Dieses Buch erschien 2002. Es war Teil einer Trilogie „Hinter den Kulissen des Luftverkehrs“, bestehend aus „Fluglotsen“, „Piloten“ und „Flughäfen“. Ich vermittelte damals Fakten, die ich in eine Hintergrundgeschichte einbettete. Und wie kann man die komplexe Welt eines Flughafens besser erklären, als einen unbedarften Menschen eine Flugreise antreten zu lassen, bei der er mit den Schnittstellen zu dieser Umgebung kollidiert. In dieser Leseprobe habe ich ein paar Auszüge zusammengefasst. Sie beginnt mit der Hintergrundgeschichte:
Adalbert Fürchtegott Obermoser winkte dem Postboten schon von weitem zu und ging in die Küche, um eine Flasche Obstler zu entkorken. Schließlich kam es selten vor, dass sich der Briefträger Fridolin Weihrather auf den beschwerlichen Weg auf die Hintermoosalm in den Allgäuer Alpen machen musste. Es war verabredet, dass alles, was nach Postwurfsendungen aussah, auf der Post gelagert wurde, und nur Briefe, Mitteilungen von Behörden, und alles, was sonst noch eine Briefmarke trug, ausgeliefert wurde.
Adalbert Fürchtegott Obermoser lebte – ohne Telefon, Elektrizität oder gar Fernsehen – gut zwanzig Kilometer vom nächsten Ort. Er war einsam, aber glücklich und wer zu ihm kam, erfuhr eine sehr nachhaltige Gastfreundschaft, vom genannten Obstler über die Brotzeit bis zum deftigen Abendessen. Und wer sich nicht energisch genug verabschiedete, dem blieb keine andere Wahl als bis zum nächsten Tag zu bleiben. Nicht einmal der Briefträger konnte sich dieser Gastfreundschaft entziehen. Daher beugte er jedes Mal vor und verschlang schnell noch den Inhalt einer Dose Ölsardinen, bevor er sich zu Fuß auf den Weg zur Hintermoosalm machte. Das heißt, die ersten 14 Kilometer ließ er sich meist vom Wacker-Schorsch fahren. Doch dann hörte die Straße auf, und die restlichen 6 Kilometer begab er sich nach alter Postillon Tradition auf Schusters Rappen.
„Griaß-di’Gott, Friedel, wia isch des Le’m drunt’n im Toal?“
„Griaß-di’Gott, Adelbert, net goas so oansom wia doa hero’m.“
„Hoascht a Brüaf füa mi?“
„Ha jo! N’ goas a dick’n! Woas denksch denn worum i do ruf kim? Woi’s goa so gspaßig isch?“
(Anmerkung des Autors: Im bisherigen Teil der Unterhaltung haben sich die beiden Herren begrüßt und sich über die Einsamkeit einer Bergalm unterhalten, worauf der Briefträger dem Almbauer Adalbert Fürchtegott Obermoser mitteilte, dass er einen dicken Brief für ihn habe. Der Rest der Unterhaltung wird nun überwiegend in Schriftdeutsch wiedergegeben, damit sich die Untertitel in Grenzen halten)
„Hier ist ein Brief aus Amerika, und ich bin ganz sicher, dass der von dem Amerikaner ist. Von dem aus Kansas City, der wo letztes Jahr da war.“
Dabei sprach er das „C“ in Kansas City wie ein „Z“ aus.
„Ja der Dschonn! Der amerikanische Preuße, der wo sich hier im Nebel auf meine Alm verirrt hat! Bürgermeister war der doch, in Kansas Zity! Aber der kann doch bloß Englisch! Hoffentlich hat er was in den Brief geschrieben, wo ich lesen kann!“
„Wenn nicht, dann schick ich dir am Freitag mein Sohn vorbei, der kann dir das übersetzen.“
„Jetzt setzt dich erst einmal in die Stub’n, und dann trinken wir einen Obstler und dann machen wir erst einmal den Brief auf. Und dann schau’n mer moal, noche seh’n mer scho!“
Und dann setzten sie sich nieder, auf die lange Holzbank, am langen Holztisch, die Flasche Obstler und zwei Gläser zwischen sich. Beim ersten Obstler wurde der Brief geöffnet. Beim zweiten Glas entdeckten sie, dass der Brief auf Deutsch geschrieben war. Beim dritten Glas entdeckten sie, dass neben dem Prospekt von Kansas City ein längliches Heftchen ohne Bilder beilag, auf dem „Flight Coupon“ stand. Beim vierten Glas entdeckte Adalbert Fürchtegott Obermoser, dass sein Name in dem Ticket stand: OBERMOSER, A.F. MR, aber er hielt das für einen Zufall, bis er beim fünften Glas den Brief las und erfuhr, dass er einen Flugschein von Frankfurt über Chicago nach Kansas City in den Händen hielt.
„Jetzt brauch i a Schnaps!“
„Ich auch“
Von nun an nahm das Schicksal seinen Lauf. „Almbauer meets Airport“, zwei Welten prallen aufeinander…
Ankunft in Frankfurt
Adalbert Fürchtegott Obermoser stand verloren und verlassen am späten Vorabend seines geplanten Abfluges nach Kansas City auf dem Bahnsteig des Fernbahnhofes am Flughafen Frankfurt. So einen Bahnhof hatte er noch nie gesehen. Ehrfürchtig sah er sich um. So stellte er sich eine Stadt im Weltraum vor. Weiß und glitzernd vor Chrom und Glas, nüchtern und elegant präsentierte sich die Röhre. Beeindruckt und höchst verunsichert, aber todesmutig packte er seinen alten Lederkoffer, mit dem schon sein Großvater einmal 1888 – im Dreikaiserjahr – von der Hintermoosalm nach Füssen gereist war, um zu heiraten. Er folgte dem Weg der anderen Fahrgäste, die schon über die Rolltreppen nach oben verschwunden waren. In weiser Voraussicht hatte John Derryl Drake, Bürgermeister von Kansas City darauf verzichtet, ihm ein Zuflug-Ticket von München nach Frankfurt zu schicken, obwohl dies kaum mehr gekostet hätte. Aber er wollte es seinem Freund und Retter Adalbert Fürchtegott so einfach wie möglich machen und ihm das Umsteigen in Frankfurt ersparen.
„Kann ich Ihnen helfen?“
Eine freundliche Dame in einer blauen Uniform lächelte ihn an.
„Ja, kennen Sie den Bürgermeister von Kansas Zity? Der hat mich nämlich eingeladen. Und zu dem fahre ich jetzt.“
Es sprach für die Höflichkeit und die Selbstbeherrschung der freundlichen Dame, dass sie nicht in ungläubiges Gelächter ausbrach. „Dann schlage ich vor, ich zeige Ihnen den Weg zur Flughafen-Information. Und die sagen Ihnen dann, wie Sie zum Bürgermeister von Kansas City kommen. Also, sie gehen jetzt diesen Gang hier entlang, immer geradeaus…“
Information
Martha Schramm arbeitete schon seit 10 Jahren im Informations-Service des Frankfurter Flughafens. Sie beherrschte sieben Sprachen und verstand noch einige mehr. Ihr Beruf machte ihr einen Riesenspaß, denn kaum jemand auf dem Flughafen traf mit mehr Menschen zusammen, hatte auf mehr Situationen zu reagieren als die Angestellten am Informationsschalter.
Daher war Martha Schramm über Fürchtegott Adalbert Obermosers Anliegen nicht weiter verwundert. Höflich verzichtete sie auch darauf, die falsche Aussprache von Kansas City zu korrigieren. Sie hatte in ihrem Job schon so viel erlebt, was sich anfangs vollkommen verrückt anhörte, was sich aber schließlich als plausibel entpuppte. Daher hatte sie sich darauf trainiert, sich keinen irreführenden Vorurteilen hinzugeben, genau zuzuhören, sprachliche Nuancen zu interpretieren, einfache Fragen in kurzen Sätzen zu stellen, deutlich zu sprechen, ihren Verstand, ihr Wissen und ihre Kombinationsgabe zu nutzen, und sich das Anliegen eines jeden Kunden zu eigen zu machen.
Hilflos und verlassen
Wie oft hatte sie schon erlebt, dass Menschen von weit her angereist kamen. Sie fuhren in ihrem Heimatort mit dem Bus zum Bahnhof, stiegen dort in eine Regionalbahn, wechselten an fremden Bahnhöfen die Züge, kamen in Frankfurt am Hauptbahnhof an, fanden den Weg zur S-Bahn und wurden schließlich von den anderen Passagieren in die Schalterhalle des Flughafens gespült. Und da war es vorbei. Zu viele Eindrücke stürmten auf den Erstflieger ein, sie vergaßen alles, ihr Reiseziel, die Airline, wo sie ihr Ticket hingesteckt hatten, ihre Telefonnummer von zu Hause, die PIN ihrer Kreditkarte, einfach alles. Sie waren hilflos konfrontiert mit einer anderen Welt. Hier galt es, diese Situation schnell zu erkennen und dem Kunden zu helfen. Man musste ihm manchmal helfen sich zu beruhigen, sich zu besinnen, ohne dass man seine Würde verletzte. Natürlich war das nicht immer leicht, wenn sich schnell eine Schlange von ungeduldigen Kunden bildete, die vielleicht nur eine kurze Frage hatten. Daher hatte Martha Schramm immer eine Kollegin am Schalter, die dann die Routineauskünfte übernahm.
„Haben Sie denn schon einen Flugschein?“ fragte Martha Schramm.
„Ja natürlich!“ Fürchtegott knöpfte sein Hemd auf, kramte aus seinem Brustbeutel das Ticket hervor und gab es ihr.
„Sie fliegen also mit United Airlines morgen früh um 08:30 Uhr. Sehen Sie diese Schalterreihen dort? Suchen Sie die Schalter 496 – 509. Die Schalter öffnen um 06:15 Uhr. Stellen Sie sich ruhig schon um 06:00 Uhr an. Ich schreibe Ihnen das alles auf.“
„Danke, Sie sind sehr nett. Ich werde das dem Herrn Bürgermeister sagen, dass Sie mir so freundlich geholfen haben.“
„Vielen Dank, Herr Obermoser. Was kann ich sonst noch für Sie tun?“
Jetzt war Fürchtegott Obermoser von den Socken: „Woher kennen Sie mich? Sie waren doch noch nie bei mir auf der Alm!“
„Nein, natürlich nicht. Ich habe Ihren Namen in Ihrem Flugschein gelesen.“
„Schlau sans scho, die Preissen,“ murmelte Fürchtegott. „Was mach ich den jetzt, die ganze Nacht? Gibt’s da ein Gasthaus?“
„Wieviel möchten Sie denn für ein Zimmer ausgeben?“
„Na ja, so 20 oder 25 Euro…“
Martha Schramm zog einen Prospekt hervor und reichte ihn über den Schalter. „Ein richtiges Gasthaus wie bei Ihnen zu Hause gibt es hier nicht, stattdessen mehrere Hotels mit Zimmer-Preisen von 230 Euro aufwärts. Günstigere gibt es in der Stadt und natürlich in der weiteren Umgebung. Aber dann ist es nicht mehr ganz so einfach, morgens um sechs am Schalter zu sein.“
„Ja, was mach ich denn jetzt?“
„Ich kann Ihnen sagen, was viele andere Kunden machen. Der Flughafen ist rund um die Uhr offen. Es gibt viele bequeme Sessel. Nacht für Nacht kommen hier Hunderte von Reisenden mit dem Zug an, weil sie am nächsten Morgen frühzeitig abfliegen. Sie verbringen die Nacht hier, machen Spaziergänge im Flughafen, trinken einen Kaffee, gehen in ein Restaurant, schauen sich die Schaufenster an und machen wieder ein Nickerchen im Sessel. Der Flughafen ist so groß, dass Sie stundenlang brauchen, um sich alles anzusehen. Morgen früh gehen sie dann in eine der 117 Waschraum- und Toilettenanlagen, machen sich frisch und begeben sich zum Schalter. Der Schlaf wird dann später im Flugzeug nachgeholt. So machen es viele. Ich möchte Sie nur bitten, immer auf ihren Koffer aufzupassen.“
„Vielen Dank. Sie sind ein nettes Weibsbild, Frau Schramm.“ Damit reichte er ihr die Hand über den Schalter hinweg. Martha Schramm wusste, dass solche Ausdrücke im tiefen Allgäu keine Beschimpfung darstellten, und lächelte Herrn Obermoser aufmunternd zu.
„Grüßen Sie mir den Herrn Bürgermeister.“
Flughafensicherheit
Obwohl es noch früh am Tag war, staunte Adalbert Obermoser wieviel Menschen schon im Flughafen waren. Doch, was war denn das? „Hallo! Hallo! Schorsch!“ Er traute seinen Augen nicht. Da, da vorne ging er, der Huber Schorsch von der Nachbar-Alm! Ja so ein Zufall!
Fürchtegott ließ seinen Koffer im Stich und rannte hinter dem vermeintlichen Allgäuer Freund her, der im Gewühl der Menschen zu verloren gehen drohte. Zwar hatte er ihn schon aus den Augen verloren, aber er würde ihn schon wieder finden!
Einem aufmerksamen Passanten fiel das herrenlose Gepäckstück auf. Er ging zum nächsten Schalter und rief, „da hat jemand einen Koffer stehen lassen!“
Die Reaktion auf diesen lauten Ruf provozierte höchst unterschiedliche Reaktionen. Die am nächsten stehenden hielten sich sicherheitshalber die Nase zu, andere lachten laut auf, und eine ältere Dame (vielleicht mit schlechtem Gewissen?) protestierte ‚Das war sehr taktlos, junger Mann’. Hinter den Schaltern wurde jedoch richtig reagiert. Dem Bundesgrenzschutz wurde der „nicht zuzuordnende Gegenstand“ gemeldet. Das war ganz nebenbei auch der politisch korrekte Ausdruck dafür, viel besser als „herrenlos“! Die nächste Fußstreife war sofort vor Ort.
„Wem gehört dieser Koffer?“ rief einer. „Whose suitcase is that?“ Die umstehenden Reisenden zuckten mit den Schultern. „Ich lasse ihn Ausrufen. Sperr schon mal ab.“
Bombenalarm
Während nun der eine Beamte in sein Funkgerät sprach, bat der andere die Passagiere zurückzutreten. Weitere Polizisten eilten herbei und sperrten den Bereich weiträumig ab.
Mittlerweile ertönte eine Lautsprecherdurchsage in mehreren Sprachen: „Achtung, Achtung, eine dringende Durchsage. In der Schalterhalle B wurde ein brauner Lederkoffer gefunden. Der Besitzer wird gebeten, sich umgehend beim nächsten Schalter zu melden.“
Ein Bombenentschärfungskommando mit schweren Schutzanzügen eilte heran. Ein fahrbarer Roboter wurde in Stellung gebracht. Die Männer setzten ihre Helme auf und bewegten den Roboter mittels der Fernsteuerung auf die mögliche Bombe zu. Der Roboter war mit Kamera, Röntgengerät und verschiedenen Sensoren, die auf Chemikalien und Elektronik ansprachen, ausgerüstet. Zentimetergenau konnte man damit verborgene Zünder orten. Ebenfalls auf dem Roboter aufmontiert befand sich ein Hochdruck-Wassergewehr, mit dem man auch starke Materialien zerstören, und dabei eine Funkenbildung verhindern konnte. Mittlerweile wurden auch schon die Videobänder überprüft, die den Hallenbereich abdeckten.
Während die beiden Bombenspezialisten die Lage beurteilten, kämpfte sich Adalbert Fürchtegott Obermoser zur Absperrung vor. „Halt! Was machen Sie denn da mit meinem Koffer?“
Erleichtertes Aufatmen bei allen Beteiligten. Obermoser wurde vorgelassen. „Ihren Pass, bitte. Und öffnen Sie bitte Ihr Gepäck.“ Gehorsam klappte Fürchtegott den Deckel auf. „Ja kann man denn jetzt nicht einmal mehr seinen Koffer irgendwo stehen lassen?“
„Nein. Natürlich nicht! Sie sehen doch, was das nach sich zieht. Woher sollen wir denn wissen, dass da keine Bombe drin ist?“
„So ein Schmarren! Ich fahr doch nicht mit einer Bombe zu den Preußen! Ich, der Obermoser! Woher soll denn ich eine Bombe haben!“
Nur kein Aufsehen
Für die Polizisten galt es nun, so schnell wie möglich wieder zur Normalität überzugehen und die Absperrung aufzuheben. Es gab immer wieder Neugierige, Nachahmer oder Wichtigtuer, die solche Einsätze bewusst provozierten. Dank der erstklassigen Videoüberwachung auf dem gesamten Flughafen und der dazu gehörenden Technik und Computersoftware werden diese Witzbolde immer leichter identifiziert, überführt und zu empfindlichen Strafen verdonnert. Daher baten sie den Almbauern zur weiteren Befragung und Ermahnung auf die Wache.
Seit 1952 ist der Grenzschutz auf dem Frankfurter Flughafen angesiedelt. Damals reichten 30 Beamte für den Dienst aus. 1986 noch waren es 185 Staatsdiener. Mittlerweile sind es 2.000 Beamte, die von weiteren 1.000 Personen des flughafeneigenen Sicherheitsdienstes unterstützt werden. Die Aufgaben sind in den letzten Jahren stark angewachsen. Zur Grenzpolizeilichen Kontrolle kamen die Luftsicherheitsaufgaben, sowie die Aufgaben der Bahnpolizei auf den beiden Bahnhöfen.
Die Beamten sind überall auf dem Airport zu sehen. Auffällig sein, freundlich, mit wachem Auge beobachtend, aber gleichzeitig zurückhaltend, das ist ihr Auftrag. Außer den Beamten in Uniform gibt es noch die in Zivil, die sich äußerlich in nichts von wartenden Passagieren unterscheiden, die mit gelangweiltem Blick unauffällig die Passagiere mustern.
Adalbert Fürchtegott Obermoser fiel es nicht schwer, die Obrigkeit von seiner Harmlosigkeit zu überzeugen. Bevor man ihn mit Ermahnungen entließ, zukünftig sein Gepäck nicht mehr aus den Augen zu lassen, bat man ihn schmunzelnd, dem Bürgermeister von Kansas City noch die besten Wünsche von der Grenzschutzpolizei des Frankfurter Flughafens zu überbringen.
Abflug
Zahlreiche kleine Episoden lasse ich den Almbauern zur Auflockerung der technischen Erklärungen und Illustrationen erleben, bis …
Adalbert Fürchtegott Obermoser betrat die Boeing 777 der United Airlines. Zielsicher ging er auf eine Stewardess zu.
„Wo sind denn da die Flügel? Der Wacker Schorsch hat mir gesagt, ich soll mich auf einen Platz setzen vor den Flügeln, damit ich was sehe.“
„Darf ich Ihren Boarding Pass sehen?“
„Schon wieder eine Passkontrolle! Ja wie oft denn noch?“
„Nein, den kleinen Abschnitt, den Sie am Flugsteig gegen Ihr Ticket erhalten haben.“
„Ach so, die Quittung. Ja, die habe ich gut aufgehoben. Ich hab mir schon fast gedacht, dass ich noch mal danach gefragt werde!“ Dabei langte er in seine Hosentasche und zog den kleinen Abschnitt hervor.
„Sitz 18 A. Das ist in der Tat ein Platz am Fenster vor dem Flügel. Darf ich Ihnen den Weg zeigen?“ Damit ging sie vor Fürchtegott her und zeigt ihm seinen Platz in der Business Class des modernen Flugzeuges.
„Das ist ja fast wie im Kino! Wissen’s, mit der Vreni war ich mal in Füssen im Kino, da ist auch so eine Platzanweiserin.“
„Bitte machen Sie es sich bequem. Kann ich Ihnen eine Erfrischung bringen? Etwas zu trinken vielleicht?“
„Ja wenn Sie mich so freundlich fragen. Ein Hefe-Weizen und an‘ Obstler tät mir jetzt schmecken. Kann auch a Maß sein.“
Frankfurt Airport kann aufatmen. Der Almbauer Adalbert Fürchtegott Obermoser sitzt im Flugzeug!
Auszug aus „Flughäfen“ von Andreas Fecker
Nachwort
Wenn man ein Buch vollendet hat, beginnt die Suche nach einem Promi, der ein Vorwort schreibt. Was lag näher, als den Bürgermeister von Kansas City darum zu bitten. Also suchte ich im Internet, wer das denn derzeit ist. Ich erlebte einen Schock: Kansas City wurde damals von einer Frau regiert, Mrs. Kay Barnes. Der Text war schon durchs Lektorat, ihn umzuschreiben war nicht mehr möglich. Ich musste zusehen, wie ich aus dieser Nummer herauskam.
Also schrieb ich nach Kansas City und erklärte Mrs. Barnes, wie ich mich in diese Bredouille gebracht hatte, und dass ich sie trotzdem um ein Vorwort bitte. Das schickte sie mir auch zusammen mit einem Foto zu. Ich versprach, ihr eine signierte Ausgabe persönlich nach Kansas City zu bringen. Bei unserem Zusammentreffen in ihrem Büro im 29. Stock der Stadtverwaltung erklärte ich ihr noch einmal, wie es zu dieser Geschichte kam. Sie lachte herzlich und sagte: „Seien Sie versichert, irgendwann ist der Bürgermeister unserer Stadt wieder mal ein Mann. Dann stimmt Ihre Geschichte wieder. Und wenn Sie wieder nach Frankfurt kommen, grüßen Sie Petra Roth von mir. Ich bewundere diese Frau.“
