bord, die Erfahrungen bei der Genehmigung größerer Änderungen sammelt“, sagt Alain Leroy, Acting Certification Director der EASA.
„Das ‚Certain STC Privilege‘ ist ein wichtiger Meilenstein für unseren Entwicklungsbetrieb und für Lufthansa Technik. Es ermöglicht uns, den Genehmigungsprozess erheblich zu beschleunigen, wertvolle Zeit zu sparen und unnötige Kosten zu vermeiden. Unsere Design-Ingenieur:innen haben bereits eine Reihe wiederkehrender ‚major changes‘ im Sinn, für die wir ein Certain STC erlangen können, um unsere Prozesse und Dienstleistungen weiter zu optimieren“, sagt Harald Gloy, COO von Lufthansa Technik.
„Das Privileg ermöglicht es uns, klar zwischen Routineprojekten, die wir eigenständig durchführen können, und solchen, die eine enge Einbindung der EASA erfordern, zu unterscheiden“, ergänzt Dr. Uwe Schüler, Leiter des Entwicklungsbetriebs von Lufthansa Technik. „Wir erwarten Einsparungen bei den Zertifizierungskosten von bis zu 20 Prozent.“
Entwicklungsbetrieb blickt auf mehr als 50 Jahre Pionierarbeit zurück
Der Entwicklungsbetrieb bildet das Rückgrat von Lufthansa Technik. Jede Änderung an einem Flugzeug oder Triebwerk erfordert ein sorgfältiges Design sowie Zertifizierung nach strengen Luftfahrtvorschriften. Die 1973 vom deutschen Luftfahrt-Bundesamt zertifizierte und seit 2004 unter EASA-Aufsicht operierende Design Organisation von Lufthansa Technik trägt diese Verantwortung seit über fünf Jahrzehnten. Diese Part-21J-Befähigung war der Katalysator für unzählige Innovationen und verwandelt seither Kundenvisionen in zertifizierte Lösungen, die die Luftfahrt kontinuierlich vorantreibt.
Heute umfasst der Entwicklungsbetrieb fast 700 Design, Compliance Verification, and Certification Engineers an zwölf Standorten der Lufthansa Technik Group weltweit.
Was ist ein STC?
Während Flugzeug- und Triebwerkshersteller (OEMs) von der EASA eine Musterzulassung für ihre Produkte erhalten, müssen alle anderen Entwicklungsbetriebe wie Lufthansa Technik für jede größere Konstruktionsänderung an einem Flugzeug oder Triebwerk ein STC (Supplemental Type Certificate), eine Ergänzende Musterzulassung, einholen. Das „Certain STC Privilege“ berechtigt Lufthansa Technik jetzt, „major changes“ eigenständig zu zertifizieren, sofern sie in den genehmigten Rahmen der Certain STCs fallen.
