Fluglotsen schlagen Alarm: Massive Verspätungen im Luftverkehr im Sommer 2022

Werbung
Foto: Simon Pannock / airportzentrale.de

Dem Flugverkehr in Europa drohen zur Urlaubs-Saison 2022 vergleichbare Zustände wie im „Verspätungs-Sommer“ 2018. Damals war es aufgrund von Fehlplanungen in der Flugsicherung zu massiven Behinderungen im europäischen Flugbetrieb bekommen. Der Grund sind zu niedrig angesetzte Kapazitätsplanungen der Flugsicherungsanbieter.

„Die aktuellen Verkehrsplanungs-Szenarien für den europäischen Luftraum sind viel zu knapp kalkuliert und bleiben deutlich hinter den Erwartungen vieler Reiseanbieter und Fluggesellschaften zurück“, betonte Stefan Pille, Präsident der Gewerkschaft Trade Union EUROCONTROL Maastricht (TUEM). „Wenn sich deren Prognosen bewahrheiten, sind wir als europäische Flugsicherungsanbieter nicht darauf vorbereitet. Die Folge wären massive Verspätungen zur Hauptreisezeit, gestrandete Reisende in ganz Europa und ein Abwürgen der dringend benötigten wirtschaftlichen Erholung.“

Werbung



Die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt EUROCONTROL hält in ihrer jüngsten Verkehrsprognose eine Erholung der Flugbewegungen auf Vorkrisen-Niveau bereits Anfang 2023 für möglich. Ungeachtet dessen orientieren sich die Flugsicherungsanbieter bei der Personal- und Kapazitätsplanung jedoch an einem konservativ berechneten Szenario, das eine Erholung nicht vor Mitte 2024 erwartet. Damit weichen die Kapazitätsplanungen deutlich ab von den Prognosen vieler Fluggesellschaften und Reiseanbieter wie TUI oder Alltours, die mit einer Erholung bereits zur Sommerurlaubs-Saison 2022 rechnen. Dies gilt vor allem für Direktverbindungen im europäischen Flugverkehr, die nach Ansicht von Analysten 2022 sogar wieder über dem Vorkrisenniveau liegen sollen.

Hinzu kommt ein Sondereffekt speziell für das „Maastricht Upper Area Control Center“ (MUAC), das den Luftraum über den Benelux-Staaten und Nordwestdeutschland kontrolliert: So werden aufgrund einer Systemumstellung im benachbarten französischen Sektor 2022 viele Ausweichrouten im MUAC-Sektor geflogen werden müssen. „Dieses Verkehrsaufkommen müssen wir zusätzlich bewältigen, es ist aber in den Prognosen noch gar nicht einkalkuliert“, so Pille. Schon ein „Stau“ in einem Sektor führt zu einem europaweiten Dominoeffekt, weil Flüge keine Startgenehmigung erhalten, Ausweichrouten fliegen müssen oder schlimmstenfalls ganz storniert werden müssen.

Die Gewerkschaft TUEM fordert deshalb dringend, bei der Kapazitätsplanung ausreichend Puffer einzuplanen. „Es ist klar, dass Prognosen immer mit Unwägbarkeiten verbunden sind“, so Pille. „Gerade deshalb dürfen sich die Planungen aber nicht an Wunschdenken orientieren. Flugsicherung ist keine wirtschaftliche Diensteistung wie jede andere, sondern eine sicherheitsrelevante kritische Infrastruktur. Sie muss von konjunkturellen Schwankungen entkoppelt und auf alles vorbereitet sein.“

Die Gewerkschaft warnte in diesem Zusammenhang eindringlich davor, die Pandemie als Gelegenheit für Einsparungen in der Flugsicherung zu nutzen. „Sparmaßnahmen unter dem Eindruck akuter Krisen – etwa der Lehman-Brothers-Pleite oder 9/11 haben bisher immer dazu geführt, dass die Kapazitäten dem Bedarf hinterherliefen“, so der TUEM-President. „Diesen Fehler sollten Flugsicherungsanbieter nicht wieder machen.“

Quelle: TUEM