Gewerkschaft der Flugsicherung schlägt Alarm: „Jetzt wird geerntet, was gesät wurde“

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Foto: Simon Pannock / airportzentrale.de

Mit großem Unverständnis beobachtet die Gewerkschaft der Flugsicherung e. V. (GdF) die derzeitige Entwicklung im gesamten, aber speziell im deutschen Luftverkehr und fordert einen Luftfahrtgipfel.

So dramatisch schnell, wie es zum Beginn der Coronapandemie zu einem fast vollständigen Erliegen des Luftverkehrs kam, steigt nun fast ebenso schnell der Bedarf an Urlaubs- und Geschäftsflügen und kann momentan weder von den Fluggesellschaften noch von den meisten Flughäfen halbwegs zufriedenstellend abgewickelt werden. Dabei kommt diese Entwicklung keineswegs überraschend. Schon vor Monaten haben alle Systempartner davon gesprochen, dass große „Nachholeffekte“ im Flugverkehr zu erwarten sind. Hat man sich jedoch darauf vorbereitet? Keineswegs!

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„Bis zur letzten Minute haben viele Fluggesellschaften – allen voran das deutsche Aushängeschild Lufthansa – sowie die großen Flughäfen sich in den vergangenen zwei Jahren auf Kosten des deutschen Steuerzahlers saniert“, so erklärt Matthias Maas, Bundesvorsitzender der GdF, und ergänzt: „Kurzarbeit und Personalabbau ohne jegliche Weitsicht auf eine mögliche Erholung des Luftverkehrs stand bei den meisten Geschäftsführern trotz des allgemeinen Arbeitskräftemangels an erster Stelle sowie Sparwut um jeden Preis. Jetzt wird geerntet, was gesät wurde.“

Tausende von Mitarbeitern wurden entlassen und nun versucht man händeringend diese wieder zurück zu holen. Gerne auch mit finanziellen Anreizen, wie Prämien oder der Zusage von Tariflohn. Beim genaueren Hinschauen entpuppt sich auch dies jedoch wieder als Versuch, die Beschäftigten in billigere Tochterunternehmen zu locken. „Nachdem unter anderem die Herren Spohr (Lufthansa), Dr. Schulte (Fraport), Beisel (ADV) oder Randow (BDL) während der Pandemie immer wieder staatliche Unterstützung eingefordert (und auch erhalten) haben, ist derzeit wenig hilfreiches aus dieser Richtung zu hören“, sagt Maas.

Dass es auch besser hätte gehen können, zeige die Situation bei der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS), wo man einen anderen Weg durch die Pandemie einschlug, keine Kurzarbeit und Entlassungen initiierte und im Nachhinein von den Kapazitätsverringerungen während der Pandemie profitiert. Sicherlich ist die Personalsituation dort auch nicht rosig, aber deutlich besser als bei den anderen Beteiligten im Luftverkehr, deren verbliebene Beschäftigte längst an der Belastungsgrenze sind.

In anderen Ländern wurde inzwischen bezüglich des gleichen Problems rasch und kurzfristig die Politik aktiv. So berief der britische Verkehrsminister bereits vor zwei Wochen alle Verantwortlichen sehr zeitnah zu einem runden Tisch, um sich des Problems persönlich anzunehmen. Hierzulande sieht sich das zuständige Ministerium wohl nicht in der Verantwortung, obwohl die Fluggastkontrolle sogar als hoheitliche Aufgabe der Bundespolizei in die Zuständigkeit der Bundesregierung fällt, diese Tätigkeit aber aus Kostengründen auch an billigere Sicherheitsunternehmen unterbeliehen hat. Aus dem BMDV jedenfalls fehlt es bislang an jedem Lösungsansatz oder auch nur einem Versuch, die Lage zu koordinieren. „Ein Luftfahrtgipfel mit allen Beteiligten im Luftverkehr – auch den Sozialpartnern – erscheint mir dringend geboten. Ich fordere den Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing (FDP) auf, noch vor der parlamentarischen Sommerpause tätig zu werden. Ansonsten werden wir in diesem Sommer an den deutschen Flughäfen ein noch nie dagewesenes Chaos erleben. Weitere kurzfristige Flugstreichungen, lange Schlangen in den Terminals, verzweifelte Passagiere, die ihre Maschinen nicht rechtzeitig erreichen und verspätete oder verlorene Gepäckstücke werden an der Tagesordnung sein,“ erwartet Maas.

Quelle: PM GdF

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