Heute kopple ich eine Geschichte aus unserer Familienchronik heraus. Am 16.02.1960 war ich am Konstanzer Waldrand zum Skilaufen. Ich war zehn Jahre alt. Die Skier hatten damals noch Riemenbindungen, die man fest um seine Schuhe schnallen musste. Ich war alleine und lief über verschneite Wiesen. Plötzlich füllte sich die Spur mit Wasser, der Boden wurde weich, ich kam nicht mehr von der Stelle und begann einzusinken. Ich befand mich auf einem dünn verschneiten Sumpf. Die Skier brachte ich nicht von meinen Stiefeln, ich fiel auf den Rücken, Wasser drang in meinen Anorak. Je mehr ich mich bemühte, die Riemenschnallen zu öffnen, umso tiefer sank ich ein. Ich schrie um mein Leben. In der Ferne sah ich zwei Spaziergänger, aber sie schienen mich nicht zu hören. Plötzlich kam ein Mann mit einer Leiter. Er legte sie auf den Sumpf, kroch zu mir und holte mich zurück auf festen Grund. Ich war durchnässt, er brachte mich zu sich in das letzte Haus am Ortsrand. Seine Frau gab mir trockene Kleider, ich durfte mich aufwärmen. Dann begleitete mich das Ehepaar nach Hause. Ungefähr acht Jahre später lernte ich bei einem Konzert der Stingrays in Konstanz Monika Hafner kennen. Am Abend begleitete ich sie nach Hause. Wir trafen uns dann öfters und ich holte sie auch schon mal zuhause ab. Eines Tages fragte sie mich „Bist du früher mal Ski gelaufen?“ „Nicht wirklich. Hat mir nie Spaß gemacht. Ich habe auch schlechte Erinnerungen daran.“ Sie bohrte weiter. „Als du noch klein warst, bist du mal da hinten am Pfeifferhölzle im Sumpf eingesunken?“ Jetzt wurde ich von einem Sack längst vergessener Erinnerungen übermannt. „Woher weißt du das?“ „Mama glaubt, sie kennt dich! Darum hat sie mich gefragt.“ Jetzt erst wurde mir klar, wo ich war und wen ich da nach Hause begleitete! Im letzten Haus am Ortsrand! Die damals neunjährige Monika musste am Abend vor ihrem Geburtstag früher ins Bett, weil sie am folgenden Tag länger aufbleiben durfte. Und während sie noch wach im Bett lag, hörte sie entfernt einen Jungen schreien. Sie stand auf und informierte ihren Papa. Und der hat mich herausgezogen. Die Freundschaft hielt ca. ein Jahr, dann verloren wir uns aus den Augen. Die Familie zog später um. 50 Jahre später begann ich nach ihr zu suchen. Über das Einwohnermeldeamt wurde ich fündig. Bei unserem nächsten Besuch in Konstanz verabredeten wir uns. Endlich hatte ich die Gelegenheit mich in aller Form zu bedanken.
Andreas Fecker
Lieber Andy, eine berührende Begebenheit, die zeigt, wie viel im Leben zusammenhängt und sich fügt. LG & friedvolle, frohe Feiertage und guten Rutsch in ein gesundes und harmonisches 2026 Dir&Deinen Lieben