Forderung: air cargo club deutschland fordert gemeinsame europäische Zollhandhabung

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Foto: airportzentrale.de

Chinesische Online-Händler liefern derzeit im Rekordtempo tausende Tonnen Waren täglich direkt aus China in die ganze Welt. Das hat gravierende Folgen für die Luftfracht: die rasante E-Commerce-Entwicklung sorgt inzwischen für Engpässe im weltweiten Lufttransport und treibt die Frachtraten auf neue Rekordhöhen. Doch deutsche Luftfrachtunternehmen haben hierbei bisher das Nachsehen. Denn obwohl viele Päckchen und Pakete von chinesischen Online-Shops nach Deutschland gehen, fliegen die meisten Sendungen – unter anderem aufgrund von weniger strengen Zollhandhabungen – vor allem zum Fracht-Flughafen Liège in Belgien. Auf der vergangenen Veranstaltung des aircargo club deutschland diskutierten die Mitglieder über eine gemeinsame europäische Zollhandhabung.

Während globale Unternehmen aufgrund der Unterbrechungen am Roten Meer nach alternativen Logistikoptionen suchen, werden die Luftfrachtkapazitäten immer geringer. Grund hierfür ist das schnelle Wachstum insbesondere der chinesischen Online-Händler Shein und Temu, die den Platz in den Frachtfliegern für ihre Sendungen beanspruchen. Bislang wird der Großteil der Produkte in individuell adressierten Paketen direkt aus Fabriken in China per Flugzeug an Käufer in Europa und in den USA versendet.

„Ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Online-Handel ist die Belastbarkeit und Schnelligkeit der Lieferkette, denn die Anforderungen an den Transport von E-Commerce-Sendungen sind sehr komplex. Um bei dieser Wachstumsgeschwindigkeit Schritt zu halten, müssen wir die Kapazitäten in den Flugzeugen und verfügbare Dienstleistungen genau beobachten und gegebenenfalls anpassen. Das gilt auch für alle zusätzlichen Prozesse und IT-Fähigkeiten im Rahmen von E-Commerce-Transporten. Diese können dazu beitragen, dass Waren schneller und zuverlässiger transportiert werden“, erklärte Boris Hueske, Geschäftsführer bei heyworld, bei einer Veranstaltung des aircargo club deutschland.

Der Online-Handel könnte zur wichtigsten Ware in der Luftfracht mit einem Anteil von über 30 Prozent werden. Doch hiervon profitieren bisher vor allem europäische Luftfrachtstandorte außerhalb Deutschlands, wie der Flughafen Amsterdam oder Liège. Grund hierfür ist, dass die Voraussetzungen für den Frachtverkehr beispielsweise in Liège deutlich besser scheinen als an vielen deutschen Standorten. So besitzt der belgische Flughafen eine 24-Stunden-Genehmigung, genügend Abfertigungskapazitäten, ausreichend Luftverkehrsrechte und freie Slots sowie flexible Chartergenehmigungen. Außerdem gilt der belgische Zoll innerhalb der Branche als unkomplizierter – und dass obwohl die Zollbestimmungen in Europa eigentlich überall gleich sind.

Prof. Dr. Christopher W. Stoller, Präsident des aircargo club deutschland, verweist auf die Gefahr für den deutschen Luftfrachtstandort: „Es ist kein fairer Wettbewerb, wenn die europäischen Zollregeln unterschiedlich ausgelegt und gehandhabt werden. Die Politik muss aktiv werden, um dies durchzusetzen und dem Luftfrachtstandort Deutschland damit zu neuer Attraktivität zu verhelfen.“

Der auf Online-Handel spezialisierten Logistikdienstleister heyworld wurde 2019 von der Lufthansa Cargo gegründet, um den Ausbau des E-Commerce-Geschäfts am Flughafen Frankfurt aktiv voranzutreiben und das Drehkreuz damit in Zukunft zu einem der wichtigsten E-Commerce-Hubs der Welt zu entwickeln. Im Oktober 2022 hat heyworld eine eigene vollautomatische Paket-Sortieranlage in Betrieb genommen. Seit Ende 2023 wurden die Kapazitäten auf einen Durchsatz von bis zu 200.000 Paketen im 24-Stunden-Betrieb ausgeweitet.

Quelle: PM acd

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