Lindsay Muir hat den Heißluftballonweltrekord aufgestellt

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Foto: Bildarchiv Mrs. Lindsay Muir / FAI

Im zweiten Teil der Serie „Weltrekorde im Luftsport“ dreht sich diesmal alles um eine außergewöhnliche Frau des Ballonsports: Es geht um die Britin Lindsay Muir. Sie stellte für Frauen in der Klasse AX-10 (Heißluftballons von 4000 bis 6000m³) in der Kategorie Flugdauer mit einem Flug von 19h 07min 55s am 21. Mai 2000 im Ballon “Lindstrand LBL-210 A” (G-FVBF) einen neuen Weltrekord auf. Als Wettbewerbs- und Berufspilotin für Heißluftballons fliegt Lindsay seit dem 21. November 1983, welcher zugleich der zweihundertste Jahrestag des ersten bemannten Heißluftballonflugs ist. In Wettbewerben fliegt sie seit 1988.

Der Präsident der FAI Ballonfahrtskommission, Jean-Claude Weber, sagt über Lindsay: „Lindsay ist nicht nur eine erfahrene Wettbewerbs- und Rekord-Pilotin, sondern als Delegierte bei der FAI Ballonfahrtskommission auch eine begeisterte und anerkannte Repräsentantin ihrer heimischen Ballonpiloten und -pilotinnen. Ihr Rekord ist eine Glanzleistung und seit 15 Jahren ungebrochen.“


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Wir fragten Lindsay nach ihren Gedanken, wenn sie auf das Abenteuer zurückblickt: „Es machte großen Spaß, den Rekord aufzustellen und es bleiben mir viele sehr gute Erinnerungen und der Wunsch, es nochmal zu versuchen. Ich hatte gehofft, es zu schaffen, 24 Stunden zu fliegen und nicht bloß den vorigen Rekord im Langzeitflug zu brechen.“

Planung und Versuch
Lindsay sagte, die intensive Vorbereitung habe ein Jahr vor dem Rekordversuch begonnen. Freundlicherweise stellte sie uns einen Auszug aus ihrem Tagebuch aus der Zeit unmittelbar vor dem Versuch zur Verfügung: „Ein Langstreckenflug sah unwahrscheinlich aus, aber da wir drei Jahre gewartet hatten und die Wetteraussichten für die darauffolgende Woche nichts Besseres zeigten, würde dies dieses Jahr die letzte Chance vor der thermischen Aktivität des Sommers sein. Ich beschloss, es trotzdem zu versuchen. An diesem Punkt begann ich – eine Expertin für Krisenmanagement – alles fertig zu machen. Freitagmittag hatte ich keine Mannschaft, keinen Beobachter, kein Rückholfahrzeug und musste den Ballon noch klar machen. Später am Abend fand sich alles.“

Lindsay hob in Paddock Wood, Kent (Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland) ab. Es war geplant, den Ärmelkanal nach Frankreich zu überqueren und die ganze Nacht hindurch zu fliegen, aber das angekündigte Unwetter zwang die Pilotin zu einer Nachtlandung in der Nähe Lisbourg in Frankreich. Bevor es dunkel wurde, berechnete Lindsay ihre Treibstoffreserven neu und schätzte, dass diese durch die Nacht hindurch ausreichen würden. Sie wurde vom „Bristol Weather Centre“ (Wetterdienst in Bristol) informiert, dass der Wind eine Richtung von 210° und eine Geschwindigkeit von 10 Knoten habe, und auf 20 Knoten zunehmen werde. Regen wurde nicht erwähnt. Um 21:00 Uhr war es dunkel und sie trieb langsam weiter in Richtung Süden und offenes Land. Die Nacht verging und der Wind drehte langsam nach Südwesten und dann unheilvoll nach Westen. Der erste Treibstofftank, welcher in der Dunkelheit verwendet werden sollte, führte zu einer Zunahme des Treibstoffverbrauchs um 30% bis 50%. Folglich teilte Lindsay ihrer Mannschaft über Funk mit, dass sie genug Treibstoff hatte, um bis 02:00 Uhr zu fliegen. Der Wind nahm noch zu und Lindsay brachte den Ballon langsam weiter herunter – bis zu einer Flughöhe, die für einen Flug in der Dunkelheit niemand für sicher halten würde. Sie musste schließlich aufgeben und in der Dunkelheit landen, zumal die Rückholmannschaft berichtete, dass es regnete.

„Da ich alleine flog, konnte ich überhaupt nicht schlafen. Bei einem Heißluftballon muss man den Brenner mindestens einmal pro Minute laufen lassen, bloß um den Ballon auf Flughöhe zu halten. Ich achtete im Dunkeln ständig auf das akustische Variometer. Jedes Mal, wenn der Sinkalarm losging, ließ ich den Brenner laufen. Ich überlebte die Nacht, indem ich auf den Alarm achtete, am Telefon mit Freunden sprach und mich um den alarmierenden Treibstoffzustand sorgte.“ Lindsay konnte den Boden überhaupt nicht sehen und der Ballon sank weiter, bis er schließlich die Spitze eines Baumes berührte. Dann prallte der Ballon auf den Boden bevor er schließlich zum Stillstand kam. „Ich war noch glücklicher als meine Mannschaft wenige Augenblicke später ankam und es uns gelang, den Ballon wegzupacken bevor es in Strömen zu regnen begann“, sagte sie.

Eine ballonfahrende britische Familie
Was Lindsay zu einer perfekten Vertreterin des Ballonsports macht ist die Tatsache, dass ihre ganz Familie und ihr privates Leben in diesen Sport eingebunden sind. Die letzten 25 Jahre hat sie als professionelle Ballonpilotin gearbeitet, seit 1989 fliegt sie Ballons mit Fluggästen. Ihr Ehemann, Graham Belt, ist Chief Technical Officer des offiziellen Ballonsport Verbands des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, dem „British Balloon and Airship Club.“ Außerdem wurde ihre 21 jährige Tochter Chloe die jüngste Heißluftballonpilotin, als sie an ihrem siebzehnten Geburtstag ihren Flugschein erwarb.

„Ich bin sehr stolz auf meine Tochter. Sie war viele Male in meinem Team, als ich Wettbewerbe flog und nahm letztes Jahr erstmals an den Britischen Heißluftballonmeisterschaften teil. Ich hoffe, sie wird mich bei meinem nächsten Rekordversuch begleiten können. Sie wird auch an den diesjährigen FAI Europameisterschaften im Heißluftballonfahren der Frauen teilnehmen. Ich werde sie als Chefin meiner Mannschaft vermissen, aber es ist großartig, dass sie in einem so jungen Alter die Gelegenheit hat, an Meisterschaften teilzunehmen. Ich glaube, wir werden die erste Mutter und Tochter sein, die als Pilotinnen gegeneinander antreten. In einem herkömmlichen Heißluftballon 24 Stunden zu fliegen ist sehr schwer, aber ich werde es erneut versuchen und diesmal erfolgreich sein.“

Darüber hinaus möchten wir Lindsay zu ihrer Wahl als FAI CIA Vize-Kommissionspräsidentin beim Jahrestreffen Ende März 2015 gratulieren.

Lindsay ist ein außergewöhnliches weibliches Vorbild im Bereich des Luftsports und eine herausragende Botschafterin, der es gelungen ist, das Fliegen mit Familienleben, Arbeit und Hobbys in Einklang zu bringen.

Diese Serie wird präsentiert vom Dachverband des Luftsports, des Fédération Aéronautique Internationale (FAI).

Lesen Sie hier im ersten Teil die Geschichte von Steve Fossett. Ein Mann der alleine die Welt in einem Nonstop-Flug umrundet hat.

Quelle: FAI