Die Deutsche Lufthansa AG ist mit einer deutlichen Umsatz- und Ergebnisverbesserung in das Geschäftsjahr 2026 gestartet. Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und steigender Treibstoffkosten konnte der Konzern im ersten Quartal sowohl operative Kennzahlen als auch seine Finanzlage spürbar verbessern. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit für den weiteren Jahresverlauf zu.
Umsatzwachstum und Ergebnisverbesserung trotz operativem Verlust
Im ersten Quartal 2026 steigerte die Lufthansa Group ihren Konzernumsatz um acht Prozent auf 8,7 Milliarden Euro und erreichte damit einen Rekordwert für ein erstes Quartal. Das operative Ergebnis (Adjusted EBIT) verbesserte sich um 110 Millionen Euro auf -612 Millionen Euro. Auch das Konzernergebnis entwickelte sich positiv und lag mit -665 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert.
Die operative Marge verbesserte sich entsprechend auf -7,0 Prozent. Besonders hervorzuheben ist der starke Anstieg des Adjusted Free Cashflows, der um 65 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zunahm. Diese Entwicklung trug maßgeblich zur weiteren Reduktion der Nettokreditverschuldung auf 5,3 Milliarden Euro bei.
Nachfrageboom kompensiert geopolitische Einschränkungen
Ein wesentlicher Einflussfaktor im Berichtszeitraum war die anhaltende Krise im Mittleren Osten. Diese führte einerseits zu steigenden Kerosinpreisen und operativen Einschränkungen, wirkte sich andererseits jedoch positiv auf die Nachfrageentwicklung aus. Insbesondere im März kam es zu einer deutlichen Verlagerung von Passagierströmen weg von Drehkreuzen in der Golfregion hin zu europäischen Hubs.
Die Netzwerk-Airlines der Gruppe profitierten von dieser Entwicklung. Bei nahezu stabilem Kapazitätsangebot stieg die Auslastung auf 81,9 Prozent, während die Stückerlöse um 3,3 Prozent zunahmen. Ein verstärkter Fokus auf Langstreckenverbindungen sowie zusätzliche Frequenzen auf Asien- und Afrika-Routen unterstützten diese Entwicklung. Das Adjusted EBIT der Netzwerk-Airlines verbesserte sich um 135 Millionen Euro auf -605 Millionen Euro.
Punkt-zu-Punkt-Verkehr unter Kostendruck
Im Segment der Punkt-zu-Punkt-Airlines, insbesondere bei Eurowings, zeigte sich ein differenzierteres Bild. Zwar stiegen Angebot und Erlöse, insbesondere im Europaverkehr, jedoch belasteten höhere Wartungs- und Betriebskosten sowie wetterbedingte Unregelmäßigkeiten die Profitabilität. Zudem wurden Verbindungen in die Golfregion aufgrund der geopolitischen Lage vorübergehend eingestellt.
Das Adjusted EBIT in diesem Segment verschlechterte sich leicht auf -215 Millionen Euro.
Starke Beiträge von Technik und Frachtgeschäft
Die Geschäftsfelder Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo erwiesen sich erneut als stabile Ergebnisträger.
Lufthansa Technik profitierte von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Wartungs- und Reparaturleistungen und steigerte den Umsatz um 12 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis blieb mit 158 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, was insbesondere auf Material- und Personalknappheit zurückzuführen ist.
Lufthansa Cargo setzte ihren positiven Trend fort und erzielte ein Adjusted EBIT von 83 Millionen Euro, ein Anstieg um 21 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Treiber waren neben einer Kapazitätserweiterung auch steigende Frachtraten im Zuge der geopolitischen Entwicklungen.
Verbesserte Finanzstruktur und hohe Liquidität
Die starke operative Entwicklung spiegelte sich auch in den Finanzkennzahlen wider. Der operative Cashflow stieg auf rund 2,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig führten geringere Nettoinvestitionen – unter anderem durch Flugzeugverkäufe – zu einer deutlichen Verbesserung des Free Cashflows.
Mit liquiden Mitteln in Höhe von 10,3 Milliarden Euro und stabilen Pensionsverpflichtungen verfügt der Konzern weiterhin über eine solide finanzielle Basis.
Ausblick: Hohe Nachfrage trifft auf steigende Risiken
Für den weiteren Jahresverlauf erwartet die Lufthansa Group eine weiterhin robuste Nachfrage, insbesondere im Sommergeschäft. Gleichzeitig führen geopolitische Entwicklungen – etwa Einschränkungen wichtiger Transportwege wie der Straße von Hormuz – zu steigenden Treibstoffkosten. Trotz einer Absicherungsquote von rund 80 Prozent rechnet der Konzern mit Mehrkosten von etwa 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2026.
Durch Netzwerkoptimierungen, steigende Ticketerlöse und konsequente Kostendisziplin sollen diese Belastungen jedoch weitgehend kompensiert werden.
Vor diesem Hintergrund hält der Konzern an seiner Prognose fest, im Gesamtjahr 2026 ein Adjusted EBIT deutlich über dem Vorjahresniveau zu erzielen.
Strategische Resilienz als zentraler Erfolgsfaktor
Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr betont die strategische Widerstandsfähigkeit des Unternehmens. Insbesondere die Multi-Drehkreuz- und Multi-Airline-Strategie sowie Fortschritte bei der Flottenmodernisierung stärken die Flexibilität im operativen Geschäft.
Die Lufthansa Group sieht sich damit trotz zunehmender Unsicherheiten gut positioniert, um sowohl kurzfristige Herausforderungen zu bewältigen als auch langfristig profitables Wachstum zu sichern.
