1978 war ich auf Recherchereise in Kanada und Alaska für meinen Erstling Der Japaner. Ich verband das mit einem Besuch bei einem deutschen Piloten aus Büchel, der als Austauschpilot in Alberta in einem kanadischen Starfightergeschwader flog. Die subpolare Region im Norden Albertas litt damals unter einer Schwarzbärplage. Auf der Suche nach Nahrung wanderten die Bären durch die Orte, wühlten in Mülltonnen, drangen bisweilen auch schon in Häuser ein und vandalisierten die Küche. Die Regierung ermunterte daher die Einwohner zur Jagd auf Schwarzbären. Damit das nicht außer Kontrolle geriet, durfte jeder Einwohner zwei Bear-Tags beziehen, die er nach dem Abschuss am Bären befestigen musste.
Eines Abends kam H. vom Flugdienst zurück und lud mich ein, mit ihm auf die Jagd zu gehen. Wir zogen orangene Westen an, luden die Waffen ein und fuhren los. Es dauerte auch nicht lange, bis wir ein Tier sichteten. Mein Herz schlug bis zum Hals. Mein Freund legte an und schoß. Ich hatte noch nie etwas mit einer Jagd zu tun, ich kann mich an Tieren jeglicher Art in freier Wildbahn erfreuen. Ich sehe aber auch ein, dass man den Bestand regulieren muss, wenn er zur Plage oder gar zur Gefahr wird. An jenem Abend aber spürte ich, wie einen das Jagdfieber packen kann. Gleichzeitig erlebte ich, wie anmutig, geradezu majestätisch der Bär sein Leben aushauchte. Ein überraschter Laut, er rollte sich über den Kopf ab und war tot. Das dauerte keine fünf Sekunden. Da ich während meiner Arbeit auf der Ranch in Arizona schon mal eine Kuh ausgeweidet hatte, übernahm ich das auch bei dem Bären. Es war eine respektvolle Arbeit.
Andreas Fecker